Rennertehausen

NVV lässt Rentnerpaar in Kälte stehen

- Nachdem Hartmut und Kerstin Lünsche stundenlang vergeblich auf einen Bus warteten, riefen sie ein Taxi. Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) wollte die Kostenzunächst nicht übernehmen.

Allendorf-Rennertehausen. Es ist das unschöne Ende einer Urlaubsreise: Hartmut Lünsche (69) und seine Ehefrau Kerstin (52) verbringen zum Jahresende 2009 einige Tage in Ostdeutschland. Am 29. Dezember wollen sie mit Bus und Bahn zurück ins heimische Rennertehausen. Als Inhaber von Schwerbehindertenausweisen können beide kostenlos öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Zunächst klappt alles reibungslos: Der Zug kommt in Kassel-Wilhelmshöhe an, von dort aus besteigt das Ehepaar einen NVV-Bus Richtung Bad Wildungen. „Dort kamen wir um 18.15 Uhr an“, berichtet Hartmut Lünsche. Fahrt kostet 45 Euro Von der Kurstadt aus soll laut Fahrplan ein Bus um 18.25 Uhr nach Frankenberg starten. Doch der kommt nicht. Hartmut und Kerstin Lünsche warten und warten. Hartmut Lünsche ruft schließlich beim NVV in Kassel an. „Im Moment fahren keine Busse“, erfährt er zusammen mit dem Versprechen: „Wir melden uns, wenn wir genaueres wissen.“ Auf diesen Anruf warten Lünsches bis nach 21 Uhr: „Es war kalt und hat geschneit“, sagt der 69-Jährige und ist immer noch sauer, wenn er daran denkt. Durchgefroren nimmt sich das Ehepaar schließlich ein Taxi nach Rennertehausen. 45 Euro kostet die Fahrt. Das Geld will Hartmut Lünsche vom Nordhessischen Verkehrsverbund zurück. Er ist sauer, „dass man behinderte Menschen einfach in den Karpaten zurücklässt mit dem Versprechen, sie anzurufen“. Er beschwert sich beim NVV und möchte die Übernahme der Kosten. Doch seine Briefe werden zweimal mit Absagen beschieden. Eine Erstattung von Taxikosten sei erst bei Ausfällen nach 20 Uhr möglich, heißt es darin. Kein Trost ist auch das Angebot des NVV, das Fahrtgeld für die ausgefallene Fahrt zu erstatten: Als Schwerbehinderte haben sie gar keinen Fahrausweis gezogen. „Wir betrachten den Fall als abgeschlossen“, heißt es im bislang letzten Schreiben des Verkehrsunternehmens. Hartmut Lünsche wendet sich daraufhin an die Frankenberger Zeitung und schildert den Sachverhalt. Die FZ fragt bei NVV-Sprecherin Sabine Herms nach. Und die hat gestern eine gute Nachricht: „Wir machen eine Ausnahme“, erklärte sie. Wegen Schneefällen sei es an jenem Tag zu Ausfällen und Verspätungen gekommen. Die Wartezeit hätte dazugeführt, dass das Ehepaar Lünsche erst nach 20 Uhr das Taxi gerufen habe. Deshalb werde der NVV die Kosten übernehmen – auch, weil nach der Schilderung durch die Frankenberger Zeitung der Sachverhalt klarer geworden sei.Hartmut Lünsche freute sich gestern über den Anruf der Heimatzeitung – der Ärger ist damit verraucht.

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