Elke Heidenreich zu Gast

Literarischer Frühling mit Appell eröffnet: Lesen als demokratische Pflicht

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Munteres Gespräch: Elke Heidenreich stellte ihr Buch "Alles fließt!" über den Rhein vor; Hubertus meyer-Burckhardt offenbarte viel verbindendes Lebensf

Frankenberg. Literatur hilft, einander zuzuhören und im Streit Kompromisse zu finden: Das ist der Grundgedanke hinter dem Literarischem Frühling, der Samstag eröffnet wurde.

Schwarzrotgold sind in diesem Jahr die Symbolfarben des Festivals „Literarischer Frühling“, die Blickrichtung geht zurück auf die Gründung der ersten Demokratie in Deutschland im Jahr 1919.

Und deshalb war die festliche Eröffnung des achten Literaturfestivals in der Heimat der Brüder Grimm am Wochenende mit mehr als 500 Gästen in der Frankenberger Kulturhalle auch ein großer, überzeugender Appell für das Lesen „dicker, gescheiter und in gutem Deutsch verfasster Bücher als patriotische, demokratische Pflicht“, wie Festival-Organisatorin Christiane Kohl in ihrer Begrüßung forderte.

"Kloaken der digitalen Welt" stehen bei Literarischem Frühling in der Kritik

Einander zuhören und Kompromisse finden: Dafür spricht sich Christiane Kohl aus, Organisatorin des Literarischen Frühlings.

Sie warb, angesichts der leidenschaftlichen Debatten der Gegenwart und des zunehmenden Populismus, für das Grundprinzip der Demokratie, einander zuzuhören und miteinander zu streiten, aber zugleich auch zu Kompromissen bereit zu sein. „Wir dürfen es nicht zulassen, dass sich die ganze aufgereizte, unausgegorene Emotionalität unter der Flagge des angeblich Authentischen per Twitter oder Facebook in die Kloaken der digitalen Welt ergießt“, mahnte Kohl. „Dies zu verhindern – dafür gibt es die Literatur in all ihren Spielarten.“

Das Veranstalterteam freue sich, auch in diesem Jahr unter den rund 30 Terminen das Programm für Kinder und Jugendliche wieder ausweiten zu können mit speziellen Lesungen, Vorträgen und beispielsweise einem Schreibworkshop für Schülerinnen und Schüler des Bad Wildunger Stresemann-Gymnasiums, sagte Christiane Kohl. 

Dieses Projekt werde vom Hessischen Kultusministerium unterstützt. Gemeinsam mit den Festival-Mitveranstaltern Gerhard Pohl, Andreas Engelhoven und Klaus Brill („eine Koalition der Kreativen“) bedankte sie sich bei den Partnern aus 23 Firmen und Institutionen der Region für ihre vielfachen Formen finanzieller, ideeller und technischer Hilfe.

Elke Heidenreich liest zur Eröffnung des Literarischen Frühlings in Frankenberg

Mit großer Herzlichkeit hieß Kohl zur Eröffnungsveranstaltung die durch Literatur-Sendungen und ihre satirische Figur der Else Stratmann bekannte Autorin Elke Heidenreich „als eine Abgesandte des Wahren, Guten und Schönen, als couragierte Mitstreiterin im Kampf gegen die digitale Demenz“ willkommen.

Heidenreich stellte in einem erfrischend lebhaften Gespräch mit dem Autor und Fernsehproduzenten Hubertus Meyer-Burckhardt ihr neuestes Werk mit dem Titel „Alles fließt!“ über den Rhein vor, den sie zusammen mit dem Fotografen Tom Krausz bereiste. Sie las aber auch, vom Publikum immer wieder gebeten, kleine autobiografische Geschichten, in denen nicht nur deutsche Befindlichkeiten, sondern auch ganz anrührende persönliche Züge der Autorin sichtbar wurden.

Große Literatur, kleine Geschichten aus dem Alltag: Die Erfolgsautorin Elke Heidenreich (rechts) begeisterte am Eröffnungsabend des Literaturfestivals in der Frankenberger Kulturhalle mehr als 500 Zuhörer. Noch lange signierte sie anschließend ihre Bücher für ihre große Fangemeinde.

Die mehr als 500 Gäste erlebten den Eröffnungsabend in den Tribünenaufbauten der Theater AG der Edertalschule, deren neues Stück „Sandra K.“ im Mai Premiere hat. Christiane Kohl erinnerte sich dabei an ihre eigene Schultheaterzeit 1972 in dieser Halle und widmete dem im vergangenen Jahr verstorbenen Lehrer und Gründer der Theater AG, Werner Bistritz, unter großem Beifall ein würdigendes Gedenken.

Programm des Literarischen Frühlings in Waldeck und Frankenberg bis 5. Mai

Der Literarische Frühling dauert noch bis zum 5. Mai. Viele der Veranstaltungen, die sich über Frankenberg, Schloss Waldeck, Bad Wildungen und Ellershausen verteilen, sind ausverkauft. Doch zum Programm gehören auch noch Termine mit Sams-Erfinder Paul Maar und Zeit-Herausgeber Josef Joffe.

Von Karl-Hermann Völker

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