Bottendorf

Lastwagenfahrer wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

- Bottendorf/Frankenberg (apa). Im August 2009 war ein Mann ums Leben gekommen, als er mit seinem Roller gestürzt und mit einem Opel kollidiert war. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass dafür der Fahrer eines Lastwagens verantwortlich ist.

Der Lastwagenfahrer, ein 46-Jähriger Mann aus dem Siegerland, stand wegen fahrlässiger Tötung am Dovor dem Frankenberger Amtsgericht. Er war am 10. August 2009 mit seinem Lastwagen von der Kreisstraße 98 aus Bottendorf kommend auf die Landstraße 3076 in Richtung Rosenthal rechts abgebogen. Dabei hatte er die Vorfahrt des Rollerfahrers missachtet, der aus Frankenberg kommend die Landesstraße befuhr. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte der Rollerfahrer stark abgebremst, um einen Zusammenstoß mit dem Lastwagen zu vermeiden. Dabei stürzte der Mann aus der Großgemeinde Haina und rutschte mit seinem Krad auf die Gegenfahrbahn, wo er mit einem entgegenkommenden Opel kollidierte. Der Rollerfahrer erlitt dabei so massive Verletzungen, dass er an der Unfallstelle starb.

Der 46-jährige Angeklagte betonte vor Gericht, er habe an der Kreuzung etwa zehn Sekunden lang angehalten, den Roller aber nicht gesehen. Die Sonne habe ihn geblendet. Erst nach mehreren Nachfragen räumte der Mann aus dem Siegerland ein, es könne möglich sein, dass er den Laster doch nicht angehalten habe. „Das ist so lange her, das weiß ich nicht“, sagte er.

Der Fahrer des Opel, in den das Kraftrad hineingerutscht war, widersprach der Aussage des Lastwagenfahrers, dass die Sonne geblendet habe: Im Gegenteil, über Frankenberg sei zum Unfallzeitpunkt der Himmel zugezogen gewesen. „Sehen konnte man in die Richtung einwandfrei“, beantwortete er die Frage der Richterin.

Als weiterer Zeuge war der Sohn des Lastwagenfahrers geladen, der zum Unfallzeitpunkt auf dem Beifahrersitz gesessen hatte. Er betonte insgesamt dreimal, der Lastwagen habe gestanden, bevor sein Vater abgebogen sei. Der 20-jährige Zeuge verstrickte sich in widersprüchliche Aussagen, von denen sich weder die Anwälte, noch Richterin Hülshorst oder der Vertreter der Staatsanwaltschaft, Wilfried Poitzmann, überzeugt zeigten.

Klarheit verschaffte der Sachverständige, der aus Rücksicht auf die zahlreichen im Saal anwesenden Angehörigen nur auszugsweise aus dem Gutachten zitierte. Die Auswertung des digitalen Tachografen habe ergeben, „dass der Lkw keinesfalls angehalten hat“. Er betonte, dass wegen der Büsche am Straßenrand die Sicht an dieser Ausfahrt so eingeschränkt sei, dass dort Schrittgeschwindigkeit notwendig sei.

Richterin Andrea Hülshorst verurteilte den Mann zu einer Geldstrafe in Höhe von 1800 Euro und folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. „Wenn Sie langsamer gefahren wären oder den Lastwagen auf null gedrosselt hätten, dann hätten Sie den Rollerfahrer sehen können“, sagte sie. Dass er behauptet hatte, an der Kreuzung stehen geblieben zu sein, sei „ein klassischer Fall von Verdrängung“.

Sie wandte sich an die Hinterbliebenen und betonte, dass man mit keiner Geldstrafe ein Menschenleben aufwiegen könne. Das könne keine der Möglichkeiten, die ein Strafgericht hat. Die Geldstrafe beziehe sich auf den Fehler, den der Angeklagte gemacht habe. Der Anwalt der Nebenklägerin – der Tochter des Verstorbenen – hatte 120 Tagessätze zu 20 Euro gefordert.

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