Prozess: Mann würgte in Haina im Wahn seine Mitpatientin

Waldeck-Frankenberg. Ein 50-Jähriger aus Waldeck-Frankenberg hat im psychischen Wahn eine 42-jährige Mitpatientin in der Hainaer Allgemein-Psychiatrie fast erwürgt.

Nur durch das Eingreifen von Klinikmitarbeitern konnte verhindert werden, dass er die Frau tötet.

Der Fall wurde am Dienstag vor dem Marburger Landgericht verhandelt. Der 50-Jährige schilderte, was im September 2013 in der Klinik geschah. In seinem Wahn hielt er sich für die rechte Hand Gottes und einen Mitpatienten der Hainaer Allgemein-Psychiatrie für einen Erzengel. Er sei durch den Flur der geschlossenen Station gegangen und der „Erzengel“ habe ihm gesagt, wer in den verschiedenen Zimmern liege: in einem Jesus, in einem anderen Buddha und in einem weiteren Allah.

„In diesem Zimmer liegt der Tod. Da kann ich nicht mir dir reingehen“, habe der Mitbewohner gesagt. So ging der 50-Jährige allein hinein. Dort lag eine 42-jährige Mitpatientin - selbst hochgradig psychisch krank - auf einem Bett. Er kniete sich auf sie, würgte sie und stieß seine Stirn gegen ihren Kopf.

Glücklicherweise hörten die Stationspsychologin und ein Krankenpfleger an diesem Freitagnachmittag im September leise Hilferufe der 42-Jährigen. Der 50-Jährige wurde von ihr weggerissen und im Überwachungszimmer fixiert. Das Amtsgericht Frankenberg wies ihn danach in die Hainaer Klinik für forensische Psychiatrie, die psychisch kranke Straftäter behandelt, ein. Die Patientin erlitt Prellungen an der Stirn, Würgemale am Hals und blaue Flecken.

Wegen „versuchter Tötung in Zustand der Schuldunfähigkeit“ stand der Mann am Dienstag vor dem Landgericht. Er gab die Tat unumwunden zu und schilderte völlig klar, wie es zu den Wahnvorstellungen und der Tat kam.

Seine Schilderungen bestätigten im Folgenden auch Zeugen aus der Hainaer Allgemeinpsychiatrie und Gutachter Dr. Rüdiger Müller-Isberner, der Leiter der Hainaer Forensik ist.

„Ich wollte die Mitpatientin nicht töten. Ich wollte den Tod beeindrucken, damit er meiner Tochter nichts tut“, erläuterte der Mann am Dienstag seine Wahnvorstellungen. „Es tut mir unendlich leid, dass das passiert ist.“

Nach der Behandlung in der Klinik für Klinik für forensische Psychiatrie hat der Patient sich laut Klinikleiter Dr. Rüdiger Müller-Isberner wieder stabilisiert. Das Landgericht Marburg entschied, dass der Mann nun die Klinik wieder verlassen kann. Er muss aber strenge Bewährungauflagen befolgen und nachweisen, dass er seine Medikamente regelmäßig nimmt.

Der 50-Jährige kann seine Arbeit wieder aufnehmen, hat noch eine Wohnung und Freunde aus dem Sportverein kümmern sich um ihn. (mab)

Wie sich die Wahnvorstellungen entwickelt haben und was der Psychiater über das Verhalten des Mannes sagte, lesen Sie in der gedruckten Mittwochausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Quelle: HNA

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