Wie bei Maria: Schwangere Syrerin bekommt Baby in der Fremde

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Eine Schwangere wird untersucht: Das syrische Paar, das in Frankenberg lebt und ein Kind erwartet und über das wir berichten dürfen, wollte nicht für die Zeitung fotografiert werden.

Frankenberg. Die Bombenangriffe auf ihr Stadtviertel in Aleppo haben bei Joud schon zwei Mal zu einer Fehlgeburt geführt. Jetzt ist die 23-Jährige zum dritten Mal schwanger, und es sieht gut aus: Im Januar erwartet die Syrerin ein Baby. Im Frankenberger Kreiskrankenhaus soll es zur Welt kommen.

Im Moment fühlen sich Joud und ihr Mann Mohammed (30) sicher. Sie leben seit vier Monaten in einem kleinen Appartment im Schwesternwohnheim des Krankenhauses und fühlen sich umsorgt von Ehrenamtlichen des Netzwerks Integration und von guten Ärzten in Frankenberg. Doch bald wird sich für sie viel ändern. Mit Baby wird der Alltag etwas umständlicher, vor allem weil die Verwandtschaft in Syrien ist und das Paar nicht unterstützen kann. Das größte Problem wird aber die Suche nach einer Wohnung.

Wie berichtet, soll das Wohnheim abgerissen werden. Vitos plant an der Stelle einen Neubau. Voraussichtlich zum 31. März laufen die Mietverträge aus. Neben Joud und Mohammed betrifft das noch elf weitere Einzelappartments und Doppelzimmer, die von syrischen Flüchtlingen bewohnt sind. Wohin sollen die Familien? Was passiert mit den Möbeln? Wer hilft bei Umzügen? Für diese Fragen gibt es noch keine Antworten. Ehrenamtliche können und sollten das nicht alles leisten, heißt es vom Netzwerk Integration.

„Ich mag die Menschen hier in Frankenberg und würde gerne weiterhin hier wohnen“, sagt Mohammed. Wenn er aber keine Wohnung findet, versucht er, in einer Stadt in Nordrhein-Westfalen unterzukommen. Dort leben einige seiner Freunde. Doch auch sie sagen, dass es nicht viele Wohnungen gebe. „Dort ist es auch schwer.“

Eine Wohnung für die junge Familie sollte zentral gelegen sein, wenn es nach dem jungen Paar ginge. „Wir haben kein Auto. Im Sommer war Laufen ok, aber mit Baby wird es schwieriger.“ Wenn Joud und Mohammed jetzt in die Stadt zum Arzt müssen, nehmen Bekannte sie mit, oder zur Not bestellen sie ein Taxi.

Mit der medizinischen Versorgung hier in Deutschland sind sie „sehr zufrieden“. „Was immer wir brauchen, die Ärzte sind da.“ Für die vielen Syrer in Frankenberg sei es auch von Vorteil, dass drei der Ärzte am Kreiskrankenhaus Syrer sind.

Joud und Mohammed wollen hier eine Familie gründen und irgendwann auf eigenen Beinen stehen. Dafür müssen sie erst Deutsch lernen. Vor allem warten sie auf die Aysl-Bestätigung. Im Gespräch mit unserer Zeitung übersetzt Ayah, eine junge Frau aus Syrien, die seit sechs Monaten hier liebt und gut Englisch spricht.

Syrien bietet für sie alle keine Perspektive. „Die Städte sind zerstört“, sagen sie. Joud studierte in Syrien Biologie, und Mohammed arbeitete im Pharma-Bereich. Das ist Vergangenheit.

Jetzt warten sie erst einmal die Geburt ab. Beylasan soll sie heißen, ihre Tochter. Sie steht für alles, was die beiden teilen. Ihre Hoffnung, ihre Perspektive, ihren Neuanfang.

Info: Wer dem jungen Paar helfen möchte oder eine Wohnung hat, kann sich an das Netzwerk Integration wenden: Karl-Heinz Bastet, Tel. 06451/1207.

Quelle: HNA

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