30 Jahre Knaller in Birkenbringhausen

Männer ziehen laut knallend durch das Dorf

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Rolf Seibel (links) und Kevin Gerke knallten im 30. Jahr der wiederbelebten Tradition auch an ungewöhnlichen Plätzen und Stellen in Birkenbringhausen.Fotos: Michael Wickenhöfer

Burgwald-Birkenbringhausen - In Birkenbringhausen haben 1982 junge Männer der Feuerwehr eine alte Tradition wiederbelebt - das Knallen am "Dritten Weihnachtstag". Auch am Donnerstag schwangen sie wieder die Peitschen.

Die jahrhundertealte Tradition des Knallens drohte auszusterben, als Feuerwehrleute vor mittlerweile 30 Jahren den Entschluss fassten, die Peitschen selbst in die Hand zu nehmen. Bereits seit dieser Zeit übernehmen die Vereinsmitglieder die auch in anderen Dörfern des Frankenberger Landes bekannte Aufgabe.

Ursprünglich waren es die Burschen - also die unverheirateten Männer - des Dorfes, die „zwischen den Jahren“ durch das Dorf zogen. Denn dann wechselten die Mägde auf den Höfen ihre Stellung, sie wechselten also ihren Arbeitgeber und zogen zu einem anderen Hof, ob im gleichen Dorf oder in einem anderen. Bereits zu diesen Zeiten entstand der markante und im Burgwalddorf bekannte Vierklang, bei dem jeweils vier „Burschen“ in einem Viervierteltakt reihum die Peitschen durch die Luft schnellen lassen. Die Mägde und auch ihre Arbeitgeber dankten es den Burschen mit Lebensmitteln wie Eiern, Wurst oder Speck, die als Basis für eine gemeinsame Feier der Burschen am Abend diente. Zu dieser Feier wurden später dann auch die Mägde geladen. Das oftmals rauschende Fest mit Tanz war einer der Höhepunkte im Dorfleben.

Im Jahre 2012 ziehen die Feuerwehrleute noch immer am sogenannten „dritten Weihnachtstag“ - dem 27. Dezember - durch die Straßen. „Das ist anders als in anderen Dörfern, wo oftmals an festgelegten Punkten geknallt wird“, erläutert Volker Klinge, der die Ausbildung der Knaller übernimmt. Auch wenn die Burschen heute nicht mehr zwingend unverheiratet sind und auch nicht alle so jung wie die Burschen damals: Geknallt wird immer noch bei den unverheirateten jungen Frauen des Dorfes. Doch es gibt auch Veränderungen: Neben den unverheirateten Frauen bringen die Knaller auch den Gewerbetreibenden des Dorfes und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ein Ständchen. Außerdem erhalten die Burschen im Gegensatz zu damals meist keine Lebensmittel mehr, sondern Bargeld, das dann zur Unterstützung der nach wie vor existierenden Feier am Abend - der sogenannten Knallerparty - genutzt wird.

Über Nachwuchssorgen können sich die Birkenbringhäuser Knaller nicht beklagen: Besonders in den vergangenen Jahren sind viele junge Vereinsmitglieder zur Gruppe gestoßen. Erfreulich ist aber auch, dass aus dem Team, das vor 30 Jahren die Tradition fortführte, noch immer fünf Knaller aktiv sind. Auch nächstes Jahr wollen die Knaller durch Birkenbringhausen ziehen. Junge Männer, die Lust haben, die Peitsche zu schwingen, können sich bei Volker Klinge melden, Telefon 06451/9556.

Von Michael Wickenhöfer

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