Frankenberg

„Mehr Arbeit auf weniger Schultern“

- Frankenberg (jos). Bislang hat sich beim Vorstand des Frankenberger Kulturrings noch niemand gemeldet, der sich vorstellen könnte, den Vorsitz des Vereins zu übernehmen.

In der FZ-Mittwochsausgabe hatten wir darüber berichtet, dass der Kulturring dringend eine neue Führung braucht. Hintergrund: Seit drei Jahren ist der Posten des Vorsitzenden nicht besetzt. Als zweiter Vorsitzender führt derzeit Markus Wagener den Verein – er kündigte allerdings an, bei den nächsten Wahlen nicht mehr zu kandidieren. Und auch die beiden weiteren Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes, Helmut Schomann (Kassierer) und Jörg Bomhardt (Schriftführer), wollen unter den jetzigen Voraussetzungen nicht weitermachen. Denn die Arbeit sei derzeit schlichtweg auf zu wenigen Schultern verteilt, erklärte Schomann in einem Pressegespräch am Donnerstag. Bei Kassierer Schomann und der Beisitzerin Susanna Krobisch liege derzeit der „Löwen-Anteil“ der Arbeit, betonte Wagener in dem Gespräch. Krobisch betreibt in Frankenberg eine Veranstaltungsagentur und war seinerzeit zur Entlastung des Vorstands als Dienstleisterin beauftragt worden. „Mittlerweile arbeitet sie allerdings viel mehr ehrenamtlich für den Verein, als sie an Dienstleistungen bezahlt bekommt“, stellte Wagener klar – unterm Strich seien das mehrere hundert Stunden pro Jahr. Mehr Professionalität Durch das Engagement der Veranstaltungsexpertin sei der Kulturring aktuell qualitativ besser aufgestellt denn je – das habe sich auch in einem Anstieg der Besucherzahlen gezeigt, unterstrich Wagener. Doch mehr Professionalität bedeute eben auch mehr Arbeit, erklärte der zweite Vorsitzende. Während Wagener sich in jedem Fall aus der Arbeit im geschäftsführenden Vorstand zurückziehen will, könnten sich Schomann und Bomhardt durchaus vorstellen, als Kassierer und Schriftführer weiterzumachen. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass sich ein neuer erster und zweiter Vorsitzender finden. Und dass sich allgemein wieder mehr Leute bereit erklären, Aufgaben zu übernehmen. Die Betätigungsfelder seien breit, betonten die Vorstände. Unterstützung wünschen würden sie sich zum Beispiel bei der Gestaltung der Programmhefte, beim Aufhängen der Plakate oder beim Nummerieren der Eintrittskarten und bei der Organisation des Vorverkaufs. Die Zeit drängt: In diesen Wochen müsste die Vorbereitung der Spielzeit 2010/2011 beginnen. Doch die fällt ins Wasser, wenn sich keine neuen Vorsitzenden finden – denn in diesem Fall will der aktuelle Vorstand den Verein auflösen. „Wenn sich nichts ändert, können wir so nicht weitermachen“, unterstrich Wagener. Theater, Konzerte, Kabarett: 17 Veranstaltungen pro Jahr würden in Frankenberg wegfallen, sollte sich der Kulturring tatsächlich auflösen. „Diese Lücke können kommerzielle Veranstalter von Tourneen nicht schließen“, ist sich Markus Wagener sicher. Zwar gebe es in der Ederberglandhalle vermehrt Gastspiele von Musical-Shows oder Coverbands – aber eben kein Theater und keine klassische Musik. Wie wichtig allerdings kulturelle Angebote vor Ort seien, betonte Schomann, indem er auf den Bevölkerungswandel verwies. Denn gerade ältere Menschen seien häufig in ihrer Mobilität eingeschränkt und hätten nicht die Möglichkeit, Theateraufführungen in Marburg oder in Kassel zu besuchen. Bürgermeister Christian Engelhardt betonte auf FZ-Nachfrage, dass die Stadt dem Kulturring keine weitere Unterstützung anbieten und damit nicht in die Bresche springen könne. „Die städtischen Angestellten machen ja schon sehr viel für den Verein“, betonte der Rathauschef und nannte beispielsweise den Hausmeister der Ederberglandhalle, der für die Veranstaltungen die Stühle stellt. Vor dem Hintergrund der knappen öffentlichen Kassen sei auch ein höherer finanzieller Zuschuss nicht möglich. Keine Möglichkeiten Auch perspektivisch sieht er keine Möglichkeiten, dass die Stadt selber sich mehr um kulturelle Veranstaltungen bemühen könnte. Mit den Frankenberger Kaufleuten will Engelhardt im nächsten Jahr zwar über ein gemeinsames Stadtmarketing diskutieren. „Aber die Arbeit des Kulturrings wäre da nicht richtig aufgehoben“, betonte der Rathauschef auf FZ-Nachfrage. Denn bei einer möglichen Kooperation der Verwaltung mit dem kaufmännischen Verein gehe es um die Vermarktung Frankenbergs als Einkaufsstadt – „und die Kulturarbeit ist Arbeit für unsere Bürger“, erklärte der Bürgermeister. Langfristig könnte sich Engelhardt eine interkommunale Zusammenarbeit in Sachen Kultur vorstellen. „Die Veranstaltungen müssen ja nicht immer in der Ederberglandhalle stattfinden, sie könnten ja zum Beispiel auch einmal in der Kirche in Frankenau sein“, erklärte Engelhardt.Dem Kulturring-Vorstand wolle er aber nicht reinreden, so der Rathauschef: „Ich bin sehr dankbar für das vielschichtige ehrenamtliche Engagement in unserer Stadt, das aufgrund der finanziellen Probleme des Staates noch mehr an Bedeutung gewinnen wird. Daher hoffe ich, dass sich auch für den Kulturring weiterhin engagierte Bürger finden.“

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