Kreiserntedankfest in Laisa

Landjugend als Bewahrer von Tradition

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Johanna und Julian Grass von der Geismaer Landjugend als nächstem Ausrichter nahmen nach dem Fest die Erntekrone von Bastian Belz, Anna-Lena Wickenhöfer sowie dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Heinrich Heidel (von links) entgegen.

Battenberg-Laisa - Tänze, Tracht und Tradition aus Dankbarkeit: Das Kreiserntedankfest lockte viele Besucher nach Laisa. Der Altkreis ist immer noch stark von der Landwirtschaft geprägt und so standen auch in diesem Jahr Produkte aus der Region für die Region im Mittelpunkt.

Die Dreschhalle in Laisa bot am Sonntag den richtigen Rahmen für die Feiern zum Kreiserntedankfest. Das alte Gebäude mit seinen Bretterwänden und dem gemauerten Boden strahlt das aus, was die Trachtengruppe, die dieses Fest der landwirtschaftlichen Verbände traditionell im Wechsel mit anderen Landjugendgruppen des Altkreises ausrichtet, bewahren möchte: Tradition. Immerhin verfügen die Laisaer noch über eine funktionierende Dreschmaschine, für deren Erhalt ein großer Aufwand betrieben wird. Auch stand ein Kartoffeldämpfer bereit, die Gäste zu versorgen. Ein Altar, festlich geschmückt mit Feldfrüchten, rundete das Ambiente zusätzlich ab. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst vom Männergesangsverein aus Laisa unter der Leitung von Werner Schielke.

So erfreute sich Pfarrer Stefan Peter an der großen Erntedankgemeinde, die den Weg in die Laisaer Dreschhalle fand. „Welche Bedeutung hat das Erntedankfest heute noch?“, fragte er. Im ländlichen Umfeld des Landkreises hätten viele sicher noch eine stärkere Bindung zur Natur. Dies sei jedoch nicht typisch für die Gesellschaft: „Die Unmittelbarkeit ist etwas verloren gegangen“, sagte Peter. Das Leben sei von Selbstverständlichkeit geprägt, der Zusammenhang zwischen Sähen und Ernten sei nicht mehr so greifbar. „Man hat vergessen, danke zu sagen“, mahnte der Pfarrer. „Das Erntedankfest soll uns daran erinnern, dass wir Beschenkte sind“. Daraus erwachse aber auch Verantwortung.

Bezüge gehen verloren

Bastian Belz, Vorsitzender der Laisaer Trachtengruppe, die erstmals seit fünf Jahren wieder das Kreiserntedankfest ausrichtete, erinnerte sich in seiner Begrüßung an seine ersten Erfahrungen mit dem Erntedankfest. „Klar, man kannte es aus dem Religionsunterricht“, sagte er. Später erst habe er ein Bewusstsein für verschiedene Themen entwickelt, sagte er. Belz selbst sei als Student oft mit der Situation konfrontiert, Wurst abgepackt im Supermarkt kaufen zu müssen und könne nicht immer auf frische Ware aus der Heimat zurückgreifen. „Das ist schon was anderes“, sagte er.

Battenbergs Bürgermeister Heinfried Horsel verwies auf die Bedeutung der Laisaer Trachtengruppe für den Stadtteil. „Sie ist ein Aktivposten im Ort“. So dürfe Laisa zuversichtlich in die Zukunft blicken. „Der Erntedanktag soll uns daran erinnern, dass unsere Arbeit nicht allein unser Werk ist“, fügte Horsel hinzu.

Auch der erste Kreisbeigeordnete Jens Deutschendorf bezog sich auf den nach wie vor hohen Stellenwert, den die Landwirtschaft im Landkreis hat. Die Ernte sei in diesem Jahr zufriedenstellend, sagte er. Allerdings habe sich die Wachstumsperiode um etwa zwei Wochen nach hinten verschoben. An Erntedank solle daher auch an jene gedacht werden, die in diesem Jahr viel verloren haben, sagte Deutschendorf und verwies auf die vielen Menschen die im vergangen Jahr von der Flut betroffen waren und immer noch sind.

Die Landtagsabgeordnete Claudia Ravensburg empfand es als gelungenen Abschluss, den Erntedanktag in Laisa zu begehen, denn immerhin habe an selber Stelle an Ostern während des Rückersfestes auch das Erntejahr begonnen. Ravensburg verwies auch auf die Direktvermarktertage, die immer sehr viel Publikum anziehen würden. Dieses Interesse zeige, dass die Menschen die heimischen Produkte zu schätzen wissen. „Regionale Produkte werden auch im Supermarkt angeboten“, sagte sie. Es sei am Käufer, sich auch für diese Produkte zu entscheiden.

„Regionale Produkte bieten einen Gegentrend“, sagte Kreislandwirt Fritz Schäfer. Es sei eine Kreislaufwirtschaft: Produkte aus der Region für die Region. Er blickte zurück auf die Geschichte des Erntedankfestes. Preußenkönig Friedrich II. verfügte 1773 den Erntedanktermin in einer Zeit, in der die Menschen von Hunger und Krieg umgeben waren. Dass die Kirche am Erntedanktag so zahlreich gefüllt sei, zeige, dass die Menschen wüssten, wem sie zu danken hätten.

Tanz als Zeichen des Danks

Wie üblich wurde am Erntedanktag auch getanzt. Den Auftakt der traditionellen Tanzdarbietungen machte die Landjugendgruppe aus Haubern. Sie trugen den „Sprätzer“ und die „Polka Jenny Lint“ vor. Die Kreislandjugend, die sich aus Mitgliedern verschiedener Ortsgruppen zusammensetzt, zeigte den „Lauterbacher“ und den „Stockholm Schottisch“. „Wer genau hingeschaut hat, sieht, dass die Tänze nicht überall gleich einstudiert werden“, sagte Belz. Die Landjugend Geismar tanzte den „Maike“ und den „Tangermünder“. Bevor die acht Paare der Trachtengruppe aus Laisa zum Bändertanz antraten, sorgte die Kindertanzgruppe unter Leitung von Heike Noll, für einen Höhepunkt: Die Kinder zeigten unter großem Applaus vier Tänze in zwei Gruppen unterschiedlichen Alters. Die ganz Kleinen zeigten „Ja mit den Füßen“ und die Trampelpolka. Die etwas größeren Kinder trugen den „Seyras“ und den „Tangermünder“ vor.

Der Kreisbauernverbandsvorsitzende Heinrich Heidel, der im Anschluss an den Bändertanz die Erntekrone an die Landjugend aus Geismar überreichte, verglich die von acht Paaren umtanzte Erntekrone mit einem Weihnachtsbaum. Sie wurde in vielen Stunden Arbeit gebunden. Einen besonderen Dank dafür sprach Bastian Belz Christa Koch, Heike Alexander und Erika Seipp aus, die maßgeblich an ihrer Entstehung beteiligt waren. „Man wird sich bewusst, was das Jahr über geschafft wurde“, sagte Heidel. „Der ländliche Raum funktioniert nicht ohne die Landwirtschaft“, fügte er hinzu.

Im nächsten Jahr richten die Empfänger der Krone aus Geismar das Kreiserntedankfest aus.

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