Jahresabschluss der Schlepperfreunde

Ein letzter Gruß an die Herbstsonne

Walter Jacobi, Ortsvorsteher von Battenberg, ist selbst begeisterter Schlepper-Fahrer und Mitglied der Schlepperfreunde aus dem Oberen Edertal. Eigentlich wollte er seine Freunde während einer Stadtführung seine Heimat zeigen, doch das Wetter machte ihm e

Battenberg - Alte Technik vor einem alten Gebäude: 20 Schlepper-Fahrer haben gestern vor dem Battenberger Rathaus Station gemacht. Eine Führung durch das Museum musste entfallen - das Wetter war zu gut.

Ein wenig enttäusch und gleichzeitig hoch erfreut - es gibt wohl nur wenige Situationen, in denen ein Mensch beide Emotionen gleichzeitig erlebt. Für Walter Jacobi, Ortsvorsteher von Battenberg, war es gestern so weit: „Ich wollte meinen Freunden eigentlich eine Stadtführung durch Battenberg geben“, sagt er mit einem leicht resignierenden Ton in der Stimme - und fügt strahlend hinzu: „... aber die wollen lieber Schlepper fahren“.

Er selbst liebt das Fahren auf historischem Gerät ebenso, wie viele seiner Kollegen der Schlepperfreunde aus dem Oberen Edertal. Er ist gar um des Fahrens Willen Schlepper-Besitzer geworden. Die Schrauber-Leidenschaft packt ihn kaum. Jacobi sagt sogar: „Zum Glück habe ich an meinem Eicher noch nie etwas selber machen müssen, der läuft einwandfrei“ - seit elf Jahren besitzt er das Schmuckstück aus dem Jahr 1961.

Für einige der übrigen Schlepper-Besitzer wäre eine solche Aussage bereits ein Frevel: Sie wollen verstehen, warum ihr Liebling fährt - oder eben auch, warum nicht. Was sie alle ein: „Es macht unglaublich viel Spaß, mit den anderen durch die Gegend zu fahren“, sagt Walter Jacobi.

Ungeduldiges Fußtrippeln

Im Hintergrund nicken die anderen knapp 20 Schlepperfreunde ungeduldig: Ja, das Fahren macht Spaß, gerade bei Traumwetter wie am Sonntag. Die Männer trippeln mit den Füßen auf altem Kopfsteinpflaster, wollen auf den Sattel und rein in die Natur. Und genau das ist es, was Jacobi sichtlich auch ein wenig bedrückt stimmt: Battenberg, so schön es ist, schafft es an diesem Sonntag nicht, die Schlepper aus den Köpfen zu verdrängen. Für die Teilnehmer der Ausfahrt dürfte es schließlich die letzte große Tour des Jahres sein. Die Temperaturen liegen irgendwo zwischen 20 und 25 Grad, kein Wölkchen trübt den Himmel.

Immerhin in den Burgbergstollen haben sie es geschafft, haben sich zeigen lassen, wie frühere Battenberger ihren Lohn verdienten. Doch das Museum im alten Rathaus: Dazu reicht ihrer aller Geduld nicht mehr. „Los“, ruft einer der Herren, die anderen werden ungeduldig. Die ersten Motoren springen laut knatternd an. Ruß erhebt sich in den Himmel, es riecht nach alter Technik. Einige Touristen bleiben stehen, es gibt die Gelegenheit für ein Foto.

Wo sie herkommen, möchte einer wissen - „aus Battenfeld“, lautet die Antwort. Und wo es hingeht? Der Fahrer des Eichers winkt ab. Es geht auf die Straße und in die Sonne. Die Fahrer erweisen ihr eine letzte Ehre und auch sie ist ihnen freundlich gesonnen. Es braucht drei Minuten, dann ist der Platz vor dem Rathaus leer, still. Keine Motoren, nur der plätschernde Brunnen blubbert vor sich hin.

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