Weihnachtszeit

Mehr Päckchen gab es nie: Unterwegs mit einem Paketzusteller

Weihnachtsstress: Paketfahrer Werner Trögel macht derzeit Überstunden. Die Deutsche Post schätzt, dass während der Adventstage in Frankenberg doppelt so viele Pakete ausgefahren werden wie sonst. Wöchentlich sind es etwa 15 000. Fotos: Schumann

Frankenberg. Der Mann, der keine Zeit hat, kommt um 10.50 Uhr durch die Seitentür ins Paketauto gesprungen. Zurück hinterm Lenkrad schiebt er sich schnell eine Handvoll Lebkuchen in den Mund. „Die Kunden wissen, dass ich gerne nasche“, sagt Werner Trögel mit vollen Backen.

Zur Weihnachtszeit bekommt er im Hörgeräte-Laden Leckereien zugesteckt, wenn er morgens Pakete bringt. Trögel ist einer von vier Fahrern der Deutschen Post, die in der Vor-Weihnachtszeit Pakete in Frankenberg verteilen. In Zeiten des Internethandels ein nicht endender Dauerlauf: Im Dezember werden rund 15 000 Pakete pro Woche in der Stadt ausgefahren, so die Schätzungen des Unternehmens. Das sind doppelt so viele wie in anderen Monaten.

Deshalb beschäftigt die Frankenberger Post zurzeit einen zusätzlichen Fahrer. Dennoch sagt Werner Trögel: „An manchen Tagen fahre ich 300 Pakete aus. In acht Stunden schaffe ich das Pensum zur Zeit fast nie.“ Im Gegensatz zu einigen Konkurrenz-Diensten bezahlt die Deutsche Post ihren Festangestellten die Überstunden. Trögel wird auch am 22., 23. und 24. Dezember arbeiten.

Auf seiner Tour durch die Neustädter Straße rezitiert der 55-Jährige mit vollem Mund Zahlen und Fakten. 40 Jahre arbeitet er für die Post, 30 Minuten benötigt er für die Fußgängerzone. Das sei die Vorgabe.

Von der Wagen-Heizung ist nichts zu spüren, es ist kalt im Lieferauto. Doch keine Angst, beschwichtigt Trögel: Bei Paketfahrern in Aktion kommt die Wärme von Innen.

Die Deutsche Post pflegt das stetig expandierende Geschäft mit den Paketen. Im südhessischen Obertshausen wird gerade ein Paketzentrum gebaut, in dem 50 000 Sendungen pro Stunde sortiert werden sollen. Der Paketversand schafft Arbeitsplätze. Logisch, denn deutschlandweit werden mehr Pakete verschickt als je zuvor. „Wir gehen davon aus, dass wir im Dezember die Acht-Millionen-Marke knacken“, sagt Post-Sprecher Alexander Böhm. Pro Tag, versteht sich. Im Dezember 2012 waren es sieben Millionen.

Das bedeutet einerseits Überstunden. Andererseits gehört es zu den Vorzügen seines Jobs, dass er einer der bekanntesten Menschen in Frankenberg ist. „Werner, hast du Post für mich?“, heißt es mehrfach, wenn Passanten sein gelbes Gefährt in der Bahnhofstraße sichten.

Für Trögels Weihnachts-Routine ist die Witterung derzeit hervorragend. „Schwierig wird es, wenn ernsthafte Schneefälle einsetzen“, sagt er. Dann rollt die Sackkarre nicht und Trögels Laufschritt wird langsamer. „Vor drei Jahren war es heftig“, sagt er. Vor lauter Schnee kamen die Räumfahrzeuge in der Altstadt nicht mehr hinterher. „Da bin ich im Rückwärtsgang den Berg zum Rathaus hoch. Wir haben ja Heckantrieb.“

Die Woche nach den Feiertagen sei die schönste Arbeitszeit des Jahres, sagt Trögel. Und das, obwohl es dann keine Lebkuchen mehr gibt.

Quelle: HNA

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