Erinnerung an legendäre Rennen

"Massen wie noch nie in Battenberg"

Eintrag ins Goldene Buch: Bürgermeister Heinfried Horsel, Mechaniker Edmund Donner, Rennfahrer Rainer Kaiser, Unternehmer Kurt Biebighäuser (hinten, von links) sowie die Rennfahrer Heinrich Meier und Botho Knipp mit dem ehemaligen Funktionär Manfred Bode (vorne, von links).

Battenberg - Die Rennen "Rund um Battenberg" und "Battenberg-Ring" faszinieren noch heute: Diejenigen, die sie nur von Fotos kennen wie auch Zeitzeugen an den Rängen - oder die Fahrer selbst. Sie alle kehrten am Freitag zurück zum "Mythos Battenberg"

Rudolf Steber aus Berghofen, Autor zweier Fachbücher über die Battenberger Rennen sowie anderen hessischen Rennstrecken, und der Battenfelder Heimatforscher Reiner Gasse hatten sich für das Filmprojekt „Mythos Battenberg“ zusammengeschlossen. Mit Unterstützung von Günter Wack und Lothar Guth aus Battenberg und Rainer Bienhaus aus Battenfeld verarbeiteten sie alte Bilder und Filmausschnitte und befragten Zeitzeugen.

Am Freitag führten sie den Film erstmals auf. Das Interesse war gewaltig: Mehr als 400 Besucher kamen in die Burgberghalle: Darunter auch einige der noch lebenden Rennfahrer, wie Heinrich Meier aus Bad Laasphe, der beim ersten Rennen 1950 den ersten Platz in der 250-Kubikzentimeter-Klasse belegt hatte, außerdem Botho Knipp sowie die Lokalmatadoren Hans Polzer und Karl-Heinz Winter, den deutschen Meistern im Geländefahren 1959 und 1960. Etwas verspätet erreichte auch Josef Siebert die Burgberghalle. Der heute 84-Jährige war von 1954 bis 1956 in Battenberg unterwegs. Zuvor trugen sich einige der ehemaligen Fahrer und Funktionäre bei einem Empfang im Autohaus Biebighäuser in das Goldene Buch der Stadt Battenberg ein.

„Viele Rennfahrer haben sich in Battenberg ihre ersten Sporen verdient“, sagte Reiner Gasse. So fuhr der spätere Gespannweltmeister Max Deubel sein erstes Rennen überhaupt auf dem Battenberg-Ring. Das Kirchhainer Weltmeister-Duo Wilhelm Noll und Fritz Cron fehlte krankheitsbedingt.

Maßgeblichen Anteil an der Renngeschichte hatte aber auch der bis heute existierende Motorsportclub (MSC), dessen frühere Präsidenten Bernd Wagner, Manfred Ullmann, Lothar Guth und Kurt Biebighäuser unter den Besuchern waren. Mit dabei war auch Sprecherlegende Jochen Luck aus Kassel, der 1954 bis 1956 Streckensprecher in Battenberg war und schon 1952 zu den Zuschauern gezählt hatte.

Im Sonderzug zum Rennen

Rudolf Steber blickte mit einem Bildervortrag zunächst zurück in die Battenberger Renngeschichte, die am 24. September 1950 auf dem „Battenberger Ring“ begann – wenige Wochen vor Gründung des Motorsportclubs (MSC). „6000 Besucher kamen bei schlechtem Wetter“, erinnerte Steber – ein großer Erfolg. „Es kamen Menschenmassen wie noch nie nach Battenberg.“ Der Battenberger Bürger und Leiter des Kreisverkehrsbüros, Dr. Wolf Eckhardt Linke wollte wenige Jahre nach Kriegsende Battenberg bekannt machen – es gelang ihm, bis zu 40000 Menschen reisten zum Teil in Sonderzügen ins Obere Edertal.

Die Bilder führten zum Wiedersehen mit großen Persönlichkeiten wie dem Reddighäuser Herbert Reitz oder dem früheren Bürgermeister Robert Fingerhut, die maßgeblich an der Organisation der Rennen beteiligt gewesen waren. In Interviews kommen Zeitzeugen wie der Battenberger Alfred Noll zu Wort. Kurt Biebighäuser erzählte, wie die Motorräder einiger Fahrer am Rennwochenende in der Werkstatt seines Vaters standen und er – damals zwölf Jahre alt – von Karl Kronmüller eingeladen wurde, mal mit ihm „eine Runde zu drehen“. Auch Gerhard Schneider, ein „Mann der ersten Stunde“, kommt zu Wort, ebenso der frühere Polizist Manfred Bode. Er war 1952 dem MSC beigetreten und war auch bei der Vorführung am Freitag zu Gast.

Folgenschwere Unfälle während der Rennen am 10. August 1952 mit drei Toten bedeuteten das Ende für den etwas über sieben Kilometer langen Kurs „Rund um Battenberg“. Ab 1953 fanden die Rennen auf dem Battenberg-Ring, dem Straßendreieck Laisa/Holzhausen/Eifa, statt. Die „Mythos“-Macher nahmen die Zuschauer mit auf eine Runde über die Strecke: Sie hatten mit einem historischen Gespann den zwölf Kilometer langen Kurs abgefahren und mit der Videokamera aufgezeichnet.

Die Streckenführung hat sich in den vergangenen 60 Jahren nur unwesentlich verändert. Aus verschiedenen Gründen kam es nicht mehr zu einem schon geplanten Rennen im Jahr 1957. Unter anderem gab es keine Genehmigung mehr, durch Holzhausen zu fahren. „Das war einer der Gründe, dass 1956 die Lichter ausgingen“, berichtete Rudolf Steber. Auch beim letzten Rennen hatte es nochmals einen Toten gegeben. 1955 sorgte zudem ein katastrophaler Unfall mit 85 Toten beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans für neue Diskussionen über die Sicherheit bei Rennveranstaltungen – und die trugen wohl auch ein Stück weit zum Aus der Battenberger Rennen bei.

Erstmals zu sehen waren Filmaufnahmen vom Rennen „Rund um Battenberg“ aus dem Archiv von Herbert Franke – es sind die einzig bekannten bewegten Bilder. 1954 standen rund 30000 Menschen an der Strecke. 1955 waren es bei schlechtem Wetter 20000 Zuschauer. Der Film erinnerte auch an die Rundfahrten mit historischen Maschinen in jüngeren Jahren. Sie waren 1995 von Manfred Ullmann ins Leben gerufen worden.

Der Erlös aus Spenden kommt je zur Hälfte dem Frankenberger Hospizverein und der Opferschutzorganisation Weißer Ring zugute. Zu Beginn des Filmabends hatten die vereinigten Männerchöre aus Battenberg und Battenfeld gesungen, der Erste Stadtrat Georg Röse sprach ein Grußwort. Die Trägerschaft des Abends oblag dem Battenberger Geschichtsverein.

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