Geismar

Laientheater: Schweinezüchter rettet Schönheitsfarm

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- Frankenberg-Geismar (sr). Karl Graß spielte bei dem heiteren Dreiakter mit dem Titel „So ein Frisör hat‘s schwör“ die Hauptrolle – und stand fast ununterbrochen auf der Bühne im Geismarer Dorfgemeinschaftshaus.

Die 13 Laienspieler der Geismarer Theatergruppe begeisterten am Wochenende drei Mal im vollbesetzten Dorfgemeinschaftshaus. Nach drei Jahren Pause strömten viele Geismarer und Gäste aus der Umgebung wieder zu den Theaterabenden.

Die Identifikation mit den Akteuren auf der Bühne und viele lokale Bezüge in der Handlung machen die Laienstücke besonders interessant. Ob ein bekannter Dorfhund, Läden oder Arztpraxen – viele Geismarer fanden sich in der Handlung wieder.

Die Geschichte spielte in einem hoffnungslos überalterten Frisörsalon, in dem Kalle Kaiser seit drei Jahrzehnten als Frisörmeister in vierter Generation regiert. Mangels Modernisierung bleiben die Kunden aus, extreme Umsatzprobleme sind die Folge. Dann die zündende Idee einer Shop-in-Shop Variante: Mehrere Existenzgründerinnen wollen im „Kaiser-Haus“ ein Tatoo-Studio, eine Yoga-Schule, eine Massage-Praxis und ein Sonnenstudio öffnen. Doch der Traum von der Schönheitsfarm zerplatzt.

„Alles Hochstapler, jetzt rappelt‘s im Karton“, schimpft der Hauptakteur über die fehlende Qualifikation seiner Mieter. Das Chaos ist perfekt, das Geschäft ist ruiniert. Doch zum Schluss gab‘s doch noch ein Happy-End: Ein Schweinezüchter will Opas Patent zur Damenbartentfernung kaufen, die Insolvenz wird abgewendet.

Herausragender Akteur war Karl Graß in der Hauptrolle des Frisörs. Er stand fast ununterbrochen auf der Bühne und meisterte seine langen Textpassagen mit Bravour. Höhepunkte war auch seine ausgeprägte Mimik ohne Worte jeweils zu Beginn der drei Akte. In einer ausgefallenen Rolle als Punkerin begeisterte Anke Eigenbrodt, mit Tatoos und Piercings kaum wieder zu erkennen. Eine wahre Meisterleistung, nicht nur von der Darstellerin, sondern auch von der Maskenbildnerin Lisa Michel im Hintergrund.

Heimlicher Star des Abends war der Bote, dargestellt vom Geismarer „Original“ Norbert Cramer. Er sorgte mit seinen Kurz-Auftritten als Beate-Uhse-Eilbote und einem großen Paket für viel Gelächter und Applaus. Auch die übrigen Rollen waren den Darstellern wie auf den Leib geschneidert: Ob Rüdiger Seibert als Weinbauer „Louis“ oder Christian Michel als junger dynamischer Betriebswirt. Gabi Heinz spielte in unnachahmlicher Art die oft aufgebrachte Ehefrau Hermine.

Daniela Scholl und Jane Dill teilten sich die Rolle der Tochter Susi. In den übrigen Rollen begeisterten Silvio Bartel als Neffe Otto, Jutta Mütze als „Giftmischerin“ Cordula, Edith Faust als Sonnenstudio-Betreiberin mit Sonnenallergie, Carina Kraft als vermeintliche Thai-Masseurin oder Astrid Kraft als Yoga-Lehrerin.

„Ruf die Menschenrechtsorganisation an“ oder „Erzähl mir von meinem nächsten Sargnagel“, lauteten die Hilferufe von Kalle Kaiser. Das zeitnahe und aktuelle Stück von Peter Durke zeichnete sich durch schnelle Szenenfolgen, hohes Tempo und trockenen Humor aus. Hauptdarsteller Karl Graß dankte zum Schluss allen Helfern hinter den Kulissen, allen voran der Regisseurin und Souffleuse Ilse Groß.

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