Saisonabschluss der Konzertreihe im Kloster Haina mit Bläser- und Orgelmusik

Lieder aus Luthers Zeiten

Musiker und Moderator: (von links) Philip Schütz (Trompete), Jens Koch (Orgel), Pfarrer Peter Kittel, Michael Hintze (Horn), Ulrich Ladurner (Posaune), Ulrich Rebmann (Trompete) Foto: Moniac

Haina-Kloster. „Reformation und Kirchenmusik“ hieß das Motto des Konzerts zum Saisonende in der Klosterkirche Haina. Offensichtlich wollten sich viele Menschen vor der Winterpause noch einmal an der Schönheit des Gebäudes erfreuen und am Wohlklang der Musik ergötzen, denn trotz des strahlenden Spätsommertages waren die Bänke gut gefüllt. Zudem ließ sich an den Nummernschildern erkennen, dass zahlreiche Gäste nicht aus der unmittelbaren Umgebung stammten, ein Zeichen für die gute Etablierung der Institution Klosterkonzerte.

Besucher wurden einbezogen

Das Konzept des Abschlusskonzertes unterschied sich von dem der vorangegangenen Darbietungen: Machten diese das Publikum weitestgehend zu passiven und genießenden Zuhörern, wurden sie jetzt aktiv in das Konzertgeschehen einbezogen.

Die gebotene Musik für Bläser und Orgel stammte ausschließlich aus der Zeit Martin Luthers, also dem 15. und 16. Jahrhundert. Sie rief die Gläubigen herbei wie etwa die Fanfare von Josquin des Près, erfreute mit fröhlichen Melodien wie die Sonaten und Lieder von Andrea Gabrieli und seines Neffen Giovanni und berauschte mit den mächtigen Orgelklängen Girolamo Frescobaldis.

Zwischen den Stücken unterrichtete Pfarrer Peter Kittel die Zuhörer über die geistesgeschichtliche Situation in der Zeit der Renaissance und des aufkommenden Humanismus. Die Menschen seien von religiöser Sehnsucht und Unrast getrieben gewesen, erklärte Kittel, der kleine Mann habe zudem kaum etwas von dem verstanden, was ihm in der Kirche – selbstverständlich in lateinischer Sprache – erzählt wurde.

Der größte Teil der Bevölkerung habe weder Besitztümer noch Geld besessen, um mögliche Sünden mit materiellen Dingen zu büßen. Luther dagegen sei es darum gegangen, den Menschen von allen Ketten und Fesseln zu befreien.

Luther habe den Gesang stets als wesentliches Merkmal der Kirchenmusik empfunden, so Kittel. Der Reformator sei selber zeitlebens ein begeisterter Musiker gewesen. „Er war der Meinung, dass Lieder stärker prägen als das gesprochene Wort.“ Deshalb habe er sich auch für eine musische Schulung von Kindheit an eingesetzt.

Zwischen den Musik- und Sprechteilen wurde die Gemeinde aufgefordert, in die traditionellen alten Kirchenlieder von zum Beispiel Heinrich Schütz und Michael Prätorius einzustimmen. Die Lieder wurden in voller Gänze und mit teilweise Geschlechtertrennung gesungen, was die vergangenheitsbewusste Wirkung verstärkte.

Von Marise Moniac

Quelle: HNA

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