Türkische Gäste in Frankenberg

Von der Mega-Metropole ins Land-Idyll

+
Ganz anders als daheim: 20 Schüler aus der türkischen Metropole Istanbul sind derzeit zu Besuch in Frankenberg und erleben das gemächliche Leben einer deutschen Kleinstadt.

Frankenberg - Die Unterschiede könnten größer kaum sein: Rund 14 Millionen Menschen leben im Großraum Istanbul, knapp 18000 sind es in Frankenberg. Und doch sind 20 türkische Schüler, die die Ederstadt für eine Woche besuchen, fasziniert von dem Altstadt-Idyll.

Istanbul bietet wahrscheinlich alles, was eine Stadt nur bieten kann: Historie und Moderne, Bildung, Religionen, Kultur, Nachtleben, Stille und Hektik und all das auf einmal. Und dennoch schafft es eine kleine Stadt wie Frankenberg, auf Schüler aus dieser euro-asiatischen Mega-Metropole mit 14 Millionen Einwohnern eine gewisse Faszination auszuüben. „Unsere Schüler wollen keine Hochhäuser sehen, denn die kennen sie ja“, sagt der Lehrer Gökhan Nalcaci. Er ist am privaten Çevre College zuständig für die Koordination für internationale Projekte und überzeugt: „Die Schüler genießen den Unterschied.“

Und der könnte größer kaum sein: Sieben Tage bleiben die Kinder in der Region und haben dabei Programmpunkte wie einen Besuch auf dem Bauernhof, Bowling, eine Fahrt an den Edersee oder den Besuch der – aus Istanbuler Perspektive wohl kaum spürbar größeren – Universitätsstadt Marburg auf dem Plan.

Zuerst geht es aber zu einem Treffen mit Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß: „Das ist natürlich etwas Besonderes und würde in Istanbul nicht passieren – da bleibt die Tür zu“, sagt Nalcaci, der zusammen mit der Deutschlehrerin Arzu Atak reist. Heß nimmt sich Zeit für die 20 Siebtklässler, erläutert die Historie der Stadt und des historischen Rathauses, in dem er empfängt. Insbesondere geht er aber auf das gute Miteinander von Türken und Deutschen ein. Dass die Beziehungen beider Länder durchaus besondere sind, zeigt allein, dass einige der Kinder ein wenig Deutsch sprechen – obwohl der Austausch eigentlich dem Erlernen der englischen Sprache dienen soll, auch bei den deutschen Gastschülern. Heß erläutert, wie offen die islamische Gemeinde in Frankenberg ist. Und er geht auf den türkisch-deutschen Verein ein, der sich um gegenseitigen Respekt und gegenseitiges Kennenlernen bemüht. Heß verschweigt aber auch nicht, dass dieser Verein als Reaktion auf ausländerfeindliche Anschläge in Deutschland gegründet wurde.

Für die Schule aus Istanbul ist die Edertalschule, an der Vroni Retzer den Austausch leitet, nur einer von vielen Partnern. Aber ein besonderer, wie Gökhan Nalcaci betont. „Eigentlich nehmen wir immer nur zehn Schüler mit auf Reisen“, betont er – bei diesem zweiten Besuch sind es jedoch schon 20 – und es sollen noch mehr werden. Deutschland sei wichtig, betont der Lehrer. Zudem würden ganz besonders bei diesem Austausch beide Seiten voneinander profitieren: die Deutschen könnten besser Englisch als andere Nationen. Und schließlich vertrauten die Eltern den Lehrern – und den Frankenbergern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare