Comedian Senay Duzcu auf Einladung des Kulturrings und des Deutsch-Türkischen Vereins in Frankenberg

Liebeserklärung an türkische Wurzeln

+
Die türkischstämmige Duisburgerin Senay Duzcu stand am Freitagabend auf der Bühne der Ederberglandhalle – und brachte dem Publikum dabei auch die wahren Bedeutungen der türkischen Tänze näher. Foto: Andrea Pauly

Frankenberg - Wer dachte, eine Ruhrgebietlerin mit türkischem Hintergrund würde mit Klischees aufräumen, hatte sich getäuscht: So manches ist eben wirklich typisch Deutsch und typisch Türkisch. Das findet zumindest eine, die in beiden Welten zu Hause ist: Senay Duzcu.

Der Kulturring und der Türkisch-Deutsche Verein hatten gemeinsam zum Kabarettabend „Türkisch Delight“ eingeladen. Zum ersten Mal stand eine türkischstämmige Comedian auf der Bühne der Ederberglandhalle. Etwa 120 Gäste waren gekommen.

Im Mittelpunkt von Duzcus Überlegungen stehen die kulturellen Unterschiede zwischen Türken und Deutschen. Und während einige Klischees für sie durchaus ein Grund zum Ärgern sind, empfindet sie manch anderes Vorurteil selbst als realistisch - und zwar sowohl solche gegenüber Türken als auch jene gegenüber den Deutschen.

Beide Kulturen kommen auch in ihr zum Tragen: „Die Türkin in mir mag Glimmer, Glitzer und Kitsch, die Deutsche in mir lästert darüber.“ Sie findet, dass deutsche Standesbeamte wirken, als hätten sie 30 Jahre lang keinen Sex gehabt, und türkische Hochzeiten ähnlich ablaufen wie bei Facebook: 700 Gäste, von denen man den Großteil gar nicht kennt. Der Unterschied: Die Freunde auf der Hochzeit kann man nicht einfach löschen.

Senay Duzcu hat keine Angst davor, auch politische und religiöse Themen aufzugreifen. So stellt sie fest, dass es in den neuen Bundesländern „kleine Dörfer gibt, die Türken hassen, ohne jemals einen gesehen zu haben,“ oder fragt sich, wie ein Mann seine Frau unter einer Burka überhaupt erkennt. Und das Thema Beschneidung müsste ihrer Meinung nach gar nicht so viel diskutiert werden: Für die Jungen bedeute dies ein Fest, sie bekämen Geschenke und das alles dafür, dass sie ein bisschen bluten. „Frauen kriegen dafür keine Geschenke!“ Die gebürtige Duisburgerin erinnert daran, dass nirgendwo im Koran geschrieben steht, ob die 72 Jungfrauen, die Selbstmordattentäter im Himmel erwarten sollen, hübsch sind oder ob die Schwiegereltern vielleicht auch dabei sind. Eigentlich glaube sie ohnehin viel eher an eine falsche Übersetzung: „Da wartet eine Jungfrau, und die ist 72 Jahre alt.“

Zwar nimmt sie auch ihre koch- und putzwütige Verwandtschaft aufs Korn und beschreibt, welche Taktiken ihr Vater erfand, damit sie als Kind nichts tat, was Spaß machte. Dennoch ist ihre Show eine Liebeserklärung an die südländische Kultur. Senay Duzcu spricht mit Begeisterung von der gelebten Emotionalität der Türken und bedauert den Mangel von guter Laune und Euphorie bei den Deutschen - stattdessen hätten die oft Migräne.

Sie vergleicht die Sätze von Türken und Deutschen in ernsten Situationen: Während Erstere Dinge sagen wie: „Ich wünsche dir ein Wunder, den schönsten Tag deines Lebens, eine Reise mit vielen guten Überraschungen“, kommen aus Deutschland Phrasen wie „Freu dich nicht zu früh“, „Hals- und Beinbruch“ und „wird schon schiefgehen“. Diese drei hebe sie sich übrigens für die Hochzeitsnacht auf, falls sie mal einen deutschen Mann heiraten sollte, erklärte sie dem erheiterten Publikum.

Insgesamt 90 Minuten lang lässt Senay Duzcu die Zuschauer in ihr Leben mit und zwischen den Kulturen blicken. Als Zugabe lüftet sie das Geheimnis, was es mit den Tanzbewegungen türkischer Frauen auf sich hat - in Wahrheit sind die nämlich dieselben wie beim Putzen, Milchaufschäumen und Ameisen-vom-Fuß-Schütteln.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare