Vortrag über Peter Grebe

Lehrer, Forscher, Patriot

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Alte Fotos und die Festschrift von Viermündens Ehrenbürger Peter Grebe zur 1150-Jahr-Feier zeigten Karl-Hermann Völker und Ruth Piro-Klein bei der Diskussion nach dem Vortrag.

Frankenberg - Nicht unumstritten ist das Lebenswerk des Viermündeners Peter Grebe. Über seine Feldpostbriefe referierte Karl-Hermann Völker beim Frankenberger Geschichtsverein.

Beeindruckend und gleichzeitig bedrückend war der jüngste Vortrag von Karl-Hermann Völker aus Wiesenfeld beim Frankenberger Geschichtsverein: Er ließ im Kreisheimatmuseum das Leben des einst hoch geschätzten Viermündener Lehrers und Heimatforschers Peter Grebe, geboren im Jahre 1881 in Viermünden als Sohn eines Landwirts und 1976 im Alter von 95 Jahren in seinem Heimatort gestorben, mit allen Höhen und Tiefen zwischen Kaiserreich und Nachkriegsdeutschland Revue passieren.

Karl-Hermann Völker, der selbst in Viermünden aufgewachsen ist und als Jugendlicher von Grebe das Organistenamt in Ederbringhausen und Oberorke übernommen hatte, konnte sich bei seinem Vortrag noch gut an manche Begegnungen mit Konrektor a. D. Grebe erinnern, der 1950 im Rahmen der Viermündener 1100-Jahr-Feier zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt worden war.

Der mehr als einstündige Vortrag, angereichert mit vielen alten Bilddokumenten und Brieftexten, befasste sich zunächst ausgiebig mit dem Leben des vielseitig engagierten Lehrers Peter Grebe. Er hatte die Kaiserzeit, die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Zweiten Weltkrieg, die Entnazifizierung und den Aufbau einer beständigen Demokratie miterlebt.

Im zweiten und umfassenderen Teil des Vortrages lenkte Völker die Aufmerksamkeit auf die Feldpostbriefe der kurhessischen Lehrer an die Hessische Schulzeitung während des Ersten Weltkriegs. Die Schulzeitung als Organ des Hessischen Volksschullehrervereins und des Waldeckischen Lehrervereins erschien von 1857 bis 1938. Lehrer waren damals ganz besonders als Meinungsbildner in den Krieg eingebunden. Zunächst beschrieb Völker jedoch die politische Grundstimmung, den Patriotismus und Chauvinismus, dem auch der junge Lehrer Grebe ausgesetzt war. Dabei stützte sich der Referent vor allem auf eine umfangreiche Dokumentation von Hans-Dieter Scholz, die 2008 im Stadtarchiv von Kassel angefertigt wurde. Sie ergab, dass Peter Grebe allein ein Drittel aller abgedruckten Lehrer-Berichte von der Westfront geschrieben hat.

In der Dokumentation kamen die anfängliche Kriegsverherrlichung und die propagandistischen Parolen, aber auch die vermehrte Verrohung bis hin zur Ernüchterung zum Ausdruck. Auslassungen und Streichungen durch die Zensur verhinderten allzu kritische Berichte in die Heimat. Detailliert entnahm Scholz den angeführten Briefen zunächst die heroische Stimmung, später das zunehmende Leid. Es sind Stimmungsberichte über beide kriegführende Seiten im Stellungskrieg in den Vogesen.

Einerseits, so das Fazit, war Peter Grebe Teil dieser offiziell erwünschten Kriegspropaganda, andererseits heben sich aber seine relativ gemäßigten Schilderungen von anderen, oft reißerischen Kriegsberichten in der Schulzeitung ab. Betrachtet man beim Lesen der Dokumentation rückblickend auch seine aufgezeichneten Lebenserinnerungen, wie Völker feststellte, ist jedoch von ihm eine Distanzierung zum grausamen Krieg und der ihn tragenden politischen Kräfte nie erfolgt.

Er schloss den Vortrag mit dem Schlusszitat der Feldpostbrief-Studie von Scholz: „Die Bewertung durch die Nachwelt ist eine Sache, die Wahrnehmung des Ersten Weltkrieges durch die Zeitgenossen die andere“.

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