IG Metall beendet erste Streikrunde bei Hettich

Mehr Geld und Zeit für Bildung

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Bei Minusgraden demonstrierte am Mittwochmittag die Frühschicht des Druck- und Spritzgusswerkes Hettich für mehr Lohn und anders gestaltete Teilzeitregelungen für Ältere und Qualifizierungswillige.Fotos: Malte Glotz

Frankenberg - Die Trillerpfeifen sind vorerst wieder verstummt: Bei Hettich, auf dem Auhammer und dem Reddighäuser Hammer haben mehrere Hundert Mitarbeiter für mehr Lohn und andere Teilzeit-Regelungen gestreikt. Jetzt wird wieder verhandelt.

Die Fronten in der Metall- und Elektroindustrie bleiben auch in Nordhessen verhärtet: Nach knapp einer Streikwoche sind die Trillerpfeifen zwar vorerst wieder eingepackt, die Positionen aber bleiben nahezu unverändert.

Seit die Friedenspflicht am 29. Januar ausgelaufen ist, sind in ganz Nordhessen Hunderte Arbeitnehmer in der Metall- und Elektroindustrie auf die Straße gegangen. Den Abschluss für den Landkreis Waldeck-Frankenberg bildete gestern die Frühschicht des Frankenberger Hettich-Werkes mit knapp 100 Demonstrierenden. Bereits am Montag waren bei Frank Walz- und Schmiedetechnik in Reddighausen rund 50 Protestierende für mehr Lohn, eine Anpassung der Regelungen für die Altersteilzeit und die Möglichkeit einer Qualifizierungs-Teilzeit in den Streik getreten, am Dienstag waren es auf dem Auhammer etwa 130 Demonstranten.

Gewerkschaftssekretär Bernd Löffler erläuterte den Streikenden, wofür sie die Arbeit aussetzen:

5,5 Prozent mehr Lohn: Diese Gewerkschaftsforderung sei „seriös durchgerechnet“ und würde den Unternehmen nicht wehtun, sagte Löffler. Die Arbeitgeber bieten ab dem 1. März 2,2 Prozent bis zum Jahresende und verweisen auf die erst neun Monate zurückliegende Gehaltserhöhung. Löffler wies dieses Angebot zurück: „Das ist weniger, als manche Institute für den Inflationsausgleich und die Produktivitätssteigerung berechnen“, sagte er in Frankenberg. Die Mitarbeiter der Betriebe seien „die wahren Leistungsträger dieser Gesellschaft“ und müssten dementsprechend entlohnt werden. Selbst die Bundesre­gierung rechne mit einer Lohnsteigerung von durchschnittlich 3,2 Prozent - weniger könne also keinesfalls akzeptiert werden.

Altersteilzeit: „Das Leben ist mehr als Arbeit“, sagte Löffler. Gerade in der Metall- und Elektro-Branche sei oftmals harte körperliche Arbeit an der Tagesordnung. Daher sei der Wunsch auf einen früheren Renteneintritt zu respektieren. Die Arbeitgeberverbände bieten einen tariflichen Anspruch für maximal zwei Prozent besonders belastete Beschäftigte. Löffler kritisierte, dass so nur jene aussortiert werden sollen, die für die Unternehmen keinen Mehrwert mehr hätten. „Mit uns wird das nicht gehen“, stellte er die Gewerkschafts-Position heraus.

Bildungs-Teilzeit: Für jüngere Angestellte fordert die IG Metall die Möglichkeit, für eine Weiterqualifizierung in Teilzeit zu gehen. „Da ist von den Arbeitgebern bislang überhaupt nichts gekommen“, sagte Jugendsekretär Matthias Ammer. Tatsächlich bieten die Arbeitgeber schwammig formuliert „gemeinsame Bemühungen um Weiterbildung für An- und Ungelernte“. Ammer fordert die Chance auf Teilzeit allerdings für jeden: Oftmals würden Unternehmen Weiterqualifizierungen loben, „aber wenn es konkret wird, wird man fallengelassen“, sagte er. Es könne nicht sein, dass Arbeitnehmer in Extremfällen ihren Arbeitsplatz aufgeben, um ein Abitur oder ein Studium nachzuholen. Auch sei die Mehrbelastung einer berufsbegleitenden Qualifizierung kaum zumutbar.

Auf die besondere Situation des Druck- und Spritzgusswerkes Hettich gingen sowohl Löffler als auch Betriebsratsvorsitzender Steffen Pfingst vor der demonstrierenden Frühschicht ein. Sie drückten die Hoffnung aus, dass der Tarifvertrag auch für die Angestellten des gesellschaftlich ausgegliederten entstehenden Karst-Werkes gelten wird. „Da hören wir durchaus positive Signale“ sagte Pfingst.

Von Malte Glotz

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