Bündnis aus Unternehmen, Landkreis und Verbänden will Vorreiter sein

Landkreis Waldeck-Frankenberg soll bis 2035 klimaneutral werden

Die Gründungsmitglieder des Vereins Klimaneutrales Waldeck-Frankenberg sowie an der Gründung Beteiligte. Vorne von links: Geschäftsführer Tim Oberlies, Vorsitzender Prof. Dr. Markus Pfuhl (beide Firma Viessmann), 2. Vorsitzender Karl-Friedrich Frese (Erster Kreisbeigeordneter) und Schirmherr Landrat Dr. Reinhard Kubat.
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Die Gründungsmitglieder des Vereins Klimaneutrales Waldeck-Frankenberg sowie an der Gründung Beteiligte. Vorne von links: Geschäftsführer Tim Oberlies, Vorsitzender Prof. Dr. Markus Pfuhl (beide Firma Viessmann), 2. Vorsitzender Karl-Friedrich Frese (Erster Kreisbeigeordneter) und Schirmherr Landrat Dr. Reinhard Kubat.

Waldeck-Frankenberg soll bis zum Jahr 2035 klimaneutral werden. Dieses ehrgeizige Ziel hat sich ein regionales Bündnis aus Firmen, Verbänden, dem Landkreis und den 22 Kommunen gesetzt. 

Waldeck-Frankenberg.Mit der Gründung des Vereins Klimaneutrales Waldeck-Frankenberg fiel am Mittwochabend im Landratsamt in Frankenberg der Startschuss für das deutschlandweit einzigartige Projekt – initiiert vom Allendorfer Heiz- und Klimatechnik-Unternehmen Viessmann und von Anfang an unterstützt vom Landkreis.

„Lassen Sie uns gemeinsam beweisen, dass Klimaschutz und Wohlstand keine Gegensätze sind. Dann wird auch der Rest der Welt willig sein, sich für den Klimaschutz einzusetzen“, appellierte Prof. Dr. Markus Pfuhl vom Viessmann-Führungsteam an die 13 weiteren Gründungsmitglieder, die ihn zum Vorsitzenden des neuen Vereins gewählt hatten. „Lassen Sie uns heute beginnen“, fügte er hinzu.

Angesichts der bereits deutlich sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels wollen die Akteure Vorreiter im Klimaschutz sein und die von der Bundesregierung angestrebte Klimaneutralität für das Jahr 2045 deutlich früher erreichen. „Uns ist bewusst, dass 2035 ein sehr ehrgeiziges Ziel ist“, sagte Pfuhl.

Der Verein soll bei der Umsetzung eine „Vorbild-, Antreiber- und Bündelungsfunktion“ haben, erläuterte Landrat Dr. Reinhard Kubat, Schirmherr des Projektes.

Die Mitglieder – Unternehmen, Energieversorger, Vereine, öffentliche Träger sowie landwirtschaftliche Betriebe – wollen ihre unterschiedlichen Kompetenzen in Sachen Klimaschutz einbringen. Durch Austausch – zum Beispiel in Fachgruppen und Zirkeln – und durch ehrenamtliche Klimabotschafter – Experten, insbesondere aus Unternehmen wie Viessmann – soll ein lokales Netzwerk aufgebaut werden. Ob im Handwerksbetrieb, im Einzelhandel oder in der Landwirtschaft – es sollen so gemeinsam Möglichkeiten der CO2-Einsparung identifiziert, Maßnahmen zur Reduzierung aufgezeigt und möglichst eine Vermeidung neuer Emissionen erwirkt werden.

Das Projekt wird laut Dr. Markus Pfuhl auch unterstützt von der Landes-Energie-Agentur des Hessischen Wirtschaftsministeriums. Für die geplante Auftaktveranstaltung am 26. November in Frankenberg habe Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir sein Kommen zugesagt.

Die Gründung von Klimaneutrales Waldeck-Frankenberg haben die Firma Viessmann und der Landkreis mit seinem Klimateam maßgeblich vorbereitet. Weitere Unterstützer: die Bürgermeister der 22 Kommunen, die Firmen Finger-Haus, Continental Korbach, Edeka Schwebel, Weidemann, Hettich, HEWI Heinrich Wilke, Energie-Waldeck-Frankenberg, Energiegesellschaft Frankenberg, Kreishandwerkerschaft, Kreisbauernverbände und Vereine, wie FC Ederbergland. 

„Das ist groß und verrückt“

„Das ist groß. Ihr seid verrückt. Das ist eine coole Idee“. Solche Äußerungen hat Prof. Dr. Markus Pfuhl, einer der Initiatoren des Vereins Klimaneutrales Waldeck-Frankenberg, im Vorfeld oft gehört. Sie schreckten weder ihn noch die anderen 13 Gründungsmitglieder ab. Gemeinsam wollen sie sich dafür einsetzen, dass der Landkreis bis 2035 klimaneutral wird – zehn Jahre eher als es die Bundesregierung vorsieht.

Große Einigkeit bewiesen die Vertreter von Firmen, Verbänden und öffentlichen Körperschaften bei der Vereinsgründung am Mittwochabend im Frankenberger Landratsamt. In den vergangenen Monaten hatten Pfuhl und Tim Oberlies (beide Firma Viessmann) gemeinsam mit dem Landkreis und dessen Klimateam – Kim Peis und Nico Wirth – die Gründungsversammlung und Vereinssatzung vorbereitet. Unter der Regie von Notar Guido Seidel fassten die Gründungsmitglieder alle Beschlüsse einstimmig.

Der Vorstand

In den Vorstand wurden gewählt: Vorsitzender Prof. Dr. Markus Pfuhl (Firma Viessmann). 2. Vorsitzender Karl-Friedrich Frese (Erster Kreisbeigeordneter), Kassenwart Steffen Werner (Steuerberater, Allendorf/Eder), Schriftführer: Hendrik Block (Kommunalwald-GmbH Waldeck-Frankenberg) sowie die Beisitzer: Stephanie Wetekam (Kreisbauernverband Waldeck), Bernd Apfelbeck (Firma Weidemann, Korbach), Klaus Cronau (Firma Finger-Haus, Frankenberg), Guido Kalbe (Obermeister Fachinnung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Korbach) und André Kreisz (Kaufmännischer Verein Frankenberg). Zu Kassenprüfern wurden Stefan Schaller (Energie Waldeck Frankenberg) und Lothar Salokat (Firma Continental, Korbach) gewählt.

Die Mitgliedschaft

Mitglieder werden können Firmen, Körperschaften, Verbände und Vereine. Die Versammlung beschloss folgende Jahresbeiträge: Vereine/ Verbände: 120 Euro, Gebietskörperschaften: 240 Euro, Firmen mit bis zu 50 Mitarbeitern: 120 Euro, mit 50 bis 100 Mitarbeitern: 240 Euro und über 100 Mitarbeiter 540 Euro. Privatpersonen sind zunächst nicht als Mitglieder vorgesehen, aber es gibt diesbezügliche Überlegungen.

Die Motivation

Die Gründe für die Kooperation beschreibt das Bündnis in einer Pressemitteilung so: Die Menschen spürten zunehmend die Auswirkungen des Klimawandels. Die damit einhergehenden Folgen drohten, außer Kontrolle zu geraten. Das Ziel, die Erderwärmung auf plus zwei Grad zu begrenzen, könne mit aktuellen Maßnahmen nicht mehr erreicht werden. „Wir möchten unseren Teil zur Klimaneutralität beitragen und unsere lebens- und liebenswerte Region für nachfolgende Generationen sichern – deshalb fangen wir zu Hause an!“

Das Vorgehen

Die Mitglieder wollen ihre Kompetenzen bündeln, sich gegenseitig beraten und unterstützen bei den Fragen, wo und wie CO2-Ausstoß verringert und vermieden werden kann. Sie wollen auch die Einsparungen nach internationalen Standards bilanzieren und in halbjährlichen Abstände veröffentlichen – als Vergleichjahr dient 2019.

Jedes Mitglied muss die definierten Maßnahmen selbst umsetzen, kann aber Unterstützung durch ehrenamtliche Klimaberater erhalten. Alleine in der Firma Viessmann haben sich laut Pfuhl bereits mehr als 20 Mitarbeiter – Experten in Sachen Energie und CO2-Einsparung – bereit erklärt, freiwillige mitzuwirken. Um einen langfristigen und nachhaltigen Erfolg zu erzielen, sollen die Maßnahmen in einer gesamtheitlichen Strategie gebündelt werden. Der Austausch soll in regelmäßigen Netzwerktreffen, in Zirkeln, Fachgruppen-Gesprächen und bei Vorträgen stattfinden.

Der nächste Schritt

Der Verein Klimaneutrales Waldeck-Frankenberg beantragt nun den Eintrag ins Vereinsregister und die Anerkennung als gemeinnützig. In einer Auftaktveranstaltung am 26. November in Frankenberg mit dem Hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir werden dann auch die 22 Kommunen des Landkreises beitreten.

Öffentlichkeitsarbeit

Der Verein Klimaneutrales Waldeck-Frankenberg will mit den Klimaschutzmaßnahmen weit über die Region hinaus wirken, Vorreiter sein. Und damit auch eine positive Außendarstellung erzielen, die die Region noch attraktiver macht, zum Beispiel für Touristen. Von Martina Biedenbach

Weitere Infos und Anmeldung zur Mitgliedschaft auf klimaneutrales-wfkb.de/

Dänische Stadt als Vorbild

Vorbild und positives Beispiel dient dem jetzt gegründeten Verein Klimaneutrales Waldeck-Frankenberg das Project Zero (Projekt null) in Sonderborg, Dänemark. Dieses läuft seit 2007 und soll die Stadt klimaneutral gestalten. Nach Aussagen des neu gegründeten Vereins lassen sich die Erfolge in Sonderborg sehen: Mit 363 000 Tonnen CO2-Reduktion – das entspricht zum Beispiel 13 Prozent der Jahresemissionen durch den Stromverbrauch der Stadt Frankfurt – konnte bereits Erstaunliches erreicht werden. Sonderborg möchte bis 2029 klimaneutral sein.

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