Frankenau

Kutscher über dramatische Fahrt in Kassel

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- Frankenau (pk). Einem Kutscher aus dem Frankenauer Stadtgebiet sind am Freitag in Kassel die Pferde durchgegangen. Seit Medien darüber berichtet haben, kämpft der Kutscher Ralf Finke mit Anfeindungen. Dabei hat er mit den Vorfällen in Kassel nichts zu tun.

Ralf Finke betreibt einen Archehof in Frankenau. Seit sieben Jahren arbeitet er dort in der Natur und züchtet vom Aussterben bedrohte Tierarten. „Pferde begleiten mich schon mein ganzes Leben“, sagt der Züchter und Fuhrmann. Für ihn sei immer schon klar gewesen, dass er mal mit Pferden arbeiten möchte. Vor sieben Jahren erfüllte Finke sich seinen Traum und kaufte den Hof in Frankenau. Dort züchtet er nicht nur vom Aussterben bedrohte Pferderassen, sondern auch seltene Kühe, Schweine und Hühner.

Außerdem ist Ralf Finke Partner des Nationalparks Kellerwald-Edersee – er darf als Kutscher Planwagenfahrten durch den Park anbieten. Manchmal fährt er auch als Hochzeitskutscher oder auf Schützenfesten in der Region. „Die meisten Fahrten werden aber durch den Nationalpark gebucht“, berichtet der Pferdeliebhaber aus Frankenau.

Mit der dramatischen Kutschfahrt in Kassel (die FZ berichtete) hat Finke nichts zu tun. Dort ging am Freitagabend in der Frankfurter Straße eine Kutsche mit zwei Pferden durch, weil die Tiere sich wegen einer Straßenbahn erschreckt hatten. Der 58-jährige Kutscher fiel vom Gefährt und musste das Brautpaar, das die romantische Fahrt gebucht hatte, vor dem Standesamt stehen lassen. Die Polizei berichtete in einer Pressemitteilung darüber, dass der 58-Jährige aus Frankenau stamme.

In der Stadt Frankenau gibt es aber mehrere Kutscher. Dennoch hat Ralf Finke nun mit Anfeindungen zu kämpfen. „Ich wurde schon angerufen und habe Mails bekommen, wie ich so mit meinen Pferden umgehen könne. Ein Kunde hat sogar schon eine gebuchte Fahrt wegen der Berichte storniert“, ärgert sich der Frankenauer. „Dabei würde ich solche Fahrten gar nicht machen“, betont er. Er hat fünf Pferde, die dafür geeignet sind, vor Kutschen gespannt zu werden. Bis zu 15 Personen nimmt er auf einer Fahrt mit. Aber bevor die Pferde für gebuchte Planwagenfahrten eingesetzt werden, übt Finke viel mit einer unbesetzten Kutsche. „Pferde brauchen Routine. Dann kann man auch mit ihnen am Straßenverkehr teilnehmen“, erklärt der Fuhrmann.

Über die stark befahrene Frankfurter Straße in Kassel würde Finke mit seinen routinierten Tieren im Dunkeln dennoch nicht fahren: „Das kann man mit Pferden machen, die jeden Tag Fahrten durch die Stadt machen und daran gewöhnt sind.“ Der Züchter aus Frankenau verdeutlicht, dass es immer ein Risiko gebe, wenn man eine Kutschfahrt macht. „Aber das Risiko muss minimiert werden, denn wir transportieren Menschen.“ Deswegen würde Finke mit seinen Pferden gerade im Dunkeln immer stark befahrene Straßen meiden. „Natürlich erschrecken Pferde sich im Dunkeln leichter“, erklärt Finke – wie viele Menschen eben auch. „Unter solchen Aktionen leidet das gesamte Berufsbild der Fuhrleute“, ärgert sich der Frankenauer. Eine Kutsche im Straßenverkehr fahren darf laut Finke übrigens jeder – solange er private Fahrten macht. „Wenn die Versicherung es mitmacht, dann braucht man keinen Führerschein.“ Sobald jemand aber gewerbliche Fahrten anbieten möchte, muss er einen Kutschen-Führerschein machen.

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