Amtsgericht in Frankenberg

Lange Haftstrafe für Gemündener Stromdieb

+

Frankenberg/Gemünden - Weil es so schön praktisch war - so lassen sich die Antworten eines 42-Jährigen darauf deuten, warum er Strom aus einer angrenzenden Wohnung gestohlen hat. Zudem hat er das Wohnhaus beschädigt und seine Nachbarn beleidigt.

„Sie dürfen den Kopf jetzt nicht in den Sand stecken“, sagte Richterin Andrea Hülshorst, nachdem sie einen 42-jährigen Gemündener zu insgesamt elf Monaten verurteilt hatte. Seine knappe Antwort: „Das habe ich längst getan“. Hülshorst versuchte ihn aufzumuntern: Er solle die Haft als Chance sehen, bei guter Führung könne er nach zwei Dritteln der Zeit auf Bewährung entlassen werden und eine Therapie beginnen. Der Alkohol nämlich, der sei das große Problem des Angeklagten, der ziehe sich „wie ein roter Faden durch sein Leben“.

Das bestätigten auch die Aussagen der Zeugen in dem Prozess um Energieentzug, Sachbeschädigung und Beleidigung. „Wenn er nüchtern ist, dann macht er ja nichts“, dann sei er ein ganz umgänglicher Mensch. Nur leider sei er selten nüchtern. Im betrunkenen Zustand habe er häufig Gäste, dann gäbe es Geschreie, laute Musik, Nazi-Parolen - und eben Beleidigungen. Im Verfahren ging es insbesondere um eine gegenüber der Mutter des Zeugen und einer anderen jungen Frau, die er als Prostituierte darstellte.

Das habe er nicht gesagt, gab der Angeklagte an. An dem fraglichen Tag sei die Mutter eines Bekannten im Haus gewesen. Es sei zu mehreren, teils unfreundlichen Wortwechseln mit der Familie des Zeugen gekommen, die im Freien feierte.

„Das asoziale Pack sollte man umbringen, auch die Kinder“, soll der Angeklagte nach Aussage des Zeugen gerufen haben. Doch der Beklagte gab vor Gericht an, er habe in den Konflikt vermittelnd eingegriffen. Wer die Worte gesagt habe, wisse er nicht.

Zu einem anderen Zeitpunkt soll der Mann eine Bierflasche an das Haus des Zeugen geworfen haben, wobei eine Schindel abplatzte. „Meine Tochter hat es scheppern gehört. Und am nächsten Tag lagen Glasscherben, die Schindel und rohes Fleisch im Garten“, erinnerte sich der Zeuge. Auch dies bestritt der Beklagte. Da kein Augenzeuge die Tat gesehen hatte, wurde dieser Anklagepunkt verworfen.

Geständig war der Mann dahingehend, dass er Strom geklaut hat. Insgesamt wurde ihm dies gleich dreimal zur Last gelegt. Dafür soll er zweimal in eine unter seiner Wohnung liegende Wohnung eingedrungen sein - nach eigenen Angaben hatte er für diese einen Schlüssel, laut Anklageschrift soll er jedoch mindestens einmal gewaltsam in die Wohnung eingedrungen sein, mit Fotos belegte das Gericht dies. Der Mann selbst wollte jedoch nur den Stromverbrauch eingestehen, das sei schließlich auch nötig gewesen, nachdem sein Energieversorger ihm den Strom abgestellt hatte: „Ich war Bier holen und als ich wieder- kam, war der Strom wieder an“, erinnerte er sich.

Dafür gesorgt habe jener Bekannte, dessen Mutter bei der Beleidigungs-Angelegenheit auch im Hause gewesen ist. „Er hat mir gedroht, wenn ich auspacke, dann machen er und seine Russen mich platt“, erklärte der Angeklagte, warum er der Polizei nichts gemeldet hatte. Stattdessen habe er die Versorgung mehrfach unterbrochen - immer habe der Bekannte sie aber wieder hergestellt. Schließlich wurde die illegale Stromleitung von der Stadt Gemünden, Besitzerin des Hauses, gekappt, wie Bürgermeister Frank Gleim als Zeuge aussagte.

„Dann habe ich eine Leitung aus dem Keller gelegt“, gestand der Mann ein. Das sei im Oktober gewesen - „und irgendwann braucht ein Mensch ja auch mal was Warmes“, verteidigte er sich.

Wegen seiner zahlreichen Vorstrafen wollte Richterin Hülshorst in ihrem Urteil nicht auf die Linie der Verteidigung einschwenken, die eine deutlich mildere Strafe gefordert hatte. Stattdessen folgte sie in vollem Umfang der Staatsanwaltschaft. „Eine Bewährung kommt nicht in Frage, weil ich keine begründete Erwartung, nicht einmal die Hoffnung auf eine straffreie Zukunft sehe“, sagte sie.

Außerdem habe er bereits gegen Bewährungsauflagen verstoßen - die dafür fällige Haftzeit wurde in das Gesamturteil von elf Monaten einbezogen. Noch ist das Urteil gegen den Gemündener aber nicht rechtskräftig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare