Museumsleiter Wittekindt betrachtete mit Besuchern mittelalterliche Steinfiguren

Krone auf dem Königsknie

Den Bildersturm überstanden: In der Mauritius-Kapelle des Kreis-Heimatmuseums betrachtete Pfarrer a. D. Heiner Wittekindt gemeinsam mit den Besuchers auch diese erhalten gebliebenen Evangelisten-Figuren. Foto: Völker

Frankenberg. Ganz dicht rückten die Zuhörer an die Steinfigur heran und hellten mit der Taschenlampe das Gesicht des bärtigen Königs auf. Eine Lehrstunde im genauen Hinschauen und Hinterfragen von mittelalterlichen Kunstwerken bereitete Pfarrer a. D. Heiner Wittekindt seinem Publikum in der Mauritius-Kapelle des Frankenberger Heimatmuseums.

„Luege her, schau hin!“, steinerne Inschrift an der Marienkapelle, war Motto des einstündigen Workshops, zu dem der Verein Kreis-Heimatmuseum eingeladen hatte. Nicht als Kunsthistoriker, nicht als Pfarrer – allein als Theologe wolle er, so betonte Wittekindt, die Botschaften der Bildhauer entziffern und im Gespräch mit den Museumsbesuchern ein Gespür für Details beim genauen Betrachten der Exponate vermitteln.

Das wurde zu Beginn schon bei der letzten von vermutlich ehemals drei Königsfiguren einer Uhr, von denen der Chronist Wigand Gerstenberg berichtet, sichtbar: Wittekindt deutete die Demutsgeste des Königs mit der Krone auf dem Knie, die blühenden Christrosen, wies auf Gürtel und genähte Schuhsohlen hin.

Mit der Dreikönigsuhr und dem ausgeprägten Marienkult begegneten sich in der Frankenberger Liebfrauenkirche zwei konkurrierende religiös-machtpolitische Organisationsstrukturen der Erzbistümer Köln und Mainz, erläuterte Museumsleiter Wittekindt. „Diese Uhr war auch noch nach dem großen Stadtbrand von 1476 vorhanden, aber über ihren weiteren Verbleib haben wir keine Nachricht.“

Als weitere Beispiele aus dem Figurenschmuck der Liebfrauenkirche nahm sich Pfarrer Wittekindt mit seinen Besuchern den Apostel Philippus mit aufgeschlagenem Buch „Allein Gott zur Ehre“, den Evangelisten Lukas mit Schriftband „exultavit infans“ (Das Kind hüpfte) und den Evangelisten Markus unter die Lupe. Dass gerade sie den reformatorischen Bildersturm unter Landgraf Moritz überlebten, eine „Zerstörung mit genau ausgerichtetem theologischen System“, machte er dabei besonders deutlich.

Auch dass es sich bei den Figuren auf den äußeren Konsolen der Marienkapelle, die alle von „Tyle von Frankenberg“ stammen sollen, nicht um Werke eines einzigen Bildhauers handeln muss, konnten die Museumsbesucher unter Anleitung des Experten an vielen sehr unterschiedlichen Details wie Faltenwurf, Fußstellung oder Gesichtsdarstellungen beim genauen Hinschauen feststellen.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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