In Wiesenfeld renovierte die Familie Sprengel das Verwalterhaus von 1711

Von Landgraf Karl gebaut

Wappen und hessischer Löwe: Traditionsbewusst haben Hans und Manfred Sprengel ihr 300 Jahre altes Fachwerkhaus mit langer Vorgeschichte renoviert. Fotos: Völker

Wiesenfeld. Vor genau 300 Jahren baute der hessische Landgraf Karl für die Verwalter seines Johannitergutes in Wiesenfeld ein stattliches Wohnhaus an der Stelle, wo vorher noch ein brüchig gewordenes Klostergebäude gestanden hatte. Neben der gotischen Kirche und dem Komturhaus ist seitdem dieses historische Gebäude ortsbildprägend. Die Eigentümerfamilie Sprengel hat es pünktlich zum Jahrhundertjubiläum nun bereits zum zweiten Mal renoviert.

Viel Eigenleistung

Nachdem Hans und Anna Sprengel das so genannte „Landgrafenhaus“ 1968 von Landwirt Herbert Marburger, der in direkter Nachbarschaft in einen neuen Hof zog, gekauft hatten, renovierten sie zunächst die Innenräume. Als sich aber das Dorf Wiesenfeld für seine 750-Jahr-Feier rüstete, bekam das Baudenkmal 1985 eine besonders gründliche Außenrenovierung. Bis zum Fest 1988 sind damals in der ehemaligen Hugenottenkolonie sämtliche Fachwerkfassaden, die teilweise unter Asbestzementplatten verdeckt worden waren, von den Eigentümern mit viel Eigenleistung freigelegt worden.

Dabei entdeckte Helmut Plümacher, der mit seiner Familie die andere Hälfte des „Landgrafenhauses“ bewohnt, die Anfangsbuchstaben des Bauherren auf einem bis dahin verdeckten Türsturz: „C L Z H“, Carl Landgraf zu Hessen, „ANNO 1711“. Die Familie Sprengel griff an ihrer Haushälfte die landgräfliche Symbolik auf und ließ im Fachwerk das hessische Wappen mit dem Löwen auftragen.

Eine Woche lang hat Manfred Sprengel gemeinsam mit Freunden die Fachwerkhaut des Bauwerks renoviert. Er ist als Maler bei Finger-Haus in Frankenberg auch beruflich für die Innengestaltung von Häusern zuständig und bringt deshalb viel handwerkliche Erfahrung im Holzbau mit. „Ich habe beim Fachwerk eine spezielle norwegische Farbe eingesetzt, die besonders lichtecht sein soll“, berichtet er. Um die Kunst der Zimmerleute besonders hervorzuheben, habe er wieder alle Balkenköpfe und Profilierungen auf Schwelle und Rähm farbig abgesetzt.

Das Fachwerk-Schmuckstück, in dem einst die landgräflichen Gutsverwalter wohnten, bildet neben dem Wehrturm der Johanniterkirche und dem letzten noch erhaltenen Klostergebäude aus dem Jahr 1507 den historischen Kern des Dorfes. 1755 waren sowohl das Komtur- wie auch das Landgrafenhaus aufgeteilt und mit jeweils zwei Hugenottenfamilien besetzt worden; in Sprengels Haus wohnten die Siedler Vinçon aus Todenhausen und Aillaud aus Schwabendorf.

„Seitdem der europäische Kulturwanderweg ‚Hugenotten- und Waldenserpfad’ auch durch unser Dorf führt, bleiben Besucher vor unserem Haus stehen und fragen nach der Geschichte“, erzählt Manfred Sprengel.

Eine Informationstafel der Region Burgwald, die nähere Auskunft gibt, ist deshalb bereits vor einigen Jahren angebracht worden.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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