Lebenserwartung in Hessen höher als im Bundesdurchschnitt

Landkreis Waldeck-Frankenberg verliert Einwohner

In Gemünden stieg die Einwohnerzahl auch durch Zunahme der Geburten.
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Neugeborene Babys schlafend in einem Krankenhaus: In Gemünden stieg die Einwohnerzahl auch durch eine Zunahme der Geburten.

Während die Bevölkerungszahlen nach Angabe des Statistischen Landesamtes in den meisten hessischen Verwaltungsbezirken im Jahr 2019 gestiegen sind, ist die Einwohnerzahl in Waldeck-Frankenberg um 0,3 Prozent gesunken. 

Waldeck-Frankenberg – Zum Stichtag 31. März 2020 lebten 156 343 Menschen im Landkreis Waldeck-Frankenberg. Das sind 393 weniger als im Juni 2019.

Einen Bevölkerungsrückgang verzeichneten auch der Werra-Meißner-Kreis (minus 0,4 Prozent) und der Schwalm-Eder-Kreis (minus 0,3 Prozent). Die höchste Zunahme hatten die kreisfreien Städte Frankfurt und Offenbach am Main mit 1,4 bzw. 1,2 Prozent mehr Einwohnern sowie der Landkreis Gießen, der ein Plus von 0,7 Prozent aufweist. Insgesamt wuchs die Bevölkerung in Hessen im Jahr 2019 um 22 300 Einwohner auf rund 6,3 Millionen.

Die Zahl der Geburten in Hessen ist rückläufig: Nachdem 2017 und 2018 zirka 61 000 Kinder geboren sind, sei die Zahl der Neugeborenen 2019 um 1,6 Prozent zurückgegangen.

Was die Lebenserwartung in den hessischen Kreisen betrifft, gibt es regionale Unterschiede. Nach einer Studie des Max-Planck-Instituts haben Männer im Landkreis Waldeck-Frankenberg eine durchschnittliche Lebenserwartung von 78,5 Jahren. Frauen werden bei uns im Durchschnitt 83,4 Jahre alt. Damit liegen die Werte im Landkreis um rund zwei Jahre niedriger als beim Spitzenreiter Hochtaunuskreis: Dort beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung für Männer 80,7 Jahre und für Frauen 85,2 Jahre. Schlusslicht im Ranking ist der Werra-Meißner-Kreis: Dort werden die Männer durchschnittlich keine 78 Jahre alt.

Insgesamt gesehen, leben die Menschen in Hessen aber länger als in den meisten anderen Bundesländern. Die niedrigste Lebenserwartung wird für das Ruhrgebiet und in ostdeutschen Bundesländern ausgewiesen. Die Landkreise mit besonders hoher Lebenserwartung liegen eher im Süden Deutschlands: In München werden Männer im Schnitt 81,2 Jahre. In Bremerhaven dagegen nur 75,8 Jahre alt. Einfluss auf die Zahlen hat nach Aussage der Wissenschaftler unter anderem die Quote der Hartz-IV-Empfänger und die Zahl der Arbeitslosen in den jeweiligen Regionen.

Im südlichen Teil des Landkreises Waldeck-Frankenberg verbuchen nach Auskunft des statistischen Landesamtes nur drei der zehn Kommunen einen Anstieg der Einwohnerzahlen.

Neben Allendorf/Eder, das zwischen Juni 2019 und dem Stichtag 31. März diesen Jahres 42 Einwohner dazu gewonnen hat, sowie Battenberg, dessen Bevölkerung um 39 gestiegen ist, gehört auch Gemünden zu den Gewinnern: In der Wohrastadt sind 37 Einwohner dazugekommen. „Dieses Ergebnis freut uns als Stadt und auch mich persönlich sehr“, sagte Gemündens Bürgermeister Frank Gleim gegenüber unserer Zeitung. Als Grund für die positive Entwicklung verwies Gleim auf mehrere Faktoren: „Das neu erschlossene Baugebiet Willger II ist fast komplett verkauft und teilweise schon entsprechend neu bebaut. Viele Wohnhäuser sind inzwischen bezugsfertig bzw. bereits bewohnt“, sagte er.

Des Weiteren seien mit der Errichtung einer Wohnstätte von Vitos-Teilhabe für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung sowohl Wohnungen als auch neue Arbeitsplätze entstanden.

Außerdem seien bestehende Altliegenschaften in den vergangenen Jahren modernisiert und als Mietwohnraum umgebaut worden. Mietraum werde in Gemünden ebenfalls vermehrt gesucht. „Wir denken, dass diese positive Nachfrage im Einklang mit der stetigen Modernisierung und Erweiterung unserer kommunalen Infrastruktur steht, weiter so anhält und das Wohnen in Gemünden für die Menschen attraktiv ist“, sagt Gleim.

Auch steigt die Zahl der Geburten in Gemünden: Waren es 2018 genau 28 Geburten, so stieg diese Zahl im Jahr 2019 auf 35. „In diesem Jahr sind bisher 16 Kinder geboren worden“, teilte Frank Gleim mit.

Bei den Kommunen im Nordkreis fällt vor allem auf, dass Bad Arolsen und Volkmarsen in den vergangenen neun Monaten jeweils mehr als 90 Einwohner verloren haben, während Bad Wildungen im gleichen Zeitraum 100 dazugewonnen hat.

Bad Arolsen

Bürgermeister Jürgen van der Horst betrachtet den vom Statistischen Landesamt festgestellten Rückgang kritisch, da die Zahlen lediglich die vergangenen neun Monate erfassten. „Ein so kurzer Zeitraum ist schon methodisch nicht geeignet, Schlussfolgerungen für demographische Veränderungsprozesse zu ziehen“, sagte er auf Nachfrage.

Im Vergleich mit Zahlen aus der Vergangenheit sei der Rückgang von 94 Einwohnern zudem statistisch gesehen, eher „unauffällig“. In Bad Arolsen überwiege zwar die Zahl der Sterbefälle die der Geburten. Dies werde jedoch durch einen Überschuss an Zuzügen kompensiert.

Bad Wildungen

Nach Auskunft von Uta Bubenhagen vom Bürgerbüro Bad Wildungen sei der Anstieg der Einwohnerzahlen vor allem in der Altersgruppe der 45- bis 55-Jährigen zu verzeichnen. „Wir führen die Entwicklung auf den Zuzug ausländischer Arbeitskräfte zurück“, sagte sie. Vor allem im Gesundheitssektor und als Busfahrer seien ausländische Arbeitskräfte aus Ost– und Südeuropa sowie den Philippinen tätig.

Volkmarsen

Der Einwohnerrückgang um 95 auf 6725 rührt nach Auskunft von Büroleiter Jürgen Salokat von Wegzügen und Sterbefällen bei niedriger Geburtenzahl. Der Stadt sei es aber gelungen, durch die Schaffung neuer Baugebiete wenigstens junge Familien in der Großgemeinde zu halten. Durch die gute Infrastruktur sei die Stadt auch für Zuzügler aus einem Umkreis von 40 Kilometern attraktiv.

Twistetal

In Twistetal gehe die Einwohnerzahl kontinuierlich zurück, sagte Bürgermeister Stefan Dittmann. Neben den Wegzügen mache sich die hohe Zahl an Sterbefällen bemerkbar: „Allein von 2018 bis 2019 werden 56 Todesfälle registriert, demgegenüber stehen 33 Geburten. Die Gemeinde nehme viel Geld dafür in die Hand, um neue Baugebiete auszuweisen oder die Bebauung im alten Dorfkern zu ermöglichen.

Diemelstadt

„Wir freuen uns über die positive Einwohnerentwicklung in unserer Stadt“, sagt Diemelstadts Bürgermeister Elmar Schröder. Dabei sei nicht wegzudiskutieren, dass auch in Diemelstadt die älteren Jahrgänge wegsterben.

Neubürger könnten vor allem durch Zuzüge aus den westfälischen Nachbargemeinden begrüßt werden, weil die Diemelstadt in Wethen und Wrexen attraktive Baugebiete habe.

Für junge Familien in Westfalen sei der Umzug nach Waldeck interessant, weil es in Westfalen Kindergartengebühren gebe, in Hessen aber nicht.

Gleicht man die Zahlen des Statistischen Landesamtes mit denen der Einwohnermeldeämter ab, so ergeben sich fast immer Divergenzen.

Das Statistische Landesamt gab auf Anfrage folgende Erklärung hierzu ab: „Unterschiede zwischen den Einwohnerzahlen nach den gemeindlichen Melderegistern und den Ergebnissen der amtlichen Bevölkerungsfortschreibung haben verschiedene Ursachen“, sagte Nico Ventrella vom Statistischen Landesamt. Die statistische amtliche Bevölkerungsfortschreibung basiere auf den Ergebnissen des Zensus 2011. „Aufgrund des sogenannten ‘Rückspielverbotes‘ durfte jedoch keine Rückübermittlung der vorgenommenen Korrekturen an die kommunalen Melderegister erfolgen. Die Konsequenz sind unterschiedliche Ausgangsbestände zum Zensusstichtag 2011 im Melderegister und für die Bevölkerungsfortschreibung.“

Darüber hinaus werde jedes Fortschreibungssystem mit zunehmender Entfernung vom Basiszeitpunkt ungenauer. Die Differenzen seien teilweise auch bedingt durch die zeitlich unterschiedliche Verarbeitung von Zu- und Abgängen. „Während die Melderegister tagesaktuell geführt werden können, verarbeitet das Statistische Landesamt die Datenlieferungen der hessischen Gemeinden monatsweise. Darüber hinaus wird in der Statistik ein Fortzug aus einer Gemeinde erst dann verbucht, wenn die neue Zielgemeinde diesen Fall als Zugang an das Statistische Landesamt gemeldet hat. Auf diese Weise ergeben sich zeitliche Verschiebungen zwischen der Registrierung im Melderegister und der Verarbeitung in der amtlichen Bevölkerungsfortschreibung“, erläutert Ventrella.

In Frankenberg seien die Abweichungen zudem darauf zurückzuführen, dass das Einwohnermeldeamt auch Personen mit Zweitwohnsitz mitzähle, diese bei der Statistik des Landesamtes hingegen nicht berücksichtigt würden, teilte Pressesprecher Florian Held mit. Trotzdem bestätigten die Zahlen aus Wiesbaden aus seiner Sicht recht genau die rund 30 Personen weniger im betrachteten Zeitraum. 

Bevölkerung im Landkreis am 31. März 2020

(in Klammern die Differenz zum Vorjahreswert 30. Juni 2019) Allendorf: 5615 (+42), Bad Arolsen: 15387 (-94), Bad Wildungen: 17258 (+100), Battenberg: 5358 (+39), Bromskirchen: 1936 (-2), Burgwald 4902 (-34), Diemelsee: 4728 (-15), Diemelstadt: 5205 (+12), Edertal: 6193 (-65), Frankenau: 2888 (-7), Frankenberg: 17689 (-33), Gemünden: 3841 (+37), Haina: 3413 (-44), Hatzfeld: 2941 (-11), Korbach: 23415 (-86), Lichtenfels: 4106 (-31), Rosenthal: 2171 (-18), Twistetal: 4230 (-56), Vöhl: 5513 (-36), Volkmarsen: 6725 (-95), Waldeck: 6744 (-31), Willingen: 6085 (+35). Personen mit Zweitwohnsitz wurden nicht berücksichtigt. Quelle: Statistisches Landesamt Hessen/nh

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