Ortsvorsteher: Da muss etwas passieren

Maroder „Prinzenhof“ in Viermünden eine Gefahrenquelle für Kinder und Jugendliche

Rückseite des Prinzenhofs: Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß (links) verschafft sich mit Viermündens Ortsvorsteher Matthias Armand einen Eindruck vom Ausmaß des Verfalls des Gebäudes.
 Die Seite des Daches hat keine Ziegeln mehr.
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Rückseite des Prinzenhofs: Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß (links) verschafft sich mit Viermündens Ortsvorsteher Matthias Armand einen Eindruck vom Ausmaß des Verfalls des Gebäudes.

Der seit langem leerstehende Hotelkomplex Prinzenhof im Frankenberger Stadtteil Viermünden ist marode und ein Gefahr für Kinder und Jugendliche.

Für Ortsvorsteher Matthias Armand ist das Maß voll: „Da muss jetzt was passieren“, betont der Viermündener, nachdem ihm mehrere Anwohner berichtet haben, dass Jugendliche im Prinzenhof abends Scheiben eingeschmissen hätten und in dem heruntergekommenen Gebäude mittlerweile Waschbären aus- und eingingen.

Wie die HNA bereits vor etwa zwei Jahren in der Serie „Schandfleck“ berichtet hat, steht das ehemalige Hotel Am Hegeberg in Viermünden seit vielen Jahren leer und wird mehr und mehr zum Schandfleck. An der Gebäuderückseite fehlt ein Teil der Dacheindeckung und auch sonst verfällt die Bausubstanz zusehends.

Zur Erinnerung: Der in den 50er-Jahren ursprünglich als Pension betriebene Gebäudekomplex ist Teil einer Insolvenzmasse und wird von Dr. Andreas Kögel aus Wetter als Insolvenzverwalter betreut. Der Fachanwalt für Insolvenzrecht ist seit mehreren Jahren auf der Suche nach einem Kaufinteressenten und hatte den Grundstückswert 2018 im Gespräch mit der HNA noch mit 90 000 Euro angegeben.

Abrisskandidat: Das ehemalige Hotel Prinzenhof ist den Viermündenern ein Dorn im Auge. Der Ortsbeirat würde dort gerne Bauplätze für junge Familien schaffen.

Der Wunsch von Ortsvorsteher Armand wäre, das Gebäude abreißen zu lassen und auf der Fläche Bauland zu schaffen. „Es wäre für Viermünden enorm wichtig, dass wir jungen Familien Bauplätze zur Verfügung stellen könnten“, betont er.

Dieses Ansinnen unterstützt die Stadt Frankenberg. Sie ist allerdings nur bereit, einen Euro für das Grundstück zu zahlen, wie Bürgermeister Rüdiger Heß gegenüber der HNA bekräftigte. Der Insolvenzverwalter habe seine Forderung zwar inzwischen auf 10 000 Euro reduziert, aber auch diesen Betrag werde die Stadt „definitiv“ nicht bezahlen, so Heß. Der Bürgermeister spricht von einer „Schrottimmobilie“, die nichts mehr wert sei.

Ein von der Stadt in Auftrag gegebene Kostenschätzung gehe allein von knapp 160 000 Euro für den Abriss aus. Zudem sei die Stadt selbst Teil der Gläubigergemeinschaft und habe eine Forderung in Höhe von rund 14 000 Euro. Aufgrund des maroden Zustands sieht Heß dringenden Handlungsbedarf: „Da kann jedes Kind rein, wie schnell ist was passiert“, gibt er zu bedenken. „Ich werde von der Bürgerschaft angesprochen, da muss was passieren“, pflichtet er Matthias Armand bei. Heß sieht den Insolvenzverwalter in der Pflicht: „Der muss seiner Verkehrssicherungspflicht nachkommen.“

Nachbarn ärgern sich über „Schandfleck“

Die Anwohner ärgern sich nicht nur über den Schandfleck in der Nachbarschaft. Sie sehen das heruntergekommene Gebäude auch als potenzielle Gefahrenquelle.

„Vor ein paar Wochen waren da nachts welche drin, die die Scheiben zerdeppert haben“, berichtet Gerhard Schreck. Am nächsten Morgen habe er dann gesehen, dass alle kaputt sind. „Die Decke ist an manchen Stellen so marode, dass sie teilweise eingestürzt ist. Hinten fehlt die Dacheindeckung und es regnet rein“, sagt der Viermündener.

Heike Stiewe beobachtet öfters, dass Kinder im Prinzenhof spielen. „Ob da ein Absperrband hängt oder nicht, stört die doch wenig.“ Auch Jugendliche seien mit Mopeds von hinten an das Gebäude gefahren.

Sie mache sich vor allem Sorgen, dass der seitliche Hang irgendwann abrutsche. „Da fallen immer mal Steine runter und rollen bis an die Straße, an der der Fahrradweg entlangführt.“

Das Ehepaar Björn und Katrin Kruppa wohnt genau neben dem Prinzenhof. Auch ihnen fallen dort öfters spielende Kinder auf.

„Ich habe erst kürzlich drei erwischt und versucht, ihnen zu erklären, dass dort überall Scherben liegen und das alles einsturzgefährdet ist“, sagt Katrin Röhle-Kruppa. Zudem habe sie Angst, dass dort vielleicht irgendwann mal „gezündelt“ wird. „Da hat es vor ein paar Jahren schon mal gebrannt und wir wohnen direkt daneben.“ Ein großes Ärgernis seien zudem Dornenbüsche, die von dem Grundstück in ihren Garten wucherten, sagt Katrin Röhle-Kruppa. Sie habe deswegen auch bereits Kontakt mit dem Insolvenzverwalter aufgenommen. Den Vorschlag mit den Bauplätzen finde sie gut: „Es gibt viele junge Leute, die hier in Viermünden bauen wollen. Das wäre die beste Lösung.“

Das sagt der Insolvenzverwalter

„Der Verkauf gestaltet sich schwierig“, sagte Rechtsanwalt und Notar Dr. Andreas Kögel der HNA über den Prinzenhof. Es gebe zwar Interessenten und einige Besichtigungen, aber bis jetzt sei es nicht gelungen, das Grundstück zu verkaufen.

Er würde dem Wunsch des Ortsvorstehers nach Baugrundstücken gerne entsprechen, betont der Insolvenzverwalter. Allerdings könne er sich mit Bürgermeister Rüdiger Heß nicht auf einen Betrag einigen: „Er will einen Euro geben, ich will 10 000 Euro.“ Er habe den Kaufpreis bereits von ursprünglich 90 000 auf 10 000 Euro reduziert. Mehr könne er der Stadt nicht entgegenkommen. „Ich habe die Gläubigergemeinschaft im Rücken“, berichtet Dr. Kögel. Es sei zudem gesetzlich gar nicht zulässig, das Grundstück aus der Konkursmasse „wegzuschenken“.

„Ich möchte das Verfahren zum Abschluss bringen und würde gerne mit der Stadt an einem Strang ziehen.“. Er sei auch bereit, in größerer Runde Gespräche mit den Beteiligten zu führen. Darauf sei die Stadt aber bislang nicht eingegangen. Bezüglich der Verkehrssicherungspflicht sagt Kögel: „Ich habe das gesamte Grundstück mit Absperrband umgrenzt und mit Betreten-verboten-Schildern versehen. Hierdurch ist der Verkehrssicherungspflicht genügt. Für weitere Maßnahmen steht schlichtweg keine Insolvenzmasse zur Verfügung. Hier wären die Gläubiger gefordert, Massebeiträge zu leisten, wozu aber auch die Stadt wohl nicht bereit ist!“

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