Haftpflichtbeiträge zu hoch und der Verdienst zu gering

Mangel an Hebammen wird auch im Kreis Waldeck-Frankenberg zum Problem

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Betreuung für Schwangere und junge Mütter: Hebammen nehmen in der Geburtshilfe eine wichtige Rolle ein. Doch ihr Beruf bringt vielen zu wenig ein, Haftpflichtkosten sind zu hoch.

Waldeck-Frankenberg. Schwangere bekommen auch im Kreis zunehmend Probleme, wenn sie eine Hebamme finden wollen – immer mehr Selbstständige geben auf, weil die Haftpflichtbeiträge zu hoch sind und der Verdienst zu gering ist. Außerdem werden  die Geburtsstationen weniger.

Der Hebammen-Verband und der Elternverein „Motherhood“ schlagen Alarm, die SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Daniela Sommer aus Frankenberg hat das Thema daraufhin ins Parlament gebracht. „Die Landesregierung muss endlich Verantwortung übernehmen und eine flächendeckende Versorgung mit Hebammen sichern“, fordert sie. 

Hebammen-Register aufbauen

Verlässliche Zahlen über niedergelassene Hebammen lägen nicht vor – sie fordert ein landesweites Register. Die Daten samt Einzugsgebieten seien wichtig, um eine Über- und Unterversorgung aufzuzeigen und um gegenzusteuern. 

Sozialminister Stefan Grüttner von der CDU hat schon im September eine „Evaluierung“ angekündigt. Er bestätigt, dass es derzeit „in vielen Regionen nicht immer so viele Hebammen gibt, wie die Familien nachfragen“. Deshalb solle es mit dem Hebammen-Verband und mit „Motherhood“ eine landesweite Strukturanalyse geben. „Ich möchte wissen, wie das Leistungsangebot und die Arbeitsbedingungen im Detail sind.“ Dann solle „passgenau“ gehandelt werden. 

Probleme auch bei den Gebursstationen

Mängel seien auch bei den Geburtshilfestationen der Krankenhäuser sichtbar, urteilt Dr. Sommer. In den vorigen Jahren hätten mehrere schließen müssen, „da die fachlichen und wirtschaftlichen Vorgaben nicht mehr zu erfüllen waren“.  im Kreis haben derzeit noch Korbach, Frankenberg und Volkmarsen Geburtsstationen,  die Kliniken in Bad Arolsen und Bad Wildungen haben ihre schon geschlossen.

Mittlerweile seien die Fahrtzeiten für Schwangere auf dem Land ein Problem, erklärt Sommer. Das Sozialministerium halte bis zu 45 Minuten für zumutbar. Sommer fordert fordert Stationen „in erreichbarer Nähe“ – denn Schwangere müssten bei Bedarf schnell zu ihnen gelangen können.

Am Korbacher Stadtkrankenhaus hätte der Mangel an freiberuflichen Hebammen Mitte des Jahres fast zur Schließung der Geburtshilfe geführt - das Haus stellte auf angestellte Hebammen um. 

Und alle kleinen Häuser kämpfen mit der zu geringen Vergütung ihrer Leistungen: Inzwischen seien jährlich 1000 bis 1500 Geburten erforderlich, um kostendeckend zu arbeiten – solch hohe Zahlen seien auf dem Land nicht darstellbar, erklärt der Korbacher Geschäftsführer Christian Jostes.

Daniela Sommer fordert, der Bund müsse Krankenhäuser mit kleineren Geburts-Abteilungen mit Geld unterstützen.  Der Gemeinsame Bundesausschuss als höchstes Gremium der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen plane einen „Sicherstellungszuschlag“.

Interessant findet Dr. Sommer Lösungswege der Bayern: Die dortige Landesregierung habe Ende November ein „umfangreiches Maßnahmenpaket“ beschlossen: Kreise bekommen Zuschüsse, wenn sie stationäre Geburtshilfen und die Hebammenversorgung sicherstellen, Kommunen werden für jedes neu geborene Kind gefördert, um Personal zu gewinnen und zu halten. Und auch Hilfszahlungen für defizitäre Kliniken auf dem Land sind möglich.

Quelle: HNA

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