Luftkrieg im Ederbergland

Als der Luftkrieg im Burgwald tobte

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Alte Fotos, Zeitungen und Plakate zieren die Ausstellung zum Luftkrieg im Ederbergland. Die Besucher blättern durch Fotos und Erinnerungen.Fotos: Patricia Kutsch

Burgwald-Bottendorf - Geschichte rekonstruieren ist manchmal wie ein Puzzle - und oft muss der Zufall helfen. Nur durch Zufall hat der Heimatforscher Bernhard Bock von einem bislang unbekannten Luftangriff auf die Muna erfahren. Beim Themennachmittag "Luftkrieg im Ederbergland" in Bottendorf berichtete er darüber.

Einen Nachmittag zum Thema „Der Luftkrieg im Ederbergland und die Folgen“ hat der Bottendorfer Heimat- und Kulturverein am Sonntag im Dorfgemeinschaftshaus veranstaltet. Rund 100 Besucher schauten sich verschiedene Funde aus dem zweiten Weltkrieg an: Der Burgwalder Kulturverein hatte Munitionshülsen und Gasmasken aus dem „Bunker der Geschichte“ ausgestellt, die Arbeitsgemeinschaft Luftkrieg-Ederbergland zeigte Messinstrumente von abgestürzten Fliegern.

Zwischen den greifbaren Erinnerungsstücken an die Zeit des Krieges lagen zahlreiche Fotos in Farbe und in Schwarz-weiß. Die Besucher sahen darauf etwa Menschen, die bei Luftangriffen ihr Leben verloren hatten. Noch emotionaler und bedrückender waren Zeitzeugen-Berichte, die der Bottendorfer Kulturverein gesammelt hat. Jürgen Hansmeyer hat acht Zeitzeugen besucht und ihre Geschichten auf Band gesprochen. Den Vortragsnachmittag gestalteten die Bottendorfer mit den Erinnerungen von Walter Sellmann, Viktor Dörrich, Martha Hesse und Helene Lenz.

„Wer zart besaitet ist, sollte zu Anfang noch einmal tief Luft holen“, empfahl Heinz Klem, der Vorsitzende des gastgebenden Vereins. Plötzlich schrillten Tonbandaufnahmen von Sirenen durch das Dorfgemeinschaftshaus. Die Geräusche eines abstürzenden Fliegers waren zu hören - und dann Totenstille im Saal, als Hansmeyers Stimme mit dem Bericht von Walter Sellmann zu hören war: Sellmann war neun Jahre alt und am 6. Oktober 1944 mit seiner Mama an der Mühle bei Rennertehausen, als Flugzeuge im Sturzflug auf das Dorf hinabsausten und Bomben abwarfen.Sellmann und seine Mama suchten Schutz in einem tiefen Graben. Sie sahen, wie die Flieger Richtung Berghofen verschwanden, dann aber umdrehten und auf Menschen schossen, die aus einem Zug flohen. Drei Häuser und drei Scheunen brannten, neun Menschen starben - und die Rennertehäuser verbrachten die Nacht in einem Unterschlupf bei Berghofen.

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