Maizug in den Listenbach - Brauch seit Jahrhunderten

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Die Ortenbergschule als Traditionsträger: Seit ihrem Neubau vor 100 Jahren haben Generationen von Schulkindern den Frankenberger Maizug in den Listenbach angeführt, unterbrochen nur von Kriegsjahren. Lehrer Ulrich Halama (links) sorgt seit Jahren für das farbenprächtige Bild.

Frankenberg. Pickelhauben, Landsknechtsmäntel und Husarenjacken – für Generationen von Frankenberger Schulkindern in bunten Uniformen waren die Maiauszüge in den Listenbach am Freitagmorgen vor Pfingsten herausragende Ereignisse im Leben.

Was wäre aus dem jahrhundertealten Brauch des Grenzgangs und des gemeinsamen Maieinholens geworden, wenn ihn nicht 1948 nach schweren Kriegsjahren die Lehrer der Frankenberger Stadtschule, heute Ortenbergschule, wieder zum Leben erweckt hätten? „Der Maizug ist es, der die Stadt Frankenberg aus dem Rahmen der übrigen Städte heraushebt“, sagte 1950 Karl Ruhland, Rektor der Stadtschule bis 1955 und späterer Schulrat.

Liebe zur Heimat und die Pflege von Brauchtum waren ihm ein wichtiges Anliegen. Sein Nachfolger, Rektor Heinrich Eckhardt, hatte 1960 bei seiner Rede zum Maizug die pädagogischen Ziele im Blick: „Wir müssen den Kindern Erinnerungswerte schaffen, die sie durch das Leben begleiten. Darum wollen wir festhalten an diesen schönen Traditionen, die wir von unseren Vätern übernommen haben.“ Schon im 18. Jahrhundert führten die „Praezeptores“, die Lehrer, ihre uniformierte Schülerschar bei den alle sieben Jahre stattfindenden Grenzzügen an, im 19. Jahrhundert bewegte sich der von den Lehrern geordnete Zug in Richtung Linnertor.

Nach 1900 begleiteten die Seminar- und Stadtlehrer die Schülerschar, und das Kollegium der 1913 neu erbauten Stadtschule trug, unterbrochen von den Weltkriegen, das Brauchtum gemeinsam mit zwei neu entstandenen Grundschulen bis heute weiter. (zve)

Fotos: Mai-Umzug zum Pfingstmarkt

Maizug zum Pfingstmarkt

Quelle: HNA

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