Ausschussmitglieder und Ortsvorsteher kritisieren, dass Feldwege noch nicht zurückgebaut sind

Mehr Gewinn mit höheren Windrädern

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Acht Windkraftanlagen drehen sich über Ernsthausen (die achte Anlage befindet sich rechts außerhalb des Fotos). Projektentwickler Wotan will eine der kleineren Anlagen durch eine 200 Meter hohe ersetzen und eine neunte Anlage bauen. Archivfoto: Adel

Burgwald-Ernsthausen - Die Firma Wotan betreibt bereits vier 150 Meter hohe Windräder bei Ernsthausen. Die Erträge liegen allerdings 25 Prozent hinter den Erwartungen zurück. Schuld sind Berechnungsfehler. Für zehn Millionen Euro möchte das Unternehmen zwei weitere, sogar 200 Meter hohe Anlagen errichten.

Die Höhe der Windkraftanlagen war am Montagabend nur kurz Thema der Diskussion. Vielmehr monierten die Mitglieder des Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsauschusses, dass die Firma Wotan noch immer nicht die Feldwege zurückgebaut hat, die sie für die Errichtung der Räder im Sommer 2011 ausbauen ließ. „Sie wollen in Millionenhöhe investieren und sind nicht in der Lage, Feldwege zurückzubauen“, kritisierte Hermann Briel von der Bürgerliste Ernsthausen. Laut Projektleiter Jörg Ehlers ist eine Firma mit dem Wegebau beauftragt, allerdings sei das Wetter dazwischengekommen. Bürgermeister Lothar Koch stellte klar: Sollte die Genehmigung zum Bau weiterer Anlagen erteilt werden, bestünde die Gemeinde auf einen Vertrag, in dem der Zeitpunkt für den Rückbau exakt definiert sei.

Der Projektleiter stellte den Abgeordneten das Konzept im Detail vor: Wotan möchte eine rund 85 Meter hohe Anlage eines privaten Betreibers abbauen und durch eine 200 Meter hohe ersetzen. Gespräche mit dem Besitzer dieses Windrades liefen schon. Momentan ist es außer Betrieb: Nach einem Blitzschlag ist der Motor ausgebrannt. Eine weitere 200 Meter hohe Anlage plant Wotan nordwestlich auf Gemeindegrund - Pachteinnahmen für die Gemeinde wären die Folge. Zudem denkt Wotan an eine Bürgerbeteiligung.

Die bisherigen 150 Meter hohen Windräder werfen laut Ehlers 25 Prozent weniger Ertrag ab als erwartet. Ein zu hoch angesetztes Windgutachten sei schuld - zudem seien die Messungen an den kleinen Windrädern nicht berücksichtigt worden. „Das war ein Fauxpas. Den gleichen Fehler machen wir nicht wieder.“ Mit moderner Technik und der höheren Anlage will Wotan mehr erwirtschaften. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit sei die Anzahl der Stunden, in denen ein Windrad mit voller Generatorleistung laufen kann. Diese sogenannten Volllaststunden werden dadurch eingeschränkt, dass der Betreiber des Windrads gesetzliche Bestimmungen einhalten muss. Laut Richtlinien darf ein Haushalt nicht mehr als 30 Minuten am Tag und 30 Stunden im Jahr durch Schattenwurf beeinträchtigt werden. „Die Windräder sind technisch so ausgesteuert, dass sie sich abschalten, sobald dieser Wert erreicht wird“, erklärt Ehlers im Ausschuss. Beim Lärm sei es das gleiche Prinzip: Wird der Geräuschpegel überschritten, der nachts am geöffneten Schlafzimmerfenster ankommt, müssen die Räder ebenfalls abgeschaltet werden.

Sollte das Parlament mit den neuen Windrädern einverstanden sein, würde Wotan bei der Gemeinde einen Antrag auf Änderung des Flächennutzungsplanes stellen, informierte Ehlers. Aktuell sind in dem Plan 150 Meter als maximale Höhe festgesetzt. Der von der Gemeinde engagierte Landschaftsplaner Detlef Schmidt ergänzte, dass dann ein Bauleitplanverfahren folge, „bei dem jeder Bürger Widerspruch einlegen kann, der glaubt, er sei von den Anlagen betroffen“. Zuvor müsste Wotan Gutachten erstellen. „Das kann sich sechs Monate hinziehen, bis wir alle Unterlagen haben“, sagte Ehlers.

Ernsthausens Ortsvorsteher Frank Kleinwächter stellte klar, dass sich noch niemand über die Pläne oder die bestehenden Wotan-Anlagen beschwert habe. „Die stören gar nicht“, sagte er. Allerdings gab er zu bedenken, dass die ins Auge gefassten Standorte viel näher an Ernsthausen liegen: „Dort geht die Sonne unter, und die Schatten der hohen Anlagen fallen auf das Dorf.“

Von Patricia Kutsch

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