Haina / Frankenberg

Mann aus Haina wegen Betruges vor dem Amtsgericht

- Haina/Frankenberg (apa). Weil er einen Heizöl im Wert von 776 Euro bestellt und angenommen, über Monate hinweg aber nicht bezahlt hatte, stand ein 59-jähriger Mann aus Haina am Montag vor dem Frankenberger Amtsgericht.

Das Verfahren gegen den Hainaer vor dem Amtsgericht wurde eingestellt, weil er sich zur Zahlung von 300 Euro an den Förderverein der Edertalschule bereiterklärte – „das ist ein sehr großzügiges Angebot der Staatsanwaltschaft“, betonte Richterin Andrea Hülshorst. Der 59-Jährige stand wegen Betruges vor Gericht. Er hatte im Winter 2008/2009 bei einem Korbacher Unternehmen rund 1500 Liter Heizöl bestellt. Die Lieferung hatte der Mann – so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft – angenommen, „ohne zahlungsfähig oder zahlungswillig zu sein“, zudem habe er sein finanziell beengtes Verhältnis verschwiegen. So beengt war dieses Verhältnis zum Zeitpunkt der Lieferung im März vergangenen Jahres allerdings gar nicht, wie eine Übersicht der verschiedenen Konten des Hainaers zum Zeitpunkt der Lieferung ergab – er hätte die Rechnung durchaus bezahlen können, wie ihm Richterin und Staatsanwalt vorhielten. „Wie in jedem Unternehmen“ könne auch er nicht davon ausgehen, dass am nächsten Tag immer noch genug Geld auf dem Konto sei, erklärte der Hainaer. Der Staatsanwalt hakte nach: „Sie wussten also bei der Bestellung des Heizöls nicht, ob sie es im März bezahlen können?“ – „Diese Unterstellung möchte ich scharf zurückweisen“, antwortete der 59-Jährige, der die gesamte Zeit mit verschränkten Armen im Gerichtssaal saß. Der Mann gab an, dass er dem Fahrer des Tankers angeboten habe, die Rechnung sofort bar zu begleichen. Allerdings habe dieser nicht zehn Minuten auf das Geld warten wollen. Warum er dann nicht einfach am gleichen Tag überwiesen habe, wollte Richterin Andrea Hülshorst wissen. Nachdem der Hainaer zunächst mehrmals wiederholte, nicht zu wissen, warum die Rechnung „in Vergessenheit“ geraten war, räumte er später ein, er sei aus drei Gründen sauer auf den Lieferanten gewesen: „Die haben mich geärgert“, sagte er vor Gericht. Erstens sei die Lieferung zwei Wochen früher gekommen als vereinbart, zweitens zu einem höheren Literpreis als bei der Bestellung und drittens sei die Lieferung teurer als bei der Konkurrenz gewesen. Warum er das Heizöl denn überhaupt angenommen habe, wenn er die Vertragsvereinbarungen nicht als erfüllt ansah, fragte der Vertreter der Staatsanwaltschaft. „Es ist nicht meine Art, einen Lastwagen nach Haina kommen zu lassen und voll wieder wegzuschicken“, sagte der 59-jährige. Anfang September erhielt der Hainaer eine Vorladung von der Polizei wegen Betruges, Ende des Monats er eine weitere. Wenige Tage später, am 2. Oktober hatte der Mann 850 Euro an den Heizöllieferanten überwiesen. Er habe sich für die lange Wartezeit bei dem Korbacher Unternehmen entschuldigt und den Betrag erhöht, um Zinsen und Mahngebühren auszugleichen, betonte er vor Gericht. Er zeigte sich trotzig: „Sie wollen mir hier etwas unterstellen, das nicht der Wahrheit entspricht“, rief er aus und blickte dabei von Richterin Hülshorst zum Stand des Staatsanwaltes. Die Richterin verwies auf vier verschiedene Vorbelastungen seit 1984, darunter wegen Betruges und gemeinschaftlichen Betruges. Nach Absprache mit seinem Anwalt ließ sich der Hainaer auf das Angebot der Staatsanwaltschaft ein. Das Verfahren wird gegen Zahlung von 300 Euro an den Förderverein der Edertalschule eingestellt. „Wenn Sie nicht zahlen, wird das Verfahren fortgesetzt“, warnte Andrea Hülshorst.

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