Neustart für den "Alten Bahnhof"

"Majestätisches Flair" für den Bahnhof

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Gemünden - Sie wollen ihm nichts "Neues überstülpen", aber doch ein zusätzliches Angebot schaffen: Dabei haben die Geschwister Elke und Jürgen Drews als neue Pächter laut Klaus Obermann das Potenzial, den "Alten Bahnhof" in einen "Kulturbahnhof" zu verwandeln.

„Das Riesenpotenzial des ‚Alten Bahnhofs‘ ausschöpfen“ - das wünscht sich Besitzer Klaus Obermann für den Gastronomiebetrieb, den er vor mehr als 25 Jahren selbst aus der Taufe hob. Und er zeigt sich überzeugt, dass die neuen Pächter Elke und Jürgen Drews genau das erreichen können.Die Geschwister sind seit Anfang des Jahres die Nachfolger von Michael Mootz und bereits voller Tatendrang bei der Sache. Die Aufgaben sind klar verteilt: Jürgen Drews kocht, seine Schwester Elke übernimmt den Service.

Beide vereint ihre kulturelle Leidenschaft: Elke Drews arbeitete als Künstlerin sowie Pädagogin und möchte ihre Talente im „Alten Bahnhof“ einbringen. Ihr Bruder eröffnete vor mehr als 30 Jahren ein Lokal in Köln mit Kulturprogramm. „Das gehört für mich einfach dazu“, sagt er. Daher fühlen sich beide in ihrer neuen Wirkstätte bereits sichtlich wohl. Besonders begeistert sind sie vom regionalen Angebot, das ihnen die Zubereitung der Gerichte mit frischen Produkten ermöglicht. Dazu gehört auch, dass sie kein Fleisch anbieten, das aus Massentierhaltung stammt. Elke Drews freut sich schon darauf, für die Gerichte Kräuter zu verwenden, die im Kräutergarten sprießen. Außerdem plant sie, noch einen Gemüsegarten anzulegen.

Ihr Bruder ist dabei stets offen für Neues - er könne nicht einmal sagen, welches sein Lieblingsgericht ist, da ständig neue hinzukommen. Doch besonders gern mag er die italienische, aber auch die alt-deutsche Küche. „Wer kennt heute zum Beispiel noch Kasseler mit Sauerkirschen?“, fragt er und grinst verschmitzt. Zunächst plant er auch Gerichte wie Tafelspitz mit Meerrettich anzubieten. Der Koch möchte Gewohntes auf der Speisekarte beibehalten, sie aber auch durch neue Gerichte bereichern. Schnell haben er und seine Schwester sich auf die - zum Teil ungewohnten - Vorlieben ihrer Gäste eingestellt, etwa „das Bedürfnis nach viel Soße“. Das kannten die Drews aus Köln nicht.

Wie beim Essen möchten die Geschwister auch beim kulturellen Programm stets auf den Geschmack ihres Zielpublikums achten - und dabei keine Altersklasse ausschließen. „Wir sind offen geblieben“, betont Jürgen Drews und bezieht sich dabei auch auf den Musik-Geschmack der jüngeren Generation. Den Drews sowie Obermann ist besonders eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit dem Verein „Gleis 3“ wichtig. In enger Abstimmung miteinander planen sie bereits das Jahresprogramm. Die erste Veranstaltung im neuen Jahr steht schon fest: Eine Vernissage von Frauke Stamm am Sonntag, 27. Januar, ab 15 Uhr.

Viele Ideen für die Zukunft

Elke Drews ist es auch wichtig, mit bestehenden Gruppen zusammenzuarbeiten und Menschen aus der Region einzubinden. Darüber hinaus möchte sie zusätzliche Angebote etablieren, etwa Schauspiel-Kurse. Für die weitere Zukunft erhofft sie sich, dass sie nicht mehr so häufig fortreisen muss, um zum Beispiel Schauspiel-Unterricht zu geben. „Ich würde die Leute gern hierher holen“, sagt sie. Denn zu den vielen Potenzialen des „Alten Bahnhofs“ gehören ihrer Aussage nach besonders auch die Schlafmöglichkeiten.

So ist die Modernisierung der drei Doppelzimmer Teil der Zukunftspläne. „Die Zimmer sollen freundlicher gestaltet werden“, sagt der ehemalige Bahnhofswirt Obermann; Elke Drews stellt sich vor, jedem Raum „ein eigenes Gesicht“ zu geben. Zudem soll es ein zusätzliches Duschbad geben und kabelloses Internet.

Und Elke Drews hat noch weitere Ideen, etwa individuelle Sitzmöglichkeiten im Außenbereich - der soll nämlich ebenfalls erweitert werden. Die Künstlerin sah die Aufnahmen des Hessischen Rundfunks, als das Fernsehteam die „HR-Sommertour“ auf dem Vorplatz des „Alten Bahnhofs“ drehte und bekam so einen Impuls: „Im Frühjahr wollen wir auch Tische und Stühle vor das Gebäude stellen. Da scheint ganz herrlich die Morgen- und Mittagssonne“.Dafür werde der Vorplatz noch mit Blumen bepflanzt. „Wenn man dann auf das Gebäude schaut, hat es eine schöne, majestätische Ausstrahlung“, beschreibt die Künstlerin ihre Vorstellung und aus ihrer Stimme klingt Begeisterung. Diese teilt auch ihr Bruder, dem ebenfalls eine „Vision“ vorschwebt: die Umgestaltung des Kaffeewagens. Die Drews’ fassen das Ambiente, das sie erreichen wollen, als „gemütlich“ und „kuschelig“ zusammen - mit Kissen, Lampen und Goldtroddeln. „Es soll sein, als betrete man eine andere Welt“, erläutert Elke Drews, und ihr Bruder ergänzt: „Mit einem Flair der 20er-Jahre, das zum Ambiente des Alten Bahnhofs passt.“

Alles Bekannte und Etablierte soll jedoch bleiben, etwa die Flohmärkte, die der Verein „Gleis 3“ viermal pro Jahr zwischen Frühjahr und Herbst organisiert. „Die Termine stehen vermutlich Ende Januar fest“, sagt Obermann. Den Drews’ ist es wichtig, das beizubehalten, was den „Alten Bahnhof“ ausmacht und dennoch das Angebot zu erweitern. Daher ist Obermann überzeugt, dass bald eine weitere Bezeichnung für den Gastronomie-Betrieb passend ist: „Kulturbahnhof“.

Elke und Jürgen Drews stellen sich den Gemündenern am Samstag, 12. Januar, mit einem Tag der offenen Tür von 13 bis 16 Uhr vor.

von Simone Schwalm

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