Frankenberg

Maiserträge erfreuen die Landwirte

- Frankenberg (rou). Trotz der vielen Arbeit ist die Stimmung in der Landwirtschaft dieser Tage ausgezeichnet. Der Grund: Die Maisernte macht nicht nur wegen des herrlichen Wetters besonders viel Spaß. Der Ertrag ist laut Matthias Eckel gut bis sehr gut. 60 Tonnen pro Hektar seien keine Seltenheit, erläutert der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Frankenberg. Er begründet diesen hohen Ertrag mit dem Regen „zur rechten Zeit“: in der Wachstumsphase Juli und August. Im Kreis ist auf 5000 Hektar Mais angebaut worden.

ais wohin das Auge reicht. Diesen Eindruck hatten in den vergangenen Wochen viele Waldeck-Frankenberger, wenn sie per Fahrrad oder im Auto Überland fuhren. Vor allem in den landwirtschaftlich geprägten Regionen dominierten die Felder mit den oft mehr als drei Meter hohen Pflanzen das Bild. Und für viele Laien stand fest: Es gibt mehr Mais als in den Vorjahren. Schnell war eine Erklärung gefunden: „Landwirte bauen mehr Mais an, um den Energiehunger der Biogasanlagen zu stillen.“ Doch weit gefehlt.

„Es ist nicht mehr Mais angebaut worden als in den vergangenen Jahren“, stellt Matthias Eckel klar. In Zahlen: 5000 Hektar im Kreis Waldeck-Frankenberg, etwa 2000 Hektar davon im Altkreis Frankenberg. „In Spitzenzeiten, Mitte der 90er Jahre, waren es 5500 Hektar“, erinnert der Geschäftsführer des Frankenberger Kreisbauernverbandes (KBV). Und für die Konzentration des Anbaus auf bestimmte Regionen hat Eckel eine einfache Erklärung. „Natürlich wird mehr Mais um Biogasanlagen oder große Milchviehbetriebe angebaut als anderswo.“ Doch im Frankenberger Land wird lediglich in der Anlage in Grüsen gehäckselter Mais vergoren. „Der Mais, der steht, wird fast ausschließlich im Winter mit Grassilage zusammen verfüttert“, stellt der Dörnholzhäuser klar. Der Anbau von Zuckermais spielt in Waldeck-Frankenberg keine Rolle.

Dynamische Entwicklung

Die öffentlichen Diskussionen über die Vor- und Nachteile des Baus von Biogasanlagen haben offensichtlich zu dieser verzerrten Wahrnehmung geführt. Und deshalb warnt der KBV-Geschäftsführer davor, immer wieder das Argument der „Vermaisung der Kulturlandschaft“ vorzutragen. Die Kritiker täten gerade so, als ob es sich bei Mais um etwas „Schlimmes“ handeln würde. „Mais ist seit 40, 50 Jahren eine ganz normale Pflanze für unsere Kulturlandschaft.“ Die Bevölkerung müsse verstehen, dass auch „die Landwirtschaft einem dynamischen Prozess“ unterliegt. „Vor 35 Jahren war noch der Hafer die Hauptfrucht bei uns“, erklärt Eckel. Auch Kartoffeln und Futterrüben seien angebaut worden. „Inzwischen sind es andere Pflanzen: wie Weizen oder Mais.“ Und in 15 oder 20 Jahren könnten es wiederum andere Pflanzen sein. Diese Entwicklung sei allein der Erfordernissen der Betriebe geschuldet.

Auch landwirtschaftliche Arbeit sei schließlich von wirtschaftlichem Handeln geprägt. „Der Futterrübenanbau ist sehr arbeitsintensiv“, erklärt der Geschäftsführer. „Bei immer größer werdenen Betrieben verknappt die Arbeitszeit. Da muss rational vorgegangen werden.“ Und der „Tausendsassa Mais“ bedürfe weniger Arbeit als andere Pflanzen, vertrage Gülle und Mist als Dünger. Und auch der Bodenerosion könne mit einfachen Mitteln wirksam gegengewirkt werden. „Der Mais fällt nur so auf, weil er so groß wird“, sagt Eckel.

Diese Entwicklung spiegelt sich in der Technik wieder. War die Maisernte bis vor einigen Jahren für viele Bauern noch eine Wochenarbeit, so sind kleinere Felder heute binnen Stunden geerntet. Nur noch kleine landwirtschaftliche Betriebe kümmern sich laut Eckel selber um die Ernte, 90 Prozent würden Lohnunternehmer beauftragen. Und ein solcher war gestern auch im Auftrag von Reinhard Löwer aus Herbelhausen im Einsatz. Der neue Feldhäcksler erfasst sieben Reihen auf einmal und häckselt pro Stunde etwa zwei Hektar Mais. „30 oder 35 Hektar Mais sind in zwei Tagen geerntet“, erläutert Eckel. Inzwischen seien 1000 PS-starke Maschinen mit Arbeitsbreiten von mehr als zehn Metern oder 14 Reihen auf dem Markt.

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