Rücktritt im Ortsbeirat

Lengelbach zerreißt ein ganzes Dorf

Frankenau-Ellershausen - Eigentlich gibt es in Sachen Lengelrenaturierung keinen neuen Sachstand. Doch das Thema birgt noch immer so viel Sprengstoff, dass es während der Ellershäuser Ortsbeiratssitzung am Donnerstag zu einem Rücktritt kam.

Am Schluss verließ Karl-Heinz Metz wutentbrannt den Saal im Gasthaus „Zum Adligen Hof“. Metz, Mitglied im Ortsbeirat und der „IG Lengeltal“, hatte gerade eine längere Rede gehalten: Er sehe sich nicht mehr als Teil des Ortsbeirats. Er werde von den anderen Mitgliedern des Gremiums bewusst ausgeklammert. Es würden Sitzungen ohne sein Wissen abgehalten. Er wolle wegen des „Mühlenkriegs“ nicht länger Teil des Ortsbeirats sein. Metz hinterließ einen konsterniert dreinschauenden Bürgermeister Björn Brede, einen verbissen blickenden Ortsvorsteher Volker Dreiling und ein Publikum, das zwischen gebanntem Staunen und zaghaftem Klatschen schwankte.

Karl-Heinz Metz hatte einer hitzigen - letztlich unwürdigen - Debatte einen wohlgeplanten Höhepunkt verliehen. Mitbekommen hatte diese Debatte nicht nur der kleine Kreis politisch Interessierter: Rund 40 Ellershäuser waren im „Adligen Hof“ erschienen, um sich über den Sachstand im Lengeltal informieren zu lassen. Dabei war eigentlich nichts Neues zu verkünden: Im April hatten die Bürgermeister Björn Brede aus Frankenau und Rüdiger Heß aus Frankenberg einen Fragenkatalog an das Wiesbadener Umweltministerium geschickt - mit der Bitte um zeitnahe Beantwortung. Bislang sei kein Rückschreiben eingegangen, sagte Brede: „So lange wir keine Antwort haben, ist das Thema auf Eis.“

Diskussionen erlaubt

Eigentlich hätte damit der Tagesordnungspunkt abgehakt werden können. Doch nachdem weder die vorangegangene Bürgermeister-Fragestunde noch der Punkt „Verschiedenes“ der Bürgerversammlung thematisch genutzt wurden, wollte Ortsvorsteher Volker Dreiling ob der vielfachen Meinungen um die Lengelrenaturierung und die möglicherweise damit verbundene Notwendigkeit einer Flurneuordnung eine Diskussion nicht unterbinden. Allerdings erhitzte er die Gemüter schon zu Beginn damit, dass er „Leuten, die kaum noch hier verweilen“ vorwarf, das Thema für ihre Zwecke zu nutzen. Was folgte, war Ausschnitt einer Fehde, die inzwischen tiefe Gräben durch das Dorf zu ziehen scheint. Versuchten die deutlich sichtbaren Lager anfangs noch, Argumente auszutauschen, wurde es im Saal des Gasthauses bald laut. Bürgermeister Björn Brede wurde aus dem Plenum der Lüge bezichtigt - er wiederum warf der „IG Lengeltal“, die sich gegen die Flurneuordnung wendet, faktisch einen fahrlässigen Umgang mit Daten und Zahlen vor. Dreiling, dem eigentlich die Moderation zugefallen wäre, versuchte sich vorerst aus der Diskussion herauszuhalten - mit dem Ergebnis, dass sie zunehmend aus dem Ruder lief.

Mehrfach zog der Ortsvorsteher den Zorn der Ellershäuser auf sich, insbesondere als er die Diskussion für beendet erklärte, obwohl noch Klärungsbedarf bestand - die Einwohner setzten sich über sein Wort hinweg und stritten weiter. Dass Diskussionen mit der Bevölkerung in Ortsbeiratssitzungen eigentlich nicht vorgesehen sind, sie somit also ein Zugeständnis Dreilings war, hatten die meisten Bürger da offensichtlich schon vergessen.

Persönliche Angriffe

Ihren Tiefpunkt erreichte die Veranstaltung, als vor den Ohren aller zu beinahe persönlichen Vorwürfen übergegangen wurde: Beide Seiten griffen die Leserbriefe der Gegenseite in der Presse auf. Sie bezichtigten sich der fehlerhaften Darstellung, der Falschaussagen und fühlten sich ehrverletzend angegriffen.

So kann der Rücktritt von Karl-Heinz Metz durchaus als folgerichtig angesehen werden: Im schlagartigen Schweigen nach seinem furiosen Abgang wurde deutlich, dass in Sachen Lengel nicht miteinander und auch nicht mehr inhaltlich über das Thema gesprochen wird. Es wird nur noch übereinander gesprochen. Dabei gab es während der Sitzung reichlich zur Versöhnung ausgestreckte Hände. Zumindest am Montagabend ergriff sie jedoch niemand.

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