Landwirt Büchsenschütz aus Vöhl setzt auf zweites Standbein

Ein Leben mit Kühen und Touristen

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Helmut Büchsenschütz ist Landwirt und Gästewirt mit Herz. Er liebt die Arbeit mit den Kühen und er liebt es, Gäste auf seinem Bauernhof zu begrüßen, denen er Zimmer und Appartements vermietet.Fotos: Kutsch

Vöhl-Harbshausen - Von der Landwirtschaft alleine leben heute kaum noch Bauern. Viele bewirtschaften ihren Hof neben einem weiteren Beruf - immer mehr setzen dabei auf Tourismus und Direktvermarktung. In Harbshausen haben Ferien auf dem Bauernhof eine lange Tradition: Seit 50 Jahren vermietet die Familie Büchsenschütz Betten.

Es ist ein idyllisches Fleckchen Erde, direkt am Edersee und am Rande des Nationalparks gelegen: Landwirt Helmut Büchsenschütz lebt dort, wo andere Menschen Urlaub machen - und genau das hat er sich zu Nutzen gemacht. Denn die Familie Büchsenschütz vermietet Zimmer und Appartements an Touristen. „Wir verdienen Geld mit etwas, das uns nicht einmal gehört: Mit dieser wundervollen Aussicht“, sagt Büchsenschütz mit einem Lachen und blickt hinaus auf den Edersee. Er sitzt auf der Terrasse einer kleinen Ferienwohnung, etwas außerhalb von Harbshausen und direkt neben dem Kuhstall der Familie Büchsenschütz. In dem Stall leben 69 Kühe, in der Wohnung können zwei Gäste übernachten. „Später, wenn mein Sohn den Hof vielleicht übernimmt, ziehe ich mit meiner Frau hierher“, freut sich Büchsenschütz.

Bis es soweit ist, genießt er allerdings noch die arbeitsreiche Zeit als Landwirt und als Gästewirt. Die Kühe müssen täglich versorgt werden, ebenso wie die bis zu 50 Gäste. Die Familie vermietet Zimmer mit Halbpension, abends gibts es ein deftiges Essen. Die Mahlzeiten bestehen aus regionalen Produkten, selbstgemachter Wurst, Butter, Quark und Marmelade. Es ist dieser Mix aus Regionalität, idyllischer Landwirtschaft und wundervoller Aussicht, der knapp die Hälfte der Gäste immer wieder nach Harbshausen kommen lässt.

Familie Büchsenschütz hat sich mit der Pension und den Appartements einen Nebenerwerb geschaffen - wie so viele Landwirte im Kreis. „Es sind 85 Prozent der Betriebe, die im Nebenerwerb geführt werden“, erklärt Matthias Eckel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Frankenberg.

Von den rund 800 Betrieben im Verband setzen etwa 100 Bauern auf landwirtschaftliche Einkommensalternativen: Sie verkaufen ihre Produkte als Direktvermarkter, vermieten Zimmer, arbeiten in der Forstwirtschaft oder übernehmen Winterdienst für die Kommunen. Reinhold Weber aus Laisa etwa verkauft laut Eckel sein Bauernhofeis mittlerweile über 43 Rewe-Märkte. Die Milch für das Eis stammt von seinen eigenen Kühen. Der Hof Möbus in Gemünden verkauft - wie viele andere Höfe in der Region - Produkte im eigenen Hofladen, auf dem Wochenmarkt der Landfrauen in Frankenberg oder liefert direkt an Kunden aus. Manche Landwirte vermieten Wohnungen. „Das klassische Zimmer mit Frühstück reicht nicht mehr. Die Landwirte müssen schon mehr bieten, denn sie stehen in direkter Konkurrenz zu Mallorca für 69 Euro“, sagt Eckel.

Büchsenschütz kann sich kein anderes Leben vorstellen, als das zwischen Kühen und Touristen. „Ich bin so aufgewachsen.“ Seine Familie sei eher zufällig dazu gekommen, Betten zu vermieten: Vor mehr als 60 Jahren wurden der Familie Flüchtlinge zugewiesen. Als diese wieder fort waren, hat Büchsenschütz Mutter für einen ausgebuchten Bekannten Gäste aufgenommen. Als sie den Lohn in der Hand hatte, freute sie sich über das schnell verdiente Geld. Fortan schliefen die Kinder im Sommer auf dem Dachboden - denn ihre Zimmer wurden dann mitvermietet.

Heute sind immer noch einige Doppelzimmer im Wohnhaus. Gegenüber - dort wo bis vor rund 20 Jahren noch die Kühe lebten - sind heute gemütliche, helle Ferienwohnungen. Die haben sich in den vergangenen Jahren laut Büchsenschütz auch sehr geändert: „Die Ansprüche der Gäste wachsen.“ Früher gab es eine Toilette und eine Dusche für die Gäste auf der gesamten Etage. „Dann wollten Gäste ein eigenes Bad auf dem Zimmer. Wir bauten also zwei Zimmer um -die waren ab sofort immer vermietet, die anderen Zimmer nicht.“ Nach und nach gestalteten Büchsenschütz also den gesamten Stall um zu hochwertigen Ferien-Appartements.

Verändert habe sich aber auch das Urlaubsverhalten der Gäste: Früher war das Haus nur im Sommer voll. Heute dauert die Saison von März bis November und auch Weihnachten und Silvester hat die Familie Gäste im Haus. Ansonsten vermietet sie die Zimmer an Monteure. „Irgendjemand ist immer da, aber es sind nicht immer alle Betten belegt“, sagt der Landwirt. Gerade Wandergruppen und große Familien nutzen den ehemaligen Kuhstall gerne, um sich zu treffen und gemeinsam die Region zu erkunden. Während die Gäste noch vor einigen Jahren aber gerne zwei Wochen in Harbshausen abschalteten, bleiben Touristen heute im Durchschnitt noch etwa dreieinhalb Tage.

„Die meisten Gäste wollen dann auch Landwirtschaft sehen: Sie gehen mit in den Kuhstall, schauen beim Melken zu und stellen viele Fragen“, sagt Büchsenschütz. Die Kinder fahren gerne mit auf dem Trecker. „Aber wir sind kein Spiel- und Kinderhof“, betont der Landwirt. Die Familie und die acht Angestellten bieten kein Programm, nehmen die Kinder aber gerne mit oder geben den Familien Tipps für Ausflüge. „Ansonsten ist das aber ein normaler Betrieb, in dem wir normal arbeiten müssen.“ Und zu dem ganz normalen Betrieb im Alltag gehört es bei Familie Büchsenschütz eben, Wohnhaus, Küche und Kuhstall mit fremden Menschen zu teilen.

Von Patricia Kutsch

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