Prof. von Stockhausen, der Glasfenster für Stiftskirche Wetter schuf, verstarb

Licht der Welt im Inneren

Glasmalerei in Vollendung: Stifter Dr. Hans Gerhard Lenz erinnert bei Führungen gern an Hans Gottfried von Stockhausen. Fotos: Völker

Wetter. Mehr als 200 Glasbilder in den Fenstern der gotischen Stiftskirche von Wetter werden als herausragendes Gesamtkunstwerk an das Schaffen des Künstlers Prof. Hans Gottfried von Stockhausen erinnern, der vor wenigen Tagen kurz vor Vollendung seines 90. Lebensjahres bei Stuttgart verstarb. In der Kirchengemeinde Wetter wurde mit großer Dankbarkeit im Gottesdienst seiner gedacht, zur Beerdigung in seinem Heimatort reiste auch eine kleine Delegation aus Wetter an.

„Das Licht der Welt“

An der Trauerfeier nahm auch Kaufmann Dr. Hans Gerhard Lenz teil, der mit seiner 2003 ins Leben gerufenen Stiftung dafür gesorgt hatte, dass der damals bereits hoch betagte Professor Stockhausen für sämtliche Fenster des Kirchenraums unter dem Titel „Das Licht der Welt“ ein Bildprogramm entwerfen und damit seine 1962 geschaffenen Glasbilder im Chorraum fortführen konnte. „Ich habe bis zuletzt fast jeden Monat einmal mit ihm Kontakt gehabt“, berichtet Dr. Lenz.

Denkmalpfleger und Kunsthistoriker sind sich heute darin einig, dass Stockhausens Glasbilder in Wetter „zu den schönsten, die im 20. Jahrhundert für eine mittelalterliche Kirche entstanden“ (Katharina Thiersch) gehören. Es wurde damals die Chance genutzt, die gotische Denkrichtung des Kirchenraumes durch einen einzigen zeitgenössischen Künstler in Licht und Farbe fortzuführen und dabei zugleich die Wunden des Krieges zu heilen. Sprengbomben hatten 1945 sämtliche historischen Glasfenster der Stiftskirche Wetter zerstört.

Komplexe Bildsprache

Noch im Jahr 2006 hatte Hans Gottfried von Stockhausen die letzten beiden Glasfenster für die Sakristei der Stiftskirche geliefert. Er vollendete damit ein komplexes gedankliches System von ins Bildhafte übertragenen Bibelworten des Alten und Neuen Testamentes, aber auch von bedeutsamen Gestalten der Kirchengeschichte wie Hildegard von Bingen oder Edith Stein. Dabei stand für ihn die sinngebende Kraft figürlicher Darstellung auch in einer Zeit, in der die Abstraktion das zeitgenössische Schaffen bestimmte, nicht in Frage. Viele Details seiner Glasmalereien in den gotischen Fenstern erschließen sich dem Betrachter erst dann, wenn er sie sich mit dem Fernglas ganz nahe vor Augen holt - dazu ist bei besonderen Führungen in der Stiftkirche von Wetter Gelegenheit.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare