Psychiatriemuseum im ehemaligen Kloster Haina

Laufrad und Zwangsstuhl: Wie früher unruhige Geisteskranke behandelt wurden

Der mehr als mannshohe runde Kasten mit Drehvorrichtung steht in der Ecke des Psychiatriemuseums im ehemaligen Kloster Haina. „Was soll das denn sein?“, denkt der Laie.

Der Blick auf eine Zeichnung an der Wand macht es deutlich: In das „Hohle Rad“ wurden im 19. Jahrhundert erregte und tobende Psychiatrie-Patienten gesperrt. Sie liefen darin wie in einem Hamsterrad. Von außen hielten zwei Krankenwärter das Rad in Bewegung.

„Beruhigung der Patienten durch Erschöpfung“, war laut Dr. Horst Hecker vom Hainaer Psychiatriemuseum das damalige therapeutische Ziel. Auch zur Ruhigstellung der „Irren“, wie sie genannt wurden, hatte man Vorrichtungen. Auf dem Zwangsstuhl wurden Insassen des damaligen Hainaer Hospitals festgeschnallt.

Bis zu zwei Tage waren sie auf dem Sessel fixiert, der in der Mitte eine Öffnung wie bei einem Toilettenstuhl hat, „Ödematöse Anschwellungen und Brand“ waren Folgen, ein Patient, so wird berichtet, starb auf dem Stuhl. Im Psychiatriemuseum ist ein Originalstuhl aus dem 19. Jahrhundert ausgestellt.

Unruhige Geisteskranke kamen auch in Zwangsjacken, ins Zwangsbett oder in den Stehkasten – eine Art Schrank mit seitlichen Öffnungen, durch die die Arme des Eingesperrten gesteckt wurden. All diese besonderen Museumsstücke sind im Hainaer Psychiatriemuseum zu sehen.

Sie erwecken auf uns heute den Eindruck einer „Irrenanstalt als Folterkammer“, doch gemeint war es damals ganz anders – nämlich als „Zeichen von – oft verzweifelten, oft hilflosen – Bemühungen um einen humaneren Umgang mit Geisteskranken, im Gegensatz zum 18. Jahrhundert, als man die Irren zusammen mit Verbrechern in Zucht- und Tollhäuser steckte und viele von ihnen, wenn sie nicht friedlich waren, in Ketten legte“, schreibt der Medizinhistoriker Helmut Siefert in einem Aufsatz, der im Museum als Erläuterung ausliegt.

Kranke bis 1830 in Ketten

Erst um 1800 wird seinen Angaben nach der „Irre zum Geisteskranken und rückt in das Blickfeld ärztlicher Fürsorge“. In Haina wurden die Ketten 1830 endgültig abgeschafft. Zwangsstühle verschwinden 1890 aus dem Inventarverzeichnis. 

Aus England kommen laut Medizinhistoriker Siefert neue Behandlungsmethoden, die „ein quantitativ ausreichendes und qualitativ gut geschultes Personal, Kleidung aus festen Stoffen, die Isolierung unruhiger Patienten und eine konsequente, aber freiwillige Beschäftigungs- und Arbeitstherapie“ vorsehen.

Das Hainaer Psychiatriemuseum entstand 1992 unter Leitung von Prof. Dr. Christina Vanja, die beim Museumsträger, dem Landeswohlfahrtsverband für Archiv, Gedenkstätten und Historische Sammlungen, zuständig ist. Es war eines der ersten Museen in Deutschland, die Psychiatriegeschichte anschaulich zeigen.

In diesem Jahr wird die Ausstellung in der Parlatur am Kreuzgang des ehemaligen Zisterzienserkloster modernisiert und aktualisiert. Wann die Arbeiten beginnen, steht noch nicht fest.

Quelle: HNA

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