Joachim Hesse guckt Fußball in ganz Europa – und hat darüber ein Buch geschrieben

„Es lohnt sich immer“

Mit Buch und Ball: Joachim Hesse aus Frankenberg hat seine schönsten Erlebnisse von mehr als 600 Fußballspielen in seinem Buch „Fußballfahrten“ aufgeschrieben. Foto:  Paulus

Frankenberg. „Ich würde mir ein Fußballspiel Luxemburg gegen Albanien nie im Fernsehen angucken“, sagt Joachim Hesse. Das könnte daran liegen, dass der 30-jährige Frankenberger selten Fernsehen guckt. Es liegt aber eher daran, dass er viel lieber direkt ins Stadion fährt. Auch zu Luxemburg gegen Albanien, obwohl er solche Partien „spielerisch sinnlos“ findet. Ihm geht es um das Drumherum, um die Fans, eine neue Stadt und die vielen kuriosen Geschichten eines Spieltags. Seine schönsten Erlebnisse von mehr als 600 Spielen in ganz Europa hat Joachim Hesse jetzt in einem Buch aufgeschrieben: „Fußballfahrten“ lautet der einfache und eindeutige Titel.

„In meinem Buch steht vieles, das man im Fernsehen nicht sieht“, sagt Joachim Hesse. „Fußballfahrten“ liefert also keine Spielberichte, sondern Reiseberichte eines Fans über all das, was abseits des Spielfeldes passiert. Wie bei Hesses Fahrt nach Prag, wo er sich das tschechische Zweitligaspiel Slavia II gegen HFK Olmuc ansieht: Auf der Hinfahrt fällt der Zug wegen eines Tankfehlers aus, die Karte fürs Stadion kostet nur zwei Euro, im Kaffeebecher schwimmt ein Klumpen Kaffeepulver, und außer dem Frankenberger sind nur hundert Rentner im Stadion. Und trotzdem sagt der 30-Jährige: „Ganz klar: Die Fahrten lohnen sich immer.“

„Ein Drittliga-Spiel kann einen größeren Reiz haben als die Bundesliga.“

Joachim Hesse

Etwa 50 Mal im Jahr fährt Joachim Hesse zu Fußballspielen in ganz Europa. Er ist ein „Groundhopper“, einer, der seinen Sport in möglichst viele Stadien sehen will. „Es kann schon mal sein, dass ich an einem Wochenende fünf Spiele sehe.“

Der Fan von Borussia Mönchengladbach und des KSV Hessen Kassel ist der deutschen Nationalmannschaft nach Wales und Moskau gefolgt, hat sich Budissa Bautzen gegen Energie Cottbus II angetan, hat „schlampige Sicherheitsvorkehrungen“ in Rom erlebt, und sich von einem 0:0 im ehrwürdigen Liverpool enttäuschen lassen. Und er hat „das geilste Spiel“ seines Lebens gesehen: Am 20. März 2004 spielte sein KSV in Darmstadt und Slawomir Chalaskiewicz traf kurz vor Schluss mit einem windbegünstigten Freistoß aus 45 Metern zum Kasseler 4:3-Sieg gegen den Erzrivalen aus dem Süden. „Ein Drittliga-Spiel kann einen größeren Reiz haben als die Bundesliga“, sagt Hesse. „Es muss nicht immer der Hochglanz sein.“

Sogar seinen Junggesellenabschied im vergangenen Jahr hat er mit einem Fußballspiel verbunden: Mit seinen Kumpels war er beim Auswärtsspiel des KSV in Freiburg. Ansonsten fährt der 30-Jährige „leider oft alleine“ zu Fußballspielen. „Vielen ist das zu sinnlos“, sagt er. Ab und zu fährt seine Frau Sandra mit, mal ein Freund. Damit das alles bezahlbar bleibt, kauft Hesse Eintrittskarten der günstigsten Kategorie und wählt gar keine oder die günstigste Unterkunft.

Sein nächstes Ziel ist die WM in Südafrika. Hesse und ein Freund haben Karten für Schweiz gegen Honduras, Deutschland gegen Ghana und ein Achtelfinale. Und weil er weiß, dass er auch dort viel Kurioses erleben wird, soll die Fortsetzung seines Buches von der WM in Südafrika handeln.

Von Jörg Paulus

Quelle: HNA

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