„Keine Angst vor bösen Mächten“

Im kleinen Ort Ernsthausen: Death-Metal-Festival mit 17 Band und 400 Fans

+
Masters of the Unicorn: Unter diesem Titel (übersetzt Meister des Einhorns) veranstaltet dieses Team das Death-Metal-Festival in Ernsthausen.  

Ernsthausen. In Ernsthausen steht ein „höllisches“ Wochenende bevor. Der Verein Morbid Sounds (morbide Klänge) organisiert auf dem Festplatz Vogelweide am Freitag und Samstag, 27. und 28. Juli, das Death-Metal-Festival „Masters of the Unicorn“ mit 17 Bands aus dem In- und Ausland.

Sie tragen Namen wie „Abomination“ (Gräuel), „Gruesome“ (Furchtbar) „Minenfeld“, „Kriegszittern“ oder „Violent Frustration“ (gewalttätige Frustration) und spielen extremen Hardrock.

Die Musikrichtung des Extreme Metal steht für martialische Melodien, schnelle Rhythmen, kehligen Gesang und Liedtexte, in denen Tod, Horror, Krieg und auch Satanismus besungen werden – meist mit gesellschaftskritischer Ausrichtung. „Über Geschmack lässt sich streiten“, sagt Ortsvorsteher Patrick Schneider. Aber in Ernsthausen stehe man dem Festival größtenteils positiv gegenüber.

„Ich selber und auch der gesamte Ortsbeirat haben keine Angst vor bösen Mächten, deren Anwesenheit schon befürchtet wurde. Ein solches Festival ist für unsere Gemeinde und besonders für Ernsthausen eine Ehre. Es kommen Bands und Besucher aus halb Europa. Alle Pensionen in der Umgebung sind ausgebucht.“

Der Ortsvorsteher verweist darauf, dass es schon andere Konzert extremer Musikrichtungen, wie etwa Goa, in Ernsthausen stattgefunden haben. „Der Vorsitzende des veranstaltenden Vereins, Thomas Werner, hat nach Ernsthausen geheiratet, ist Vater von drei Kindern und nimmt voll am Dorfleben teil“, erläutert er weiter.

Am Mittwoch haben Thomas Werner und rund 30 Aktive mit dem Aufbau am Festplatz Ernsthausen gegenüber des Schützenhauses begonnen. Die Bühne ist entsprechend der morbiden Klänge ganz in Schwarz gehalten. Daneben haben sie weiße Zelte aufgebaut für die Versorgung der maximal 400 Gäste mit Essen und Getränken, und eine kleine Zeltstadt, wo die Bands und ihre Crews übernachten. Weiter oben gibt es auch einen Zeltplatz für die Fans.

„Wir haben dafür gesorgt, dass ausreichend Wasseranschlüsse verlegt werden. Denn wenn das Wochenende höllisch wird, dann wegen der Hitze“, sagt Werner. „Wir werden überall Aschenbecher verteilen. Für die Gäste haben wir einen Grillplatz mit festem Untergrund und Feuerlöschern in Reichweite eingerichtet.“ Ersthelfer der Feuerwehr Ernsthausen werden vor Ort sein. „Bei den Temperaturen muss man mit Kreislauf-Problemen rechnen“, sagt Werner.

Auch weitere junge Leute aus Ernsthausen unterstützen den kleinen Verein. Dessen zwölf Mitglieder kommen aus ganz Deutschland – es sind Lehrer, Erzieher, Mechaniker oder Manager. Werner ist das einzige Mitglied aus Ernsthausen. Sie sind beim Aufbauen entspannt, denn sie haben Erfahrung. Seit 2014 organisieren sie dieses Festival. Bisher in Marburg-Dilschhausen und nun erstmals in Ernsthausen.

Über Befürchtungen und Reaktionen aus der Bevölkerung sowie die Vorbereitung des Festivals sprachen wir mit Thomas Werner vom veranstaltenden Verein Morbid Sounds.

Die HNA erhielt einen Leserbrief von einer Frau aus Roda, die darin ihre Angst ausdrückte, dass am Wochenende „böse Mächte“ während des Festivals „ungehindert ihren Einfluss ausüben werden“. Was sagen Sie zu dieser Sorge? 

Thomas Werner: Ich halte diese Sorge für unbegründet. Böse Mächte werden an dem Wochenende keinen Einfluss ausüben. Die Bandnamen mögen für Außenstehende etwas befremdlich wirken, jedoch haben viele Bands eher einen sozialkritischen Ansatz. Unser Publikum tritt friedlich und weltoffen auf und der Name des Festivals zeigt auch, dass wir die Sache mit einem Augenzwinkern sehen.

Was fasziniert Sie und die Mitglieder des veranstaltenden Vereins „Morbid Sounds“ an dieser extremen Musikrichtung? 

Thomas Werner: Allgemein kann ich das nicht sagen. Da müsste jedes Vereinsmitglied diese Frage für sich beantworten. Mich persönlich spricht die Energie der Musik an, welche ich positiv für mich aufsauge.

Welche Reaktionen haben Sie bisher auf das geplante Death-Metal-Festival in Ernsthausen erhalten? 

Thomas Werner: Überwiegend sind die Leute uns gegenüber sehr positiv eingestellt. Skeptiker gibt es zwar immer, aber ich hoffe, wir können auch diese überzeugen.

In den vergangenen Jahren haben Sie solche Konzerte in einer Hofreithe in Marburg-Dilschhausen organisiert. Was ist in Ernsthausen anders? 

Thomas Werner: Ernsthausen bietet uns und den Besuchern infrastrukturell neue Möglichkeiten. Für uns als Veranstalter macht der Umzug einige Sachen leichter. Für die Besucher gibt es einen Bahnhof, Einkaufsmöglichkeiten und Bankautomaten. Außerdem werden wir mit örtlichen Vereinen zusammenarbeiten, sodass jeder was davon hat. Die Besucher, der Ort Ernsthausen und wir als Veranstalter.

Glauben Sie persönlich an Gott und/oder den Teufel? 

Thomas Werner: Ich persönlich glaube weder an Gott noch an den Teufel. Jeder Mensch hat die Freiheit, an das zu glauben, was er will, aber Glaube sollte nicht in Ablehnung und Diskriminierung gegenüber Andersdenkenden ausarten. 

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare