Gutes Fleisch "wächst" vor allem regional

Ein Leben als glückliche Kuh

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Am meisten Freude macht Karlfried Bäumner die Arbeit unter freiem Himmel und bei seinen Tieren. Am liebsten übernimmt er das Füttern und das Reparieren von Weidezäunen. Fotos: Patricia Kutsch

Battenberg-Dodenau - Die Bio-Produkte in Supermarktregalen werden immer mehr, ebenso wie die Anzahl der Biobetriebe in Deutschland. Karlfried Bäumner hält seine Mutterkühe hoch über Dodenau rein ökologisch, darf sie als Bio-Kühe verkaufen - tut es aber meist nicht, weil die Nachfrage nicht groß ist.

Die Kühe von Karlfried Bäumner müssen sehr glücklich sein. Sie leben in den Sommermonaten auf Wiesen, hoch über Dodenau. Sie grasen in 600 Metern Höhe auf ihren Weiden, liegen in der Sonne oder nutzen den großzügigen Auslauf. Die Kälber, die die Kühe gebären, dürfen nach der Geburt mit auf der Weide bleiben und sich in die Herde einfügen. Bäumner hält keine Milchkühe. Auf dem ruhig gelegenen Außengehöft in der Dodenauer Gemarkung weiden Mutterkühe. Den Nachwuchs verkauft der 64-jährige Landwirt erst im Herbst.

Der Hof Fallgrube ist ein Bio-Hof: Bäumner lässt seine Kühe im Grünen grasen, füttert sie ausschließlich mit ökologisch gewonnenem Heu und Silage - manchmal gibt es auch eine Hand voll Getreide. Natürlich auch rein ökologisch angebaut. Auf diese Vorgaben muss der Landwirt streng achten, damit sein Betrieb auch als Bio-Mutterkuhbetrieb anerkannt wird. Jedes Jahr aufs neue wird sein Betrieb genau geprüft und neu zertifiziert. „Unser Mutterkuh-Betrieb ist von Beginn an in 1992 ein Bio-Betrieb“, erklärt Bäumner. Dabei kann er seine Kühe nur selten auch als Bio-Kühe verkaufen, denn der Markt fehlt, die Nachfrage ist nicht groß. Nur ein Schlachtbetrieb aus Köln kaufe ihm seine Bio-Kühe ab, ebenso wie andere Zuchtbetriebe. Für den Verkauf zur Weitermast in anderen Betrieben braucht Bäumner seine Tiere gar nicht erst als Bio-Kühe anpreisen - er verkauft sie als herkömmliche Rinder.

„Hier müsste sich dringend etwas tun“, sagt Matthias Eckel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands. „Diese qualitativ hochwertigen Tiere werden mit viel Aufwand gezüchtet und werden dann nur gekauft wie konventionelle Tiere.“ Nur ein Prozent im Fleischverkauf sei Bio-Fleisch. Dabei sollte der Fokus der Menschen auf guten und vor allem regionalen Produkten liegen.

Bäumner züchtet seine Kühe also nicht ökologisch, weil die Nachfrage so groß ist, sondern weil er auf Förderung angewiesen ist. Wer seine Kühe biologisch hält, der bekommt finanzielle Unterstützung aus Brüssel - ohne die sei eine Mutterkuhhaltung in Deutschland kaum noch möglich. Denn für eine Kuh bekommt Bäumner rund 800 Euro. Das ist aber der Lohn für ein ganzes Jahr Arbeit mit der Mutterkuh und dem Kälbchen. Weitere Einnahmen erzielt er nicht aus seiner Kuhhaltung.

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