Bekämpfung mit Gift und Fallen

Massenhaft Mäuse in Waldeck-Frankenberg: So reagieren Bauern und Förster

Eine Rötelmaus – aufgenommen im Elbrighäuser Grund bei Battenberg.
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Eine Rötelmaus – aufgenommen im Elbrighäuser Grund bei Battenberg.

Nach dem trockenen Sommer ist auf Wiesen und Feldern in der Region ein starker Mäusebefall zu beobachten. Auch im Wald gibt es Probleme.

Waldeck-Frankenberg - Die kleinen Nager hatten – begünstigt durch einen milden Winter und mangelnde Niederschläge – in den vergangenen Monaten optimale Lebensbedingungen und haben sich in vielen Gegenden massenhaft vermehrt, berichtet Olaf Fackiner, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Frankenberg.

„Auf dem Grünland sind erhebliche Schäden durch den Mäusefraß entstanden“, sagt Fackiner. Auf den meisten Flächen müsse nachgesät werden. Hierdurch fallen nach seiner Schätzung Kosten von 250 Euro pro Hektar an. „Dabei habe ich allerdings den Ertragsausfall noch nicht eingerechnet“, sagt der Dainroder Landwirt. Zudem sei eine neue Aussaat erst dann sinnvoll, wenn sich die Mäusepopulation wieder verringert habe, da die Grassamen derzeit ein weiteres „gefundenes Fressen“ für die Mäuse seien.

Außer auf den Wiesen werden die Mäuse auch auf Ackerland zum Problem. Sie legen unterirdische Gänge an und fressen an Wurzeln sowie oberirdischen Pflanzenteilen. „Man sieht zum Beispiel bei Gerste und Raps jetzt ovale Flecken. Das sind Anzeichen für Mäusefraß“, erläutert Fackiner.

Der stellvertretende Pressesprecher des hessischen Pflanzenschutzdienstes, Thorsten Haas, bestätigt, dass landesweit ein stärkeres Mäuseauftreten zu beobachten sei. Von einer „Plage“ will er aber in Hessen nicht sprechen. „Feldmäuse treten zyklisch in sogenannten Gradationen auf. Etwa in jedem dritten Jahr kommt es zu stärkerem Befall. Meist brechen die Populationen aufgrund von Krankheiten und Hunger nach dem Höhepunkt der Graduation wieder zusammen, bevor sie sich danach wieder aufbauen“, teilt Haas mit.

Olaf Fackiner, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Frankenberg

Wenn es zukünftig grundsätzlich trockener und wärmer werde und auch die Winter milder ausfallen, könne das den Mäusen in die Karten spielen. Anders, sagt der Experte, sei die Situation aber in einigen der neuen Bundesländer zu beurteilen, wo auf großen Flächen mit wenigen Kulturen „extremer Starkbefall“ vorliege. Hier könne man durchaus von einer Plage sprechen.

Giftweizen ist erlaubt

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat eine Notfallzulassung gegen Feld- und Erdmäuse in Acker- und Obstkulturen sowie Wiesen und Weiden erteilt. Sie gilt für das Pflanzenschutzmittel „Ratron Giftweizen“ und darf bis 6. Januar 2021 genutzt werden. Für Kreisbauernverbandsvorsitzenden Olaf Fackiner ist das keine Option. „Das wollen wir nicht“, stellt er klar. Ohnehin sei die Ausbringung nur mit Spezialwerkzeug möglich und sehr aufwendig. bs

Nicht nur Landwirte haben derzeit Probleme durch viele Mäuse auf ihren Feldern. Auch den Förstern bereiten Mäuse im Wald einige Sorgen. „Warme, trockene Jahre sind Mäusejahre, sagt man“, berichtet Fabian Krämer von Hessen-Forst.

Und genau diese Erfahrung machen er und seine Kollegen in diesen Wochen: „Mein Chef hat bei einem Kontrollgang gemerkt, dass neu angepflanzte Bäume einfach rausgezogen werden können“, sagt Krämer. Dies deute darauf hin, dass dort Mäuse am Werk seien. Auch auf Wiesen seien vermehrt Löcher und Gänge zu beobachten. „Wir haben insgesamt den Eindruck, dass es aktuell einen hohen Befall gibt.“

Systematische Erfassung: Revierleiter Fabian Krämer setzt Mausefallen, um den Befall-Index der schädlichen Nager zu ermitteln. Erst wenn ein kritischer Wert überschritten ist, darf Gift eingesetzt werden.

Insbesondere auf den vergrasenden Flächen, wo anstelle der abgestorbenen Fichtenbestände jetzt Laubbäume gesetzt worden seien, sorgen die Nager für Probleme. „Die Mäuse fressen sowohl die Wurzeln als auch die oberirdischen Pflanzenteile an und das führt dazu, dass die jungen Bäume absterben“, erläutert der Revierleiter und zitiert einen unter Forstleuten üblichen Ausspruch: „Gras – Maus – Aus“. Damit werde beschrieben, dass auf den durch Windwurf oder Schädlingsbefall frei gewordenen Flächen im Wald zunächst Gras wachse und sich dann Mäuse ansiedeln würden, die das Aus für die Setzlinge bedeuteten.

Da die natürlichen Mäusefeinde wie Mäusebussard oder Fuchs die Populationen nicht mehr alleine eindämmen könnten, werde derzeit geprüft, ob man zu drastischeren Mitteln greifen und mit Gift gegen die Nager vorgehen könne.

„Vorher müssen wir aber die Bekämpfungsnotwendigkeit mit einem Monitoring nachweisen“, sagt Krämer. Dies erfordere das Auslegen von jeweils 50 Mausefallen pro Kulturfläche in zwei Nächten. Bei dem sogenannten „100-Fallennächte-System“ werde die Gesamtzahl der gefangenen Mäuse dann in das Verhältnis zur Anzahl der Fallennächte gesetzt und daraus ein Indexwert errechnet.

„Wenn wir zehn Kurzschwanzmäuse gefangen haben, dürfen wir mit Zinkphosphid ummantelte Giftlinsen einsetzen“, so Krämer. Das Phosphid verwandele sich, wenn es mit der Magensäure der Mäuse zusammenkomme, in giftiges Gas und die Tiere sterben. „Das wird natürlich nicht so gerne gemacht und wir sind gehalten, den Einsatz so gering wie möglich zu halten“, betont Krämer. Aber derzeit gehe man von einem Handlungsbedarf aus. Die Fallen seien bereits geliefert und sollen zeitnah ausgebracht werden, kündigte er an. (Von Susanna Battefeld)

Gefährlich sind nur die Kurzschwanzmäuse

Mäuse sind in der Lage, Forstkulturen völlig zu vernichten. Gefährlich und damit bekämpfungswürdig sind aber nach einem Merkblatt der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA), mit der auch Hessen-Forst zusammenarbeitet, allein die sogenannten Kurzschwanzmäuse (KSM) oder Wühlmäuse. Charakteristisch sind ein plumper Körperbau, kurze Gliedmaßen, kleine im Fell versteckte Ohren und kleine Augen. Zu dieser Art zählt man unter anderem Erdmaus, Rötelmaus, Feldmaus und Schermaus.

Langschwanzmäuse besitzen dagegen einen deutlich vom Rumpf abgesetzten Kopf, große Ohren und Augen. Ihre Gliedmaßen sind hinten länger als vorn. Sie haben einen mindestens körperlangen Schwanz. Die Fortbewegung ist oft hüpfend, sie sind sehr gute Kletterer. Langschwanzmäuse sind zum Beispiel Gelbhalsmaus, Waldmaus, Brandmaus und Zwergmaus. Sie stehen unter Artenschutz.

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