Erinnerungen an den 29. März 1945

Wie vor 70 Jahren der Krieg in Waldeck-Frankenberg endete 

Kriegsende in Haina: Am Karfreitagvormittag 1945 rollten diese amerikanische Panzer der 3. US-Panzerdivision durch Haina. Das Foto entstand am Ortsausgang in Richtung Löhlbach. Repro: Völker

Für das Frankenberger und Waldecker Land endete der Zweite Weltkrieg, während das NS-Regime den endgültigen Zusammenbruch mit der beschwörenden Lüge vom „Endsieg“ noch einige Wochen hinauszögerte, bereits am 29. März 1945.

An jenem Gründonnerstag vor Ostern rollten amerikanische Panzer und Mannschaftswagen von Marburg über Frankenberg, Korbach bis nach Nordwaldeck. Es gab nur noch hier und da Widerstand von eilig zusammen gezogenen Wehrmachtssoldaten oder in Richtung Marburg entsandten Kampfgruppen aus der SS-Führerschule in Arolsen, die einzelne, letzte Kämpfe provozierten.

Nachdem der 1. US-Armee bereits am 1. März 1945 bei Remagen der Vorstoß über den Rhein gelungen war und die Westalliierten in den Folgetagen immer weiter auf das rechte Rheinufer übersetzen konnten, war zur Schließung des „Ruhrkessels“ die Sicherung der Ostflanke über Marburg nach Paderborn ein wichtiges strategisches Ziel.

Der Bad Arolser Historiker Dr. Bernd Joachim Zimmer hat einmal diesen schnellen Vormarsch der 3. US-Panzerdivision am 29. März 1945 durch das heutige Waldeck-Frankenberg „den längsten US-Panzervorstoß des Zweiten Weltkriegs“ genannt und dabei vier Routen erforscht, auf denen dieses Vorrücken erfolgte.

Zu den spektakulärsten Ereignissen für die Amerikaner auf Route 2 gehörte dabei morgens am Bahnhof Bromskirchen die Entdeckung eines Güterzugs mit unbeschädigten V2-Raketen, anfangs ahnungslos gemeldet als „8 Flugzeuge – Typ noch nicht bekannt“. Erst am nächsten Tag wurde die „Wunderwaffe“ identifiziert.

In den meisten Orten ließ die US-Army zunächst Halbkettenfahrzeuge und einige Jeeps einfahren, gefolgt von Sherman-Panzern mit aufgesessener Infanterie sowie am Schluss Lastkraftwagen mit Verpflegung, Treibstoff und Munition. Vielfach wurde, wenn dem Verband niemand mit einer weißen Fahne entgegenkam, ein einzelner Kanonenschuss abgefeuert. Es gab aber immer wieder auch einzelne Widerstandsnester, die längeres Granatfeuer provozierten.

Obwohl in Frankenberg weiße Fahnen an den Häusern hingen und die Stadt widerstandslos übergeben worden war, feuerte in der Neustädter Straße ein SS-Mann doch noch eine Panzerfaust ab und wurde sofort erschossen. Als kurz vor Ederbringhausen sieben regimetreue Arolser SS-Leute, die sich dort eingegraben hatten, einen US-Soldaten an der Spitze der Kolonne verletzten, kamen sie nicht nur selbst um, sondern mehrere Häuser und Scheunen des Dorfes wurden in Brand geschossen.

Über Herzhausen gelangten die US-Soldaten am späten Nachmittag kampflos nach Korbach, lediglich in Nordwaldeck gab es an diesem und am nächsten Tag noch mehrmals schwere Kämpfe mit SS-Einheiten.

Von Karl-Hermann Völker

Mehr lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare