Galloways in Bottendorf

Ein Mann mit einem tierischen Hobby

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Wilhelm Ernst ist stolz auf seinen Zuchtbullen „Hamlet“, der seinen Kopf senkt, weil er gekrault werden möchte.Fotos: sis

Burgwald-Bottendorf - Ein Hobby, das länger am Leben hält - Wilhelm Ernst ist davon überzeugt, den Grund gefunden zu haben, warum er mit seinen 78 Jahren noch so fit ist: seine Galloway-Zucht.

„Sie sind gutmütig, robust und pflegeleicht.“ Wenn Wilhelm Ernst von seinen Galloway-Rindern spricht, leuchten seine Augen. Bereits seit vielen Jahren züchtet er die schottischen Tiere mit dem langen, gewellten Deckhaar, allerdings nicht, um damit Geld zu verdienen. „Es ist ein wunderschönes Hobby, das Freude macht“, sagt Ernst mit einem breiten Lächeln und fügt hinzu: „Es erhält einen länger am Leben.“ Mit „einen“ meint Ernst sich selbst, denn der Bottendorfer ist 78 Jahre alt und noch immer sehr agil. Den Grund hierfür sieht er in den Galloways, für die seine Liebe 1985 entfachte.

Während einer Wanderung durch den Odenwald machte er Rast in einem Burg-Wirtshaus, wo ihm der Wirt Bilder dieser langhaarigen Rinder zeigte. „Das hat mein Interesse geweckt“, erinnert sich Ernst ganz genau, der mit seiner Begeisterung auch seine Frau Ursula ansteckte. „Sie ist meine Stütze“, sagt er über sie.

Nach einigen Besuchen bei zwei Züchtern, welche die Tiere aus Schottland exportiert hatten, holte auch Ernst sich vier Jungtiere auf die Weide. Inzwischen sind es 15 Kühe und ein Bulle - Hamlet, Sohn von Herkules. Auf seine Bullen ist der 78-Jährige besonders stolz, denn sie wurden bereits dreimal Bundessieger. „Dadurch bin ich in der ganzen Bundesrepublik unter Galloway-Züchtern bekannt“, freut sich Ernst.

1998 nahm er erstmals während der Grünen Woche in Berlin an dem Wettbewerb um den besten Zuchtbullen teil - damals mit Siegbert. „Benotet werden die Kriterien Gesamteindruck, Skelett und Bemuskelung auf einer Skala von fünf bis neun, wobei neun die Bestnote ist“, erklärt Ernst. Geht ein Bulle als Sieger hervor, hat der Züchter eine gute Chance, die Nachkommen des Siegerbullen als Jungtiere für einen guten Preis auf einer der Auktionen in Alsfeld zu versteigern. Dort sucht auch Ernst sich die männlichen Galloways aus, von denen es immer nur einen in der Herde gibt. Manchmal kommt es jedoch vor, dass ein Bulle nicht die Kriterien für eine erfolgreiche Zucht erfüllt. Dann muss Ernst das Jungtier zum Metzger bringen, allerdings nicht, bevor es zwei Jahre alt ist, denn: „Das ist kein Tier, was man schnell mästen kann“.

Die Galloway-Kühe behält Ernst dagegen meist länger - wie beispielsweise Ivette, die nun schon zwölf Jahre alt ist. Das vertraute Verhältnis zwischen ihm und seinen Tieren stellt sich bereits unter den Kälbchen ein. „Zunächst sind sie scheu, aber wenn man mit ihren Müttern gut dran ist, gewöhnen sich auch die Kleinen an meine Nähe.“ Dann folgt ihm die gesamte Herde, sobald er ruft, und am liebsten wollen alle mal gestreichelt werden. Das Zutrauen der Tiere verdeutlicht, was Ernst klarstellt: „So, wie man den Tieren begegnet, so reagieren sie auch.“ Demnach scheint Ernst alles richtig zu machen.

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