Gaststätte Christ schließt

Die letzte Kneipe in der Bunstruth

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Ein letztes Bier: Martina und Ursula Christ hatten ihre Gaststätte am gestrigen Sonntag letztmalig geöffnet. Es war die letzte Kneipe in der Bunstruth.

Gemünden-Grüsen. - Seit 1969 existierte die Gaststätte Christ in Grüsen. Mehr als 45 Jahre - die am Sonntag zu Ende gingen. Die Traditionskneipe in der Wälzebachstraße hatte gestern letztmalig geöffnet.

„Auf ein Bier zu Christs“ - ein Satz, der in Grüsen zukünftig der Vergangenheit angehört, denn Ursel Christ hat ihre Kneipe, die sie gemeinsam mit ihrem Mann Udo und ihrer Tochter Martina geführt hatte, am Sonntag letztmals geöffnet. Somit hat die letzte verbleibende Kneipe in der Bunstruth ihre Pforten geschlossen - „aus gesundheitlichen Gründen“, sagt Ursula Christ. Mehr als 45 Jahre lang - zwischen Weihnachten und Silvester 1969 haben Udo und Ursula Christ ihre Kneipe eröffnet - war das Haus in der Wälzebachstraße Anlaufpunkt für zahlreiche Stammtische, Vereine und auch Pensionsgäste. Damals habe es keine Pension im Ort gegeben, also hat die Familie Christ die Scheune zu einem Lokal ausgebaut und insgesamt sieben Zimmer zur Verfügung gestellt: fünf Doppel- und zwei Einzelzimmer. Zwölf Mark habe die Vollpension damals gekostet, berichtet Tochter Martina Christ, die 1994 mit in Betrieb eingestiegen ist und die Gaststätte bis gestern mit ihrer Mutter führte. Übernachtungen bietet die Familie Christ seit etwa vier Jahren nicht mehr an und auch das Kneipengeschäft sei rückläufig. Früher sei Mittwoch der einzige Ruhetag gewesen. Zuletzt hatte die Kneipe noch donnerstags bis sonntags geöffnet, sagt Martina Christ.

Viel Wehmut sei dabei, sagt Ursula Christ: „Wir haben hier viele schöne Stunden erlebt“. Zudem war Ursula Christ häufig der Ansprechpartner bei Problemen ihrer Gäste. Nicht umsonst wird sie von vielen nur „Mama“ genannt.

Viele wollten sich persönlich verabschieden. Als kleines Andenken an die vielen schönen Jahre, durfte sich jeder Gast am Ende ein Glas aus dem Schrank hinter der Theke aussuchen und mit nach Hause nehmen. So wird, auch wenn die Kneipe nicht mehr geöffnet hat, die Tradition in gewisser Weise aufrecht erhalten, wenn diese Gläser erhoben werden.(ste)

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