Manfred Berger: "Nicht alle Salafisten sind gewalttätig“

Manfred Berger, Vorsitzender des Türkisch-Deutschen-Vereins

Frankenberg. Über ein Thema wird in diesen Tagen in den Medien häufig berichtet: Die mögliche Bedrohung durch Salafisten. Die HNA hat Manfred Berger, den Vorsitzenden des Türkisch-Deutschen-Vereins in Frankenberg, um eine Einschätzung gebeten.

Salafismus gilt als eine ultrakonservative Strömung innerhalb des Islams. Laut einer Mitteilung des Bundesinnenministeriums geht von Salafisten eine besondere Gefährdung für die Sicherheit Deutschlands aus. Herr Berger, gibt es Salafisten im Kreis Waldeck-Frankenberg?

Berger: Mir sind keine bekannt. Salafismus ist aber grundsätzlich keine türkische Bewegung, sondern hat ihren Ursprung in Ägypten und Saudi-Arabien. Was heute in Deutschland passiert, ist beeinflusst vom saudischen Wahabismus. Einen großen Einfluss haben Prediger wie Pierre Vogel, ein Deutscher, der in Saudi-Arabien ausgebildet wurde und einen fundamentalistischen Islam vertritt. Speziell auf Deutschland bezogen ist der Salafismus ein Problem für Menschen, die noch nicht angekommen sind, und sich von den vereinfachten Lehren angesprochen fühlen. Diese Menschen ziehen dann ihr Selbstbewusstsein aus diesen Predigten. Nicht alle Salafisten sind gewalttätig. Sie glauben nur, sie hätten die einzig richtige Religion, die sie gegenüber allen anderen überlegen macht.

Macht Ihnen die zunehmende Bedrohung durch Salafisten Angst?

Berger: Ich sehe da schon eine Bedrohung durch die zunehmende Zahl von jungen Leuten, die sich angesprochen fühlen. Bis jetzt ist ja in Deutschland zum Glück nicht viel passiert. Aber es ist ein Potenzial da, das gefährlich werden kann. Wichtig ist aber, die muslimischen Migranten als solche nicht dafür verantwortlich zu machen. Damit tut man all denen, die friedlich unter uns wohnen, Unrecht. Und nicht alle jungen Leute, die etwa den Predigten Pierre Vogels zuhören, werden dadurch zu potentiellen Gewalttätern. Aber einige glauben dazu berufen zu sein, zu handeln. Das ist ähnlich wie beim NSU: Auch diese Neonazis handeln aus einer radikalen Überzeugung heraus und weil sie glauben, dass sie stellvertretend für andere mit Gewalt Deutschland retten müssten. (che)

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Quelle: HNA

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