Hinter den Kulissen wird emsig an Konzept für Galerie in Bremer Straße gearbeitet

Ein letztes Fünkchen Hoffnung

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Frankenberg - Am 23. August werden die Stadtverordneten voraussichtlich zum letzten Mal über das Einkaufszentrum abstimmen. Auf der Agenda steht eine Änderung des Bebauungsplans. Doch es geht nur um Details - und wenn Investor Ten-Brinke wollte, könnte schon heute Bauantrag gestellt werden.

De facto hat die Stadt schon die Voraussetzung für den Bau des Einkaufszentrums im Kreuzungsbereich der Siegener Straße und der Röddenauer Straße geschaffen. Der für den 23. August geplante Satzungsbeschluss regelt lediglich noch Details, etwa die Abwägung von eingegangenen Stellungnahmen Träger öffentlicher Belange. Der Zeitpunkt des Baubeginns hängt somit nur noch davon ab, wann die niederländische Ten-Brinke-Gruppe den Antrag beim Bauamt einreicht - und wann die Behörde die Genehmigung erteilt.

In diesem 23. August sehen auch etliche Kaufleute den Tag, an dem final über die Zukunft des Einzelhandels abgestimmt wird. Denn sie sind überzeugt: Kommt das Einkaufszentrum, geht die Neustädter Straße mehr als schweren Zeiten entgegen.

Ganz tatenlos sind die Händler dieser Tage aber nicht. Sie haben noch ein Fünkchen Hoffnung - und greifen nach einem letzten Strohhalm. Denn nach FZ-Recherchen steckt hinter den Andeutungen von Bürgermeister Rüdiger Heß, dass ein Markt in der Bremer Straße oder Auf der Nemphe sein Ziel sei (wir berichteten), viel mehr, als zunächst zu vermuten war.

Planer aus Einzelhandel

Ziemlich konkret wird dieser Tage überlegt, ob sich ein Bau nicht doch noch realisieren lässt. Und das Hauptaugenmerk liegt auf dem Bereich, der schon vor vielen, vielen Jahren hitzig als Standort für einen Markt diskutiert wurde: das Parkhaus und die angrenzenden Grundstücke. Dies bestätigte gestern ein Kaufmann der FZ. „Ja, ist gibt ganz tolle Pläne“, sagte der Frankenberger, der namentlich nicht genannt werden will. In die Planung involviert sei ein Mann, der dem Einzelhandel nahestehe und der schon ähnliche Projekte realisiert habe.

Fokus auf Parkhaus-Areal

Das Hauptproblem: das Geld. Um zwischen Neustädter Straße und der Uferstraße und somit der Eder ein Einkaufszentrum zu errichten, müssten zunächst die Immobilienbesitzer einem Verkauf zustimmen - zu einem für sie lukrativen Preis. Doch je höher der ist, umso problematischer gestaltet sich die Gesamtfinanzierung des Projekts. Denn nach dem Kauf müssten die Immobilien ebenso abgerissen werden wie die Balzer- und Raiffeisen-Gebäude. Die Bremer Straße und die Straße Auf der Nemphe liegen ebenfalls im Stadtsanierungsgebiet - die vom Gutachterausschuss ermittelten Bodenwerte sind mit 85 Euro in der Bremer Straße ähnlich hoch wie auf dem Balzer-Areal (95 Euro) und dem Raiffeisen-Gelände (80 Euro) - was für ein Gebäude auf dem Areal steht, ist für den ermittelten Bodenwert nicht maßgeblich.

Die Planungen konzentrieren sich auf das Parkhaus-Umfeld, doch nach Aussage des Kaufmanns könnten sich die Frankenberger Händler mit anderen Standorten auch anfreunden, „wenn sie denn innenstadtnah sind“, sagt er. Denn bei allen Bemühungen, die Bahnhofstraße zu einer Flaniermeile umzugestalten, könne bei dem Balzer-Raiffeisen-Gelände keineswegs vom „innenstadtintegrierten Standort“ die Rede sein. „Uns ist alles im Bereich Dellbrücke bis Bahnhofstraße/Bottendorfer Straße recht.“ Ein Einkaufszentrum in diesem Areal würde seiner Meinung nach zur Belebung der Innenstadt beitragen, die dringend nötig sei. „Denn wir haben schon längst erhebliche Frequenz verloren.“ Schlecker-Pleite, Ihr Platz und weitere Geschäfte mit unsicherer Zukunft ließen die Prognosen für die „Einkaufsmeile“ zunehmend in düsterem Licht erscheinen.

Geld und Gehirnschmalz

Es bedürfe sicherlich Geld und Gehirnschmalz, in diesen Straßenzügen einen Markt zu errichten, sagt der Händler. Doch nicht minder wichtig sei, die „Stadtväter bei den Überlegungen mit ins Boot zu holen“. Seine Einschätzung: „Es ist wichtig, dass dabei niemand sein Gesicht verliert. Vielleicht war vor zehn Jahren die Entscheidung, auf dem Balzer-Gelände einen Markt zu errichten, die richtige. Aber aus heutiger Sicht ist die Entscheidung nicht mehr richtig, weil sich im Laufe der Jahre die Vorzeichen ganz erheblich geändert haben.“

Ebert: „Solitärer Standort“

In diese Überlegungen eingebunden ist mittlerweile auch Hans Joachim Ebert, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Hessen-Nord. Die Wünsche der Frankenberger Kaufleute hält er für nachvollziehbar und vor allem richtig. „Das Balzer-Gelände ist ein solitärer Standort, die Innenstadt wird definitiv unter diesem Markt leiden, denn es ist weitere Konkurrenz und keine Ergänzung.“

Durch die Ansiedlung werde ein dermaßen scharfer Wettbewerb aufgebaut, dass die Innenstadt unter „erheblichen Druck“ gerate. „Dass dann noch zusätzliche Investitionen in die Innenstadt erfolgen, das halte ich für mehr als fraglich“, sagt er und verweist gleichzeitig darauf, dass die Neustädter Straße von einer Galerie in der Nähe jedoch spürbar profitieren würde. Dass diese, wie von Bürgermeister Heß als Ziel formuliert, jedoch noch gebaut werde, hält er für unwahrscheinlich. „Die Planung in der Siegener Straße wird aus baurechtlichen Gesichtspunkten kaum noch zu verhindern sein.“ Wenn der Investor nicht die Lust an dem Projekt verliere, „wird die Galerie wohlgebaut“, glaubt Ebert.

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