Das Frankenberger Land erlebte das Christfest 1939 in gedrückter Stimmung

Liebesgaben für die Front

Trügerische Idylle: Dieses Bild von feiernden Soldaten einer Flakbatterie im Osten zeigte 1939 den Menschen im Frankenberger Land nicht den wirklichen Krieg.

Frankenberg. Familien ohne Väter, Luftschutz- und Verdunkelungsübungen, zwangsbewirtschaftete Lebensmittel und Kleider - ernst und mit gedrückter Stimmung erwartete die Bevölkerung im Frankenberger Land das Weihnachtsfest 1939. Nach Kriegsbeginn mit Hitlers Überfall auf Polen am 1. September waren die wehrfähigen Männer zum Kriegsdienst einberufen worden, und die in der Heimat verbliebenen NSDAP-Funktionäre machten sich mit viel Aktionismus und verlogenen Opferparolen wichtig.

Am Sonntag, 3. Dezember 1939, hatte die NS-Propaganda zum „Tag der Arbeit an der Front der Heimat“ aufgerufen. In Frankenberg marschierten die SA- und SS-Formationen mit den Politischen Leitern zum Goßberg, begleitet von der Werkskapelle Stoelcker und dem Spielmannszug der Hitlerjugend, „um ihren Körper abzuhärten und einsatzfähig zu halten“, wie es hieß. Nach der Übung äußerte Ortsgruppenleiter Zabel in markigen Worten vor dem Rathaus seine Freude darüber, „dass die Männer mit frohem Herzen auch in dieser Weise ihre Pflicht für Deutschland erfüllten“.

Bei einer vorausgegangenen Kundgebung in der Aula der Edertalschule vor Bürgermeistern, Politischen Leitern und Führern der NS-Gliederungen hatte Zabel bereits sehr viel hohles, pseudoreligiöses Pathos verbreitet und den Führer Adolf Hitler gepriesen: „Ein solcher Mann wird wohl einmal in tausend Jahren geboren und dann hat der Gott der Geschichte dieses Volk gesegnet. Adolf Hitler ist der größte Deutsche und unser Volk wird ewig mit seinem Namen verbunden sein.“ Die lokale Zeitung gab solche Reden meist ausführlich wieder.

Probleme der Versorgung

Im Alltag hingegen schlugen sich die Menschen mit Problemen der Versorgung herum: mit Brotkarten, Nahrungszulagen für Nachtarbeiter, Abgabe von Fleisch bei Hausschlachtungen, Zuteilungen von Stopfgarn und Zwirn, Sondermonatsquoten an Leder für das Besohlen von Schuhen… Mütter wurden aufgefordert, Kinderschuhe untereinander auszutauschen und überhaupt auf Neukäufe von Schuhen zugunsten der Soldaten an der Front zu verzichten. „Ebenso wie bei den Textilwaren steht die Befriedigung des zivilen Bedarfs an zweiter Stelle.“

Bis zum 15. Dezember mussten die von den NSDAP-Gruppierungen gepackten Päckchen mit „Liebesgaben“ bei der Post eingeliefert worden sein, wenn sie die Soldaten im Feld noch zum Christfest erreichen sollten. Allein in Battenberg wurden von der NS-Frauenschaft 67 Kartons gefüllt. Gefragt waren vor allem Zigarren, Stumpen und Zigaretten, Pfefferminz und eine „anständige Handvoll Bonbons“. Den privaten Gabensendungen sollten außer Weihnachtsgebäck keine Lebensmittel beigefügt werden, stattdessen kleine Notizbücher, Drehbleistifte oder Bücher. Bis zum 19. Dezember konnte man Weihnachtswünsche für Durchsagen beim Reichssender Frankfurt einreichen - gegen eine Spende von zwei Mark ans Winterhilfswerk.

Bei der NSDAP-Weihnachtsfeier 1939 in Frankenberg bekamen erstmals kinderreiche Mütter das „Ehrenkreuz des Führers“ überreicht: insgesamt 15 goldene, 26 silberne und 58 bronzene Mutterkreuze. In Battenberg wurden 24 Mutterkreuze ausgegeben.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare