Marburg/Frankenberg

Mann aus dem Frankenberger Land gesteht sexuellen Missbrauch an Kindern

- Marburg (r). Weil er in den Jahren 2007 und 2009 mehrere Kinder sexuell missbraucht haben soll, muss sich derzeit ein 31-jähriger Mann aus dem Frankenberger Land vor dem Marburger Landgericht verantworten. Am ersten Verhandlungstag legte er ein Teilgeständnis ab. Der Angeklagte gab zu, sich an einem dreijährigen Jungen und seiner einjährigen Schwester vergangen zu haben. Außerdem gestand er, dass er im Besitz von Kinderpornos war.

Letztendlich räumte der Angeklagte aber lediglich die Anklagepunkte ein, für die es eindeutige Beweise gibt. So hat die Polizei bei Wohnungsdurchsuchungen umfangreiches kinderpornografisches Material sichergestellt. Mann filmt sich selbst Laut Anklageschrift handelt es sich um mehr als 240 Bild- und Videodateien, die auf dem Computer des Mannes waren und die zum Teil auch den Geschlechtsverkehr von Erwachsenen mit Kindern zeigten. Unter den Filmen befand sich auch eine Aufnahme eines kleinen Jungen, auf der auch der Angeklagte zu sehen ist. Das Kind hatte mit seiner noch jüngeren Schwester bei dem Mann übernachtet, obwohl dieser wegen einschlägiger Vorstrafen von Gerichten auferlegt bekommen hatte, nicht alleine mit unter 14-Jährigen in einem Raum zu sein. Beide Kinder hat der Angeklagte, wie er jetzt gestand, unsittlich berührt und sie zu sexuellen Posen veranlasst. Um sich auch später noch sexuell erregen zu können, soll er die Bilder gemacht haben.

Bericht im Fernsehen

Wie ein Kriminalbeamter berichtete, sei die Polizei dem Mann aufgrund einer Anzeige auf die Schliche gekommen. Ein Zeuge habe berichtet, dass der Angeklagte in seiner Wohnung zahlreiche Nacktaufnahmen an der Wand hätte. Dies sei bei der Wohnungsdurchsuchung zwar nicht der Fall gewesen, aber die anderen Beweismittel konnten sichergestellt werden. Zu einem „richtigen Aufruhr“ habe das Medieninteresse nach der Festnahme des Mannes geführt, sagte der Zeuge. „Wir wurden mit Hinweisen bombardiert“. Hintergrund war eine Sendung eines privaten Fernsehsenders, in der viele Bürger das Wohnhaus des Angeklagten erkannten. Von einer Nachbarin habe sie erfahren, was los sei, sagte die Mutter der beiden Kleinkinder, deren Missbrauch der Mann gestanden hatte, aus. Sie und ihr Lebensgefährte seien mit dem Angeklagten und seiner Ehefrau eng befreundet gewesen, berichtete sie weiter. Ihr Sohn habe den Mann sehr gemocht und wollte von sich aus bei ihm übernachten, was sie aus heutiger Sicht wundere. Viermal sei der Angeklagte mit ihrem Jungen oder beiden Kindern alleine gewesen. An dem Kind sei ihr nichts besonderes aufgefallen. Verhaltensauffälligkeiten habe sie nicht mit den Besuchen in Verbindung gebracht. Erst nach der Fernsehsendung habe sich ihr das Kind offenbart: „Er ist böse, er hat mir Aua am Popo gemacht“, soll der Junge gesagt haben.

Weitere Fälle angeklagt

Wie der Polizist weiter aussagte, hätte es weitere Hinweise auf Kinder gegeben, die mit dem Mann alleine waren. Angeklagt sind der Missbrauch von vier weiteren Jungen und Mädchen zwischen sieben und neun Jahren. Zu diesen Vorwürfen wollte der Angeklagte keine Stellung beziehen. Wie die Mutter eines zum vorgeworfenen Tatzeitpunkt Achtjährigen berichtete, habe ihr Sohn ihr nach der Festnahme und einem Besuch des Fernsehens zwei Jahre nach dem Vorfall berichtet, dass der Mann auch ihn berührt habe und Fotos machen wollte. Aufgrund von Drohungen, die gegen sie in einem Internetportal ausgestoßen worden seien, habe ihr Kind nun auch Angst vor der Familie des Angeklagten und weiche ihr aus.

Einschlägig vorbestraft

Bereits als Jugendlicher ist der Angeklagte einschlägig aufgefallen, wie die Verlesung der Vorstrafen ergab. So wurde er vom Landgericht Siegen wegen zwölf Fällen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt. Als 16-jähriger soll er sich zunächst in unerlaubter Weise einem zehnjährigen Mädchen genähert haben. Mit 17 hatte er mehrfach Geschlechtsverkehr mit einem zehnjährigen Jungen. Eine weitere Verurteilung sprach das Amtsgericht Marburg aus, weil er sich 2001 erneut an einem sechsjährigen Mädchen vergangen hatte. Für den Prozess sind zunächst vier weitere Verhandlungstage festgesetzt. Der nächste ist am 6. Oktober.(r)

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