Vernissage im Kunsttreff

Kunst, die an Zukunft erinnert

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Dr. Birgit Kümmel (links) überreichte bei der Ausstellungseröffnung im Haus am Geismarer Tor das erste Exemplar eines elegant bebilderten Katalogs an die Künstlerin Dorit Croissier. Rechts im Bild Erster Stadtrat Willi Naumann.Fotos: Völker

Frankenberg - Dorit Croissier, die als freischaffende Künstlerin in der Warburger Börde lebt, hatte sich mit dem historischen Gebäudeensemble aus Sandstein und Fachwerk sorgfältig auseinandergesetzt, bevor sie am Wochenende ihre Ausstellung „Zukunft erinnern“ im Frankenberger Kunsttreff eröffnete.

Sie bespielt die Stein und Putz der Steinkemenate, die am Geismarer Tor den großen Stadtbrand von 1476 mit Scharten und Brandflecken überstand, wie ein Theater: In den kleinen Lukenfenstern wachen Keramikskulpturen, eine dreigeteilte Plastik trotzt dem Luftsog des Kamins, ein zwölfteiliges Bilderwerk mit Acrylfarben auf gegerbter Ziegenhaut bringt Leben in die tote Westwand des Steinhauses.

Es gehört zu den besonderen Stärken der Künstlerin, dass sie auf die Aura von Räumen und Landschaften mit ortsbezogenen Arbeiten antwortet, wobei sie einen faszinierenden Reichtum an Ausdrucksformen zwischen Installation, Skulptur und Objekt entfaltet. Dorit Croissier hat dies bei vielen internationalen Ausstellungen erfolgreich bewiesen, wie Dr. Birgit Kümmel, die Leiterin des Frankenberger Kunstvereins bei der Einführung berichtete. Ihre nächste künstlerische Bühne werde schon ein paar Tage später Korea sein.

Stadt, Land, Fluss: Dorit Croissier hatte das mittelalterliche Frankenberg und seine Kaufleute im Blick, als sie den Steinturm mit einer übergroßen, vor Jahrhunderten entwickelten Rechenmaschine ausstattete, einem „Abakus“, auf dem Holzklötzchen auf Metallstäben verschoben werden - die Besucher probierten einfache Rechenoperationen selbst aus. Ortsbezogen ist auch ein fünfteiliges Relief, das den Verlauf der Eder in einer abstrakten Landschaft aus zarten, weißen Porzellanstäbchen wiederzugeben scheint.

Die besondere Liebe von Dorit Croissier gilt Keramik und Porzellan, wie in der aktuellen Frankenberger Ausstellung auch die Installation „Platzhalter“ verrät: Mit weißem Porzellan überzogene Pflanzenteile wirken wie Zitate aus der Natur, zu Fossilien erstarrt. Ihre geheimnisvollen, bilderreichen Namen von Kräutern und Pflanzen wollen Spielräume für Fantasien einer lebendigen Zukunft freisetzen, die kleinen Werke bleiben dabei aber anrührend und verletzlich. Die winzigen Objekte in kleinen, nostalgischen Rahmen stehen in spannungsvollem Kontrast zur „turmbezogenen“ Kunst im Steinhaus.

Dieser „intensive künstlerische Dialog zwischen Mittelalter und Moderne“, wie Erster Stadtrat Willi Naumann sagte, als er zur Eröffnung der Ausstellung im Haus am Geismarer Tor die Grüße der Stadt Frankenberg überbrachte, werde in den kommenden Wochen die Besucher faszinieren. Der Kasseler Performancekünstler Benjamin Porps schuf mit atmosphärischer Musik, Pantomime und raumgreifender Bewegung dann sehr individuelle, bewegte Perspektiven auf die erstarrten Kunstobjekte im Steinturm.

Pünktlich zur Ausstellungseröffnung ist ein grafisch ansprechender, schmuckvoller Katalog „Zukunft erinnern“ mit vielen Bildern und Wortbeiträgen von Birgit Kümmel, Joachim Lotz und Christian Wulff erschienen. Er ist zum Preis von 15 Euro im Haus am Geismarer Tor während der Öffnungszeiten bis zum 18. Oktober jeweils samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung (Telefon 05691/625734) erhältlich. (vk)

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