Einkaufen in Frankenberg

Leuchtendes Beispiel für Frankenberg

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Die Frankenberger Fußgängerzone ist am Abend nicht sehr einladend: Manche Schaufenster sind beleuchtet, andere nicht. Die Fassaden der Fachwerkhäuser verschwinden völlig aus dem Blickfeld. Die Illuminierung der Gebäude und des Weges ist ein Aspekt, der in

Frankenberg - Die Einkaufsmeile von Gießen als buchstäblich leuchtendes Beispiel für Frankenberg: Die erfolgreiche Entwicklung des Selterswegs zum gefragten Einzelhandelsstandort und Einkaufserlebnis sollte den Frankenberger Kaufleuten zeigen, welche Möglichkeiten es für die Fußgängerzone gibt.

Vor Jahren standen die Händler in der Gießener Innenstadt vor ähnlichen Sorgen wie heute die Frankenberger: Trotz erheblicher Gegenwehr wurde ein zentral gelegenes Einkaufszentrum errichtet, die Kaufleute in der Innenstadt fürchteten Umsatzeinbrüche und Leerstand. Die Lösung war die Gründung von Business Improvement Districts (BIP, frei übersetzt „Bezirke zur Verbesserung des Geschäfts“). Dabei handelt es sich um Zusammenschlüsse aller Hauseigentümer, die die Entwicklung eines Bezirkes vorantreiben und dabei vom Handel unterstützt werden.

Der Geschäftsführer der drei BIPs in Gießen, Markus Pfeffer, zeigte in der Jahreshauptversammlung des Kaufmännischen Vereins mit beeindruckenden Fotos, Folien und Filmsequenzen, wie sich der BIP Seltersweg verändert hat. In sechs Jahren wurden in Gießens Haupteinkaufsmeile etwa 1,5 Millionen Euro investiert – und zwar von den Eigentümern der 56 Immobilien. Der Jahresetat für den BIP liegt derzeit bei 200.000 Euro.

Um es vorwegzunehmen: Das Einkaufszentrum „Neustädter Tor“ macht den Anliegern des Selterswegs heute keine Sorge mehr, im Gegenteil: Nicht der Seltersweg, sondern das „Neustädter Tor“ hat mit Leerstand zu kämpfen. Und die hohen Investitionen rechnen sich auch für die Hauseigentümer: Während der Wert von Immobilien in vergleichbaren Lagen bundesweit um mehr als ein Prozent gesunken ist, stieg der Wert der Gebäude im Seltersweg um mehr als zehn Prozent an. Im Jahr 2010 erhielt der Seltersweg eine Auszeichnung als bester BIP Deutschlands.

Kein Zweifel herrscht darüber, dass Frankenberg ganz andere Voraussetzungen hat als Gießen, die laut Markus Pfeffer einzige Einkaufsstadt im Umkreis mit einer „1a-Geschäftslage“ außer Frankfurt. „Selbst Marburg könnte diese Erlöse nicht erzielen“, sagte der Geschäftsführer im Gespräch mit der FZ. Nicht nur die Quadratmeterpreise spielen eine Rolle, auch die Handelsstruktur: Während in Frankenberg vorwiegend inhabergeführte Einzelhändler tätig sind, sind von den 80 Geschäften im Gießener Seltersweg 95 Prozent Filialisten.

Dennoch brachte der BIP-Geschäftsführer zahlreiche Beispiele mit, die in Gießen zum massiven Erfolg des BIP beigetragen haben und als Anregung für die Frankenberger Fußgängerzone gelten können:

l Beleuchtung: Nachdem die Einkaufsstraße früher abends und nachts dunkel war, sind nun Hausfassaden illuminiert und Strahler im Boden eingelassen, so dass der gesamte Seltersweg auch in den Abendstunden hell erleuchtet ist. Normale Straßenlaternen wurden abmontiert. Allein 320.000 Euro sind in die neue Beleuchtung geflossen, die Rückmeldungen der Hauseigentümer seien aber extrem positiv, betonte Markus Pfeffer.

l Angebote für Kinder: Absolute Publikumsmagneten waren die Dinosaurier- und Urzeittier-Figuren in Lebensgröße, die monatelang in der Innenstadt aufgestellt waren. Insgesamt seien 2,3 Millionen Besucher deshalb in die Innenstadt gekommen. „Das ist gar nicht so teuer! Das kann Frankenberg auch“, sagte Pfeffer. Für große Begeisterung sorgen in den Sommermonaten 16Springbrunnen-Säulen, in denen Kinder mit Begeisterung planschen und herumtollen.

l Plakatierung: Mit großformatigen Plakaten haben die Gießener im Seltersweg gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Sie verschönern damit beispielsweise hässliche Stromkästen, aber verstecken auch leere Schaufenster – etwa während Umbauphasen – hinter großen, bunten und modernen Einkaufsmotiven oder vielen guten Wünschen für die Kunden. Dadurch sei auch das Problem des wilden Plakatierens stark zurückgegangen, sagte Pfeffer.

l Optische Gestaltung: Insgesamt 60 Buchsbaum-Kugeln in hohen, fest verschraubten Kübeln schmücken den Seltersweg und verleihen ihm Flair – allein die Pflege kostet 25000 Euro im Jahr. Im BIP Seltersweg gilt eine strengere Werbesatzung: Banner sind verboten, ebenso wie klassische Leuchtschilder – stattdessen müssen die Firmennamen in dreidimensionalen Einzelbuchstaben an die Fassaden gebracht werden. Werbeschilder zum Aufstellen sind verpönt. „Lassen Sie die Dinger weg. Die sehen hässlich aus“, riet Pfeffer den Frankenberger Kaufleuten. Auslagen vor den Geschäften sind in Gießen nur auf 60 Zentimetern Breite an der Hauswand erlaubt.

l Außendarstellung: Für die drei BIPs gibt es ein einheitliches, modernes, geradliniges Design, das sich überall wiederfindet: auf Broschüren, Plakaten, in den Schaufenstern, auf den Mützen der Luftballon-Verteiler bei Stadtfesten. Sogar an Fassaden ist der „Seltersweg“-Schriftzug in Metallbuchstaben zu finden.

Der Vorsitzende des Kaufmännischen Vereins Frankenberg André Kreisz bedankte sich für die zahlreichen Ansätze. „Jetzt heißt es für uns: Nicht nur wollen, sondern auch tun! Da ist es vielleicht auch mal an der Zeit, die Gestaltungssatzung wieder aus der Schublade zu holen“, resümierte er.

Markus Pfeffer attestierte den Kaufleuten eine hohe Professionalität: Allein der detaillierte Zeitplan für die verschiedenen Aktionen im Laufe des Jahres sei etwas, wovon er vor der Gründung des BIP in Gießen nur hätte träumen können. Er zeigte sich überzeugt davon, dass die Fußgängerzone ein großes Potenzial hat: „Wenn ich mir das hier angucke: Was will da ein Center?“

Mehr Informationen zum BIP gibt es im Internet auf der Seite www.giessen-seltersweg.de

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