Frankenberg

Ein Land voller Unwägbarkeiten

- Frankenberg (schä). Joachim Hesse reiste bei der Fußball-WM durch Südafrika und hat darüber sein zweites Buch geschrieben. 6 Spiele in 7 Tagen: Die Reise sollte möglichst preisgünstig sein, die Route war mit heißer Nadel gestrickt – „Fußballfahrten 2“ lässt die Leser teilhaben an einer Reise durch ein Land voller Unwägbarkeiten.

„Ich schreib’ halt gern“, sagt Joachim Hesse. Hinzu kommt, dass er ebenso gern herumreist und den Fußball liebt. Diese drei Hobbys ließ der 31-Jährige über Winter in seinem zweiten Buch münden, das er nun nach knapp vier Monaten Arbeit – unter anderem hat er sich selbst um Druck und Herausgabe gekümmert – veröffentlicht hat.

Es berichtet über den einwöchigen Aufenthalt im Land der Fußball-Weltmeisterschaft 2010, Südafrika – und beginnt doch bereits vier Jahre zuvor. In Dortmund-Hörde. Einen Tag nach dem Halbfinale-Aus der deutschen Mannschaft beim „Sommermärchen“ 2006 fällt bei Joachim Hesse und seinem Freund Sebastian Christ die Entscheidung: In vier Jahren sind wir wieder dabei. Gut, der Plan, fortan jeden Tag einen Euro für den Trip nach Südafrika zu sparen, wird des öfteren vernachlässigt. Doch die beiden Frankenberger stehen tatsächlich rund 1430 Tage später am Flughafen Johannesburg – mit jeweils fünf Tickets für WM-Spiele in der Tasche, werden unter anderem Deutschland gegen Ghana sehen.

Der offene Umgang mit den anderen Fußballfans aus aller Welt beschert dem Duo später noch zwei Karten aus dem Kontingent der Botschaft Hongkongs. Damit stehen Hesse und Christ vor einem – zeitlich betrachtet – erbarmungslosen Reiseprogramm. Nicht nur einmal werden sie nachts um halb fünf zurückkehren von einem WM-Stadion, um bereits um 7 Uhr zum nächsten wieder auszubrechen.

Der Leser des Buches nimmt auf den gut 100 Seiten an diesem Abenteuer teil – und muss dafür nicht unbedingt Fußball-Fanatiker sein. Denn im Gegensatz zu manchem WM-Buch mit bunten Bildern und übertrieben positiven Beiträgen von Waldemar Hartmann oder Günther Jauch ist „Fußballfahrten 2“ im Stile eines Reisetagebuches geschrieben.

„Jeden Abend habe ich hier die Erlebnisse des Tages festgehalten“, sagt Joachim Hesse und hält ein schwarz-rotes Notizbuch hoch. Und darin stehen weniger Torschützen, gelbe Karten und taktische Analysen der WM-Spiele, sondern vielmehr, wie es ist, als (weißer) WM-Tourist Land und Leute zu erleben. Man habe Respekt gehabt vor dem Trip, da es immer wieder beunruhigende Nachrichten aus Südafrika gab, bekennt Hesse. Dennoch müssen sie es am Ende nicht bereut zu haben, das WM-Land anders erfahren zu haben als der Standard-Besucher, der im teuren Hotel wohnt und mit Mietwagen zum Stadion fährt.

Das Duo aus Frankenberg tut das, wovor allenthalben gewarnt wurde: Es reist mit öffentlichen Verkehrsmitteln und mischt sich damit zwangsläufig immer wieder unter das Volk der Einheimischen. „Vor allem aus Kostengründen haben wir die typischen Tipps in den Reiseführern ignoriert“, erklärt Hesse.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Donnerstag, 21. April.

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