Lehrer Paul Möllers über seine 28-jährige Tätigkeit als Leiter der Theater-AG

+
Paul Möllers bei der Regiearbeit: Gemeinsam mit der Theater-AG entwickelte er das letzte Bühnenprojekt „Unter uns“ in partnerschaftlicher Zusammenarbeit. Foto:  Völker

Frankenberg. Zwar senkte sich nicht der letzte Vorhang, stattdessen erloschen letztmals im Dampfmaschinenmuseum in Schreufa die Scheinwerfer nach dem Schlussbeifall für Regisseur Paul Möllers. Nach 28 Jahren verabschiedete er sich mit dem Stück „Unter uns“ aus der aktiven theaterpädagogischen Arbeit an der Frankenberger Edertalschule. Die HNA sprach mit dem Oberstudienrat, der am Schuljahresende im Sommer in den Ruhestand gehen wird.

Herr Möllers, Sie haben mit der Theater-AG der Edertalschule in den vergangenen 28 Jahren mehr als 30 Stücke und Performances inszeniert. An welche erinnern Sie sich am liebsten?

Paul Möllers: Eigentlich hebe ich ungern ein Stück heraus, denn für mich hat jedes Stück seine Highlights gehabt. Ich habe mich bei jeder Inszenierung gefragt: Worauf freust du dich besonders? Und wenn ich diese Frage beantworten konnte, dann war ich schon etwas beruhigter. Das konnten ganz unterschiedliche Ebenen sein: Der Luftballon im „Fest“, die Kostüme bei der „Hochzeit“, das Raumkonzept bei „Dracula“, der Gesang bei der „Dreigroschenoper“, bei „Rocky“ und jetzt bei „Unter uns“, die Spielweise im Kinderstück „Die Gelben und die Blauen“, die Emotionalität im „Marat“, das Chorische in der „Pest“. Da könnte ich nun munter weitere Beispiele aufzählen. Aber eine Aufführung sticht dann doch vielleicht besonders heraus: Das war die einmalige Gelegenheit, den „Kaspar Hauser“ im Lokschuppen als umfassendes Raumspiel umzusetzen.

Es war Ihre Spezialität, für die Aufführungen ganz besondere Orte auszusuchen, mit den jungen Theaterleuten zu erkunden und zu „bespielen“. Bot Ihnen Frankenberg dazu entsprechende Möglichkeiten?

Möllers: Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Vereinen, Firmen, Behörden und mit der Stadt Frankenberg war immer ausgesprochen gut. Zum Beispiel wurde uns sowohl der Lokschuppen als auch die Halle im ehemaligen Stoelcker-Gelände angeboten. Auch vor dem Hexenturm hatten wir eine Freilichtaufführung des Stücks „Hexenjagd“ vorbereitet, die aber leider im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fiel.

Ließ Ihnen das Gymnasium mit seiner durch Stunden- und Jahrespläne festgeschriebenen Organisation genügend Freiraum für Proben und Aufführungen?

Möllers: Ich kenne die Situation des Schultheaters in Hessen ziemlich gut, und im Vergleich zu den Bedingungen an vielen anderen Schulen war ich immer sehr zufrieden mit den Freiräumen, die uns ermöglicht wurden. Aber man muss als Spielleiter auch immer „am Ball bleiben“, damit nicht hier und da auf Grund von „Sachzwängen“ die Entfaltungsmöglichkeiten beschränkt werden.

Mit Schülern Theater machen heißt, ähnlich wie beim Schulorchester: Generationen wechseln sich ab, stets sind Anfänger zu integrieren, Fortgeschrittene zu verabschieden. Konnten Sie „nachhaltige“, das spätere Berufsleben prägende Theater-Interessen beobachten?

Möllers: Nein, es gibt nur wenige, die direkt im Theater arbeiten, einige haben theaternahe Berufe gewählt. Aber das war ja auch nicht das Ziel, zumal an den Theatern schlechte Arbeitsbedingungen und schlechte Entlohnung üblich sind. Für mich war immer entscheidend, welche Erfahrungen die Schüler für ihr Leben mitnehmen, egal, in welchem Beruf sie dann letztlich arbeiten.

Welches seine wichtigsten pädagogischen Erfolge waren und ob er auch im verdienten Ruhestand noch aus der Entfernung das Fortbestehen „ihrer“ Frankenberger Theater-AG beobachten wird, lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare